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Ausgabe Nr. 19/2024 vom 06.05.2024
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Ulrike Beimpold wurde am 10. Mai 1964 in Wien geboren und verbrachte ihre Ferien oft in der Steiermark. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder trat sie als Achtjährige zum ersten Mal am Wiener Burgtheater auf.

Schon früh bekam die Schauspielerin, deren Schwester einen Supermarkt in der Steiermark betreibt, Angebote aus unterschiedlichsten Genres. Sie spielte in Serien wie „Dolce Vita & Co.“ und Komödien wie „Stella di Mare“ oder „Love Machine“.

Für ihre Rolle im Film „Superwelt“ wurde sie 2016 mit dem Österreichischen Filmpreis als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Erinnerungen an ihre Theaterjahre hat sie im Anekdoten-Buch „Eine Birne namens Beimpold“ veröffentlicht
Ulrike Beimpold: „Ich denke an Mama“
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Seit 45 Jahren steht Ulrike Beimpold auf der Bühne und feiert am Freitag ihren 60. Geburtstag. Als 15jährige war sie das jüngste Ensemble-Mitglied, das im Wiener Burgtheater je aufgetreten ist. Was sie nicht daran gehindert hat, auch im Fernsehen und im Kino Fuß zu fassen. Das Gespräch führte Barbara Reiter.
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Frau Beimpold, Sie werden am 10. Mai 60 Jahre alt. Sind Sie aufgeregt oder gelassen?

Natürlich weiß ich in dem Alter, dass ich schon einige Zeit in dieser Inkarnation auf der Erde gewandelt bin, aber im Grunde sind es für mich nur Zahlen. Als ich als 15jährige am Burgtheater in Wien gespielt habe, habe ich mich so erwachsen gefühlt, obwohl ich noch so jung war. Jetzt gibt es zwischendurch immer wieder Phasen, in denen ich froh bin, dass ich auch in einer kindlichen Freude auf dieses Leben blicken kann. Wir haben einen Erfahrungsschatz, und so gehen wir alle unseren Weg. Manchmal vergeht die Zeit wie im Fluge und manchmal bleibt sie scheinbar stehen.

Manche Menschen ziehen an runden Geburtstagen Bilanz. Sie nicht?

Ich weiß, dass es ein rundes Jubiläum ist. Ich weiß auch, dass uns gesellschaftlich bei Zahlen vorgegaukelt wird, da müssten wir dies oder das überdenken. Aber ich sehe das gelassen, weil ich aufgehört habe, mich über Dinge aufzuregen, die ich eh nicht ändern kann.

Aber irgendetwas Besonderes werden. Sie an diesem Tag doch machen?

Als Schauspielerin stehe ich so oft im Scheinwerferlicht, da gehe ich es privat gerne stiller an. Mein Geburtstag fiel genau auf den Muttertag und ich wurde meiner Mutter, mit einem kleinen rosa Sträußerl um die Hand gebunden, ins Bett gelegt. Sie hatte am 13. Mai Geburtstag. Ich war 30 als sie mit 58 Jahren gestorben ist. Das Außergewöhnliche an diesem Geburtstag ist, dass ich weiß, dass ich älter geworden bin als meine Mutter. Ich werde meinen Geburtstag sicher teilweise mit der Familie und mit Freunden begehen und das Leben feiern. Das muss aber nicht unbedingt an diesem Tag sein. Ich werde auch wie jedes Jahr, dieses Mal sicher noch mehr, an meine Mutter denken, weil wir immer gemeinsam gefeiert haben. Das ist eine wärmende Erinnerung an sie.

Sie haben als Achtjährige am Burgtheater einen Pudel gespielt. Mit 15 Jahren wurden Sie fix engagiert und bei einem der ersten Einsätze verkörperten Sie eine Birne. Haben Ihnen diese ungewöhnlichen Rollen keine Probleme bereitet?

Ich sehe mich als Mischkulanz und bin schon früh eingeladen worden, in den unterschiedlichsten Genres zu agieren. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir nicht ein Leben lang nur asiatisch oder italienisch essen müssen.

Wie ist es Ihnen als jüngste Schauspielerin, die es am Burgtheater je gegeben hat, ergangen?

Als ich ganz jung war, habe ich mich leicht und frei gefühlt. Ich bin wahrscheinlich an Erlebnissen vorbeigeschrammt, die ganz anders hätten ausgehen können. Aber ich war beschützt vom Leben, durch viele liebe Kolleginnen und sicher auch durch eine gewisse Art von jugendlicher Naivität und unbändiger Energie. Alles in allem ist es mir gut gegangen. Erst als 30jährige ist mir klar geworden, dass ich eine ganz andere Jugend erlebt habe – ohne Pubertät und Partys. Doch das ist mein Leben und ich bin dankbar dafür.

An wen erinnern Sie sich da?

An die Konradi (Anm.: Inge) und die Wessely (Anm.: Paula), die mich in ihre Garderobe einluden, um mit ihnen zu plaudern. Das waren Diven, wo der Nachmame reicht, um zu wissen, wer das ist. Und wenn ich mich an die Holzmeister (Anm.: Judith) erinnere, komme ich heute noch ins Stottern. Wer da alles war! Auch die junge Herren-Garde um Karlheinz Hackl. Die habe ich alle in ihren besten Jahren auf der Bühne erlebt. Wie die gespielt haben, war einfach unfassbar.

Stimmt es, dass Ihnen der Abschluss auf der Schauspielschule „geschenkt“ wurde, weil die Verantwortlichen meinten, Sie könnten dort nichts mehr lernen?

Ja, mit 15 Jahren war ich nicht mehr zu halten und bin nicht ganz zur Freude meiner Eltern vom Gymnasium abgegangen. Damals wollte ich aufs Reinhardt-Seminar und habe dort ehrlicherweise bei der Aufnahmeprüfung mein richtiges Alter genannt. Das Mindestalter war aber 16 und ich wurde heimgeschickt. Ich bin dann zur Schauspielschule Krauss gewechselt, wo es anders als im Seminar die paritätische Kommission gibt, die Prüfungen abnimmt. Die Dauer der Ausbildung betrug eigentlich drei Jahre, mit einer jährlichen Prüfung. Weil ich die zweite Prüfung aber mit einem Klassenkameraden, mit dem ich eine Szene einstudiert hatte, machen wollte, habe ich mich vier Monate zu früh in die Prüfung „geschummelt“. Das wurde mir erlaubt, vielleicht, weil ich damals schon eineinhalb Jahre am Burgtheater war. Die Kommission meinte schließlich bei der Ergebnisverkündung, dass ich hier nichts mehr lernen kann, und hat mir das dritte Ausbildungsjahr geschenkt.

Sie wirken nicht nur in ernsten Rollen mit, sondern sind im Fernsehen in der heiteren Rate-Show „Was gibt es Neues?“ zu sehen. Sind Sie eine Frohnatur?

So bezeichnet zu werden, ist doch ein schönes Attribut. Doch die Sache mit der lustigen Beimpold ist meine Entscheidung, mich in diesem Leben, das auch nicht immer leicht war, für die Helligkeit zu entscheiden und mit meinen Mitmenschen freundlich umzugehen. Wie in jedem Leben gibt es auch in meinem Höhen und Tiefen. Egal, was kommt: Ich entscheide mich immer dafür, weiterzugehen. Auf meiner Facebook-Seite steht neben meinem Namen „Lichtbringerin“. Ich möchte Licht bringen und verbreiten.

Das klingt spirituell. Glauben Sie daran, dass irgendetwas uns leitet?

Ich glaube, dass spirituelles Spüren in uns allen angelegt ist. Manche haben diesen Ruf stärker, manche weniger. Viele Erfahrungen haben mir die Chance geboten, da etwas zu entwickeln. Auf jeden Fall gibt es im Horoskop, wenn jemand daran glauben will, Anlagen, mit denen wir geboren werden. Bei mir ist das so. Mich hat die Verbindung von Kosmos und Erde schon als Kind beschäftigt. Wir sind mit dem Universum verbunden. Das nimmt in meiner jetzigen Lebensphase noch eine viel größere Priorität ein. Und jetzt sind wir wieder dort, wo wir am Anfang des Gespräches waren: diesem 60. Geburtstag. Wenn man sich den großen Kosmos und die Weite anschaut, auch was Zeitphasen betrifft, ist diese Zahl in Wirklichkeit nix. Für das kleine persönliche Leben ist das was.
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