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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Fotos: Picturedesk.com, Walter Vogler, picturedesk.com, Walter Vogler
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Picturedesk.com, Walter Vogler
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Motorsportserie „Autocrash“: Hier ist fast alles erlaubt
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Es wird gerempelt, geschubst und die Konkurrenz bis zum Überschlag abgedrängt. In der Rennserie „Autocrash“ ist fast alles erlaubt, was sonst im Motorsport verboten ist, und der Serienmeister Dietmar Grill, 45, ist ihr Schubserkönig.
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Schon ein paar Meter nach dem Start quetschen sich ein Dutzend futuristisch aussehende Rennwagen durch eine enge Kurve, Metall kracht auf Metall und die ersten überschlagenen Fahrzeuge kullern wie Spielzeugautos
den Hügel hinunter.

„Ich habe mich in meiner Rennfahrerkarriere schon dutzende Male mit meinem Wagen überschlagen. Weder Mensch noch Maschine nehmen normalerweise dabei Schaden“, berichtet Dietmar Grill, 45, lächelnd. Denn in der „Autocrash-Rennserie“ gehört der Crash, also der Zusammenstoß mit anderen Autos, zum guten Ton und Massenkarambolagen fast zur Tagesordnung. Am kommenden Sonntag erfolgt in Grafenbach (NÖ) der Saisonauftakt, die Rennwagen sind solide gebaut und fahren einfach weiter, nachdem sie wieder gerade stehen.

Problematisch wird es nur, wenn die Räder oder deren Aufhängungen beschädigt werden. Aufgrund von moderner feuerfester Schutzausrüstung der Piloten und weil auf weichen Erdpisten oder aufbereiteten Feldern gefahren wird, besteht auch fast keine Verletzungsgefahr. „Ich habe schon andere Rennformate probiert und keines hat so viel Spaß gemacht wie Autocrash“, gesteht Grill, der aber betont, dass die Piloten keineswegs immer nur auf Kollisionen aus sind.

Schon sieben Meistertitel in der Tasche

Vor dem Meisterschaftsstart stehen wir alle rund 20 Stunden pro Woche in der Garage und schrauben an unseren Autos. Deswegen möchte jeder bei den ersten Rennen möglichst ungeschoren davonkommen“, erklärt er, der für das „Wechselland Racing Team“ startet. „In den letzten Rennen der Meisterschaftsentscheidung jedoch geht es ordentlich zur Sache.“

Mit acht Jahren stand Grill bereits mit seinem Onkel, einem früheren „Autocrasher“, an der Rennstrecke, seit 1997 dreht Grill selbst am Lenkrad. Im vergangenen Jahr eroberte er seinen siebenten Meistertitel, soviel hat kaum ein anderer. Ein Mal schon beendete er seine Motorsportkarriere, bevor ihn das PS-Fieber wenig später erneut packte. „Auch meine Frau Lydia und meine zwei Kinder Nadine, 9, und Marcel, 15, sind immer an der Rennstrecke zu finden, der Nachbar lackiert mir vor jedem Rennen das Auto und rund zehn Freunde helfen mir beim Zusammenschrauben“, verdeutlicht er die familiäre Note des Sports.

Auch auf der staubigen Rennstrecke gewinnt jeder Fahrer nicht für sich, sondern seinen Verein, wofür ihm die Kollegen den Weg ebnen und allfällige Konkurrenten von der Piste rempeln. „Es ist fast alles erlaubt, nur in stehende Fahrzeuge darf nicht hineingefahren werden“, so der Steirer. „Gebremst wird selten, nur wenn es unbedingt nötig ist.“

Der Rennsport der verbeulten Boliden kam in den siebziger Jahren von den USA nach Europa. Heute haben wir in unserem Land rund 100 aktive Fahrer, die bis zu zwei-tausend Zuschauer pro Rennen anlocken, mehr als in vielen anderen Motorsportklassen. In Grills Rennklasse „Crash Spezial“ wird mit Eigenbau-Buggies gefahren, die auf einem mit Schutzplatten verstärkten Gitterrohrrahmen konstruiert sind und zwischen 700 und 1.100 Kilo wiegen. Glasscheiben, Spiegel und andere gefährliche Teile wurden ausgebaut.

„Beim Bau verwende ich unter anderem Teile eines VW- Busses, eines VW-Käfers und unter der Motorhaube steckt ein Motorradmotor“, plaudert er aus der Schule. Abseits dessen wird auch in einer seriennahen Klasse und einer Jugendklasse gestartet.

Wäre Grill nicht ein gelernter KFZ-Techniker und hätte er daheim in der Garage seines Einfamilienhauses in Pinggau (Stmk.) nicht selbst eine Hebebühne, wäre der Sport kaum finanzierbar. „Ich habe zwar Sponsoren, aber letztlich fließen meine privaten Ersparnisse ins Auto, es ist Liebhaberei“, weiß er, der auch seinen Verein, das „Wechselland Racing Team“, selbst gegründet hat und als Obmann an der Spitze steht.

Abgesehen vom Rennspaß ist für ihn vor allem das familiäre Zusammengehörigkeitsgefühl das Schönste an der Sache, verrät er. „Jeder Rennausgang wird gemeinsam gefeiert, fast jede Arbeitseinheit endet mit Bier und einem kleinen Grillfest.“
Wolfgang Kreuziger
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