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Ausgabe Nr. 19/2024 vom 06.05.2024, Fotos: mauritius images / Christian Hütter / Alamy, AdobeStock
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Jetzt ist die Hauptflugzeit der Maikäfer.
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Die Larven ernähren sich von Wurzeln und sorgen so für große Schäden.
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Im Erwachsenenstadium frisst der Maikäfer Bäume und Pflanzen kahl.
Maikäfer, flieg
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Bei den einen weckt er die Erinnerung an die bösen Buben „Max und Moritz“, die anderen lässt er um Garten und Ernte bangen. Jetzt ist die Hauptflugzeit der Maikäfer. Er ist wieder da – und wird oft zur Plage. Ihr Ziel ist zu fressen und sich fortzupflanzen.
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Zwei bis drei Zentimeter groß, braun, fächerartige Fühler, schwarzes Halsschild sowie ein schwarzweißes Zickzackmuster an der Seite – die Bestimmung ist definitiv kein Problem.

Doch wenn wir den Feld- und Waldmaikäfer, wie der Name es verspricht, im Mai zu Gesicht bekommen, hat der sechsbeinige Krabbler schon knapp 98 Prozent seines Lebens im Untergrund verbracht. „Es dauert drei bis vier Jahre, bis sich die Larven, auch Engerlinge genannt, im Erdboden zum fertigen Käfer entwickelt haben“, erklärt Prof. Hermann Strasser von der biologischen Fakultät der Uni Innsbruck (T).

Dieses Jahr gilt jedoch wieder als Hauptflugjahr und mancherorts schwirren die Käfer auch schon tausendfach mit gerade einmal acht Kilometer pro Stunde durch die Lüfte. Im Zuge ihres gemächlichen Hochzeitsfluges fressen die liebestollen Brummer allerdings so einiges kahl. Äcker, Wälder und Gärten sind betroffen.

Die meisten Bäume erholen sich zwar wieder und bilden mit dem sogenannten Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Verheerend dagegen kann der Wurzelfraß der Engerlinge sein.

Kaiserin Maria-Theresia wollte Maikäfer-Infos.

„In einer Baumschule kann bereits ein Engerling pro Quadratmeter zu massiven Wurzelschäden an einem Jungbaum führen“, weiß der Maikäfer-Experte.

Betroffen von der Plage sind aber meist Ackerflächen und private Gärten, in deren Erde sich mitunter Dutzende der weißen Larven tummeln. Ein Problem, das schon früh erkannt wurde.Kaiserin Maria-Theresia beauftragte bereits mit der Einführung der Schulpflicht die Lehrer der Ortschaften mit der Berichterstattung über den beobachteten Flug der Maikäfer.

Immerhin wurden noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts ganze Kübel voll brummender Käfer gesammelt und an die Hühner verfüttert. Und oft sogar von den Menschen selbst verspeist – geröstet, kandiert oder in der Suppe.

Die Käfern wurden früher von den Menschen geröstet, kandiert oder in der Suppe verspeist

Diese Zeiten sind aufgrund der erfolgreichen Schädlingsbekämpfung zum Glück vorbei. Dazu beigetragen hat auch die von Hermann Strasser entwickelte Pilzgersten-Methode. „Dabei werden mit einem Pilz überzogene Gerstenkörner maschinell in den Boden eingebracht. Sie ‚warten‘ dort auf den Maikäfer-Engerling, der sich in der Erde entwickelt, infizieren und töten ihn“, erklärt der Fachmann.

Den Förstern, Bauern und Gärtnern treiben die erwachsenen Käfer und deren Larven jedoch weiterhin Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich sind die Schäden für die Pflanzen trotz einer geringeren Zahl an Tieren weiterhin groß. „Zunehmende Trockenheit sowie weniger Niederschlag führen dazu, dass weniger Schädlinge trotzdem das gleiche Unheil anrichten“, beklagt Strasser.

Biologisch betrachtet gehören die Maikäfer zur Familie der Blatthornkäfer, so genannt nach der Gestalt der Fühler, deren Enden aus kleinen Blättchen bestehen, die wie ein Fächer gespalten sind. Mit den bis zu 50.000 Geruchssensoren auf den Fühlerlamellen spüren die Männchen die paarungswilligen Weibchen auf.

Nach der Begattung legen diese ihre bis zu 50 weißen Eier etwa 30 Zentimeter tief in die Erde. Und das war es dann auch schon mit dem nur sechs bis acht Wochen langen Käferleben – die Männchen sterben nach der Begattung, die Weibchen nach der Eiablage.

„Die Larven hingegen wachsen in mehreren Jahren unterirdisch auf eine Größe von etwa sechs Zentimetern heran und verpuppen sich. Im Herbst schlüpfen die Käfer, bleiben aber den Winter über noch in ihrer ‚Puppenwiege‘ und krabbeln erst im nächsten Frühjahr zum Fressen und Fortpflanzen an die Oberfläche“, beschreibt Professor Hermann Strasser das Maikäferleben.
Hwie
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