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Ausgabe Nr. 20/2024 vom 14.05.2024, Foto: Zeppelzauer
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Madeleine Petrovic (Mitte) und ihre Mitstreiterinnen: Nora Summer, 43, ist Stuntfrau, Sprecherin und Autorin (li.). DI Dr. Monika Henninger-Erber, 58, ist promovierte Chemikerin (re.).
„Wir wollen mit der
,Liste Madeleine Petrovic‘
ins Parlament“
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Die Ex-Grünen-Chefin Madeleine Petrovic, 67, gründet eine neue Partei. Als „grünes Urgestein“ blutet ihr das Herz, weil die jetzigen Grünen in der Regierung an den grünen Grundwerten und an den Bürgern unseres Landes vorbei arbeiten. Wie sie mit ihren zwei Mitstreiterinnen den Einzug ins Parlament schaffen will, verrät sie exklusiv im WOCHE-Interview.
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Frau Dr. Petrovic, Sie haben gerade eine neue Partei gegründet und Anfang dieser Woche die Satzung im Innenministerium hinterlegt. Was war der Auslöser dafür?

Madeleine Petrovic: Von Johanna Dohnal (1939 bis 2010, SPÖ Frauenministerin), die ich sehr geschätzt habe, stammt der Satz: ,Aus taktischen Gründen leiser zu treten hat sich noch immer als Fehler erwiesen.‘ Das habe ich mir auch bei der Kandidatur gedacht, jetzt ist nicht die Zeit, leiser zu treten. Ich hätte das nicht gemacht, wenn es nur mein Ärger über die vergangenen Jahre gewesen wäre. Aber mein Name ist bekannt und in der momentanen Situation sehe ich das als meine Verpflichtung.

Nora Summer: Uns war es einfach nicht mehr möglich, stillzusitzen, alles geschehen zu lassen und nur auf die Politik zu schimpfen. Wir wollen gestalten und sagen, wir haben für euch ein Angebot, wir wollen gemeinsam eine hoffnungsvolle Zukunft haben. Das geht nur Schritt für Schritt, aber wir setzen die Schritte.

Monika Henninger-Erber: Wir sehen das als historische Verantwortung aufzustehen. Wir wollen die Menschen mitnehmen und ihnen sagen, es macht Sinn mitzureden
und mitzugestalten.

Wie groß ist Ihre Enttäuschung über die Grünen
in der Regierung?


Summer: Deren Agieren wird jeden Tag schrecklicher. Das ist auch ein Grund für unsere Parteigründung. Uns haben Tausende von Menschen geschrieben, die Grünen werden so totalitär, die können wir nicht mehr wählen. Das hat sich auch besonders bei den Corona-Maßnahmen-Demos gezeigt. Das Demonstrationsrecht ist essentiell für eine Demokratie, und ich kann nicht Menschen, die für etwas auf die Straße gehen, derart beschimpfen und diffamieren.

Henninger-Erber: Wichtig ist ein Paradigmenwechsel, den wir anstreben. Es braucht einen frischen Wind, denn zurzeit erleben wir eine Arroganz der Politiker, die glauben, sie wissen alles besser und die Bürger sind zu dumm, um eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Das ist ein Riesenfehler. Dazu kommt, dass die ur-grünen Werte nicht mehr gelten, etwa, dass die Grünen nicht für eine aktive Friedenspolitik eintreten, im Gegensatz zu uns. Mit Waffen schafft man keinen Frieden.

Wie kam es zu dem Namen „Liste Madeleine Petrovic“?

Henninger-Erber: Wir kennen uns seit zweieinhalb Jahren und sind mittlerweile ein starkes Team, und über den Namen Madeleine Petrovic können wir am besten ausdrücken, wofür wir stehen. Diese ur-grünen Werte,
für die Madeleine Petrovic bekannt ist und die uns sehr wichtig sind.

Petrovic: Ich habe lange gezögert bezüglich des Namens, weil ich eine Teamspielerin bin und das nicht so um meine Person herum wollte.

Die erste Hürde, um überhaupt antreten zu können,
sind die2.600 Unterstützungserklärungen.
Sehen Sie da ein Problem?


Henninger-Erber: Nein, das trauen wir uns zu.
Wir sind gut vernetzt.

Petrovic: Wir nehmen das schon ernst, aber es sollte überwindbar sein.

Ein Wahlkampf muss auch finanziert werden.
Woher wollen Sie das Geld dafür nehmen?


Henninger-Erber: Auf der einen Seite durch Mitglieds-beiträge; wir werden aktiv um Mitglieder werben.
Und das zweite Standbein werden Geld-und Sachspenden sein. Gleichzeitig brauchen wir auch Menschen und ihre Zeit, damit sie uns beispielsweise draußen vertreten,
etwa Broschüren verteilen oder Plakate aufstellen.

Plakate allein werden aber nicht reichen, oder?

Summer: Das stimmt, deshalb werden wir auf die Straße gehen, Veranstaltungen machen, durch das Land touren und aktionistisch tätig sein.

Petrovic: Wenn ich mich an den ersten Wahlkampf der Grünen erinnere, wir waren so unprofessionell, aber es war die Stimmung da ,Wir wollen das.‘ Und diese Stimmung ist jetzt wieder da.

„Grüne“ Plakate sorgen gerade für viel Wirbel, besser gesagt
deren darauf abgebildete EU-Spitzenkandidatin Lena Schilling. Sind das die neuen „Grünen“?


Petrovic: Es schockiert uns, was da in der Berichterstattung aufkommt.

Henninger-Erber: EU-Politiker zu werden ist eine riesige Verantwortung, das muss mit Erfahrung besetzt werden.
Da sollte schon geschaut werden, wer wirklich gut passt.

Welche Chancen rechnen Sie sich eigentlich aus?

Henninger-Erber: Das klare Ziel ist, die vier Prozent zu schaffen. Wir wollen in den Nationalrat, das ist unser erklärtes Ziel, weil wir eine Alternative sein wollen für die Menschen. Außerdem haben wir politische Erfahrung, die meisten von uns kommen aus der Politik, sind seit vielen Jahren Gemeinde- oder Bezirksräte. Es geht uns um eine andere politische Kultur. Momentan geht es nicht mehr um Sachthemen, sondern darum, andere niederzumachen.

Wie sieht Ihr Parteiprogramm aus?

Henninger-Erber: Wir haben uns natürlich über die Coronazeit gefunden, aber wir stehen für viel mehr,
für die ursprünglichen grünen Themen, für Friedenspolitik, für Neutralität und vor allem für Grund- und Freiheitsrechte. Uns ist die Ökologie äußerst wichtig, die Sicherung der Lebensgrundlagen, der Umweltschutz – nicht nur einseitig der Klimaschutz, aber auch die Verantwortung im Bereich der Wirtschaft und Steuerpolitik.

Summer: Daneben ist auch die Teuerung ein Thema, das die Menschen derzeit beschäftigt. Wenn du deine Miete nicht bezahlen kannst, weil wir eine Inflation haben wie kein anderes europäisches Land, wie soll da noch Lebensfreude aufkommen?

Frau Dr. Petrovic, Sie haben miteinigen anderen 2021 den
„Grünen Verein für Grundrechte und Informationsfreiheit“ (GGI) gegründet und sind seitdem immer wieder in die Kritik geraten,unter anderem eine „Schwurblerin“ zu sein.
Was geht da in Ihnen vor?


Petrovic: Ich finde das ungeheuerlich, das Wort ist derart nichtssagend. Ich bin keine Ärztin oder Pharmazeutin, aber ich bin Juristin und Betriebswirtin und habe das Thema von der Seite der Patientenrechte aufgezogen. Es kamen viele Beschwerden zu mir von Betroffenen und ich habe mir angehört, was die Menschen wollen. Zu sagen, wir sind Schwurbler, ist einfach nur abwertend und mich wundert schon, dass es genau diejenigen sagen, die gegen Hassreden sind. Ich habe eine relativ dicke Haut, aber auch nur relativ und nicht an jedem Tag und vor allem bei einigen Menschen wie bei Werner Kogler (Vizekanzler) ist es mir wirklich nahegegangen. Genauso die Behauptung, wir seien generelle Impfgegner. Natürlich gehört differenziert, wie groß ist das Risiko ohne Impfung, wie groß ist die Gefahr eines Impfschadens und wie groß, dass die Impfung gar nicht wirkt

Henninger-Erber: Was uns wichtig ist, dass es eine freie Entscheidung geben muss, in allen Dingen. Der Staat kann Rahmenbedingungen schaffen, aber die Entscheidungen müssen die Menschen selber treffen. Und es kann nicht ins Privatleben reinregiert werden. Der Staat muss den Menschen vertrauen und sie müssen auch dem Staat vertrauen können.

Ein großer Kritikpunkt Ihrerseits ist die Aufarbeitung der
Corona-Pandemie durch die Regierung. Was lief da falsch?


Henninger-Erber: Die offizielle Aufarbeitungs-Studie war sehr enttäuschend. Das vor Weihnachten zu präsentieren und dann zu hoffen, die Menschen vergessen das eh und dann gehen wir zur Tagesordnung über und alle sitzen nach wie vor in ihren Ämtern, das ist unfassbar.
Nachdem was da alles passiert ist, finden wir es skandalös zu sagen, wir haben eh alles richtig gemacht, wir hätten es den Bürgern nur besser kommunizieren müssen. Verantwortung wahrnehmen, heißt auch, die Konsequenzen zu tragen. rz
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