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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Foto: Getty Images
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Jean-Michel Jarre
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Ihr aktuelles Album „Oxymoreworks“ ist eine Hommage an die Ursprünge der französischen elektronischen Musik. Wer waren die Pioniere der elektronischen Musik?
​Jean-Michel Jarre, 75, wird am 12. Mai in Bratislava (Slowakei) das diesjährige Starmus-Wissenschaftsfestival
mit einem spektakulären Gratiskonzert eröffnen, „Stargast“ ist Sir Brian May. Der „Queen“-Gitarrist und promovierte Astrophysiker hat das internationale Festival 2011 gegründet – unter der Schirmherrschaft des inzwischen verstorbenen Genies Stephen Hawking.
Es bringt Nobelpreisträger, Wissenschaftler, Forscher, Astronauten, Intellektuelle und Künstler zusammen, um Wissen und Einsichten auszutauschen. Dieses Jahr steht
die bis 17. Mai dauernde Veranstaltung unter dem Motto „Starmus Earth: die Zukunft unseres Heimatplaneten“. Der WOCHE-Reporter Olaf Neumann nahm dies zum Anlass, um mit dem UNESCO-Botschafter Jean-Michel Jarre über die ökologische Apokalypse, über Künstliche Intelligenz und die Pioniere der elektronischen Musik zu sprechen.

Herr Jarre, Sie sind Botschafter der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), Schützer des Planeten und Preisträger der Stephen- Hawking-Medaille für Wissenschaftskommunikation. Ist die moderne Apokalypse für Sie persönlich ein Aufruf zum Handeln?

Ja, das war immer schon so. Das Titelbild meines ersten Albums, „Oxygène“ (1976), hatte eine ziemlich düstere Aussage. Schon zu Beginn meiner Karriere war die Welt mit der Möglichkeit einer ökologischen Apokalypse konfrontiert. „Oxygène“ war vor diesem Hintergrund ein musikalisches Manifest.

In Krisen kann die Angst vor dem Weltuntergang lähmen. Sie dagegen scheint das eher künstlerisch zu inspirieren.
Woran liegt das?


Einerseits kann ein Künstler das herrschende Chaos beschreiben. Einige Stücke auf meinem Album „Oxymore“ tun das auch. Auf der anderen Seite lässt sich eine Art von Widerstand organisieren. Aufsässig zu sein in Bezug auf die dunklen Momente, um Hoffnung zu geben. In der Musik geht es nicht nur darum, den Grad der Traurigkeit zu erhöhen.

Greifen Sie in dem aktuellen Stück „Brutalism“ eine apokalyptische Stimmung auf, ausgelöst durch die Kriege und Naturkatastrophen der Gegenwart?

Oft reflektieren Künstler unbewusst die Stimmung in der Gesellschaft. Als Pablo Picasso „Guernica“ malte, ging es natürlich um den Krieg in Spanien, aber auch um mehr als das. Es war ein Weg, die dunklen Momente des Lebens zu dieser Zeit auszudrücken. „Brutalism“ beziehungsweise das gesamte „Oxymore“-Album (2022) ist ziemlich rau und düster und hat mit den dunklen Momenten zu tun, mit denen wir momentan konfrontiert sind. „Brutalism“ ist heute sogar noch aktueller als zu dem Zeitpunkt, als es erschien.

Ihr aktuelles Album „Oxymoreworks“ ist eine Hommage an die Ursprünge der französischen elektronischen Musik. Wer waren die Pioniere der elektronischen Musik?

Nicht viele wissen, dass die Grundlagen der elektronischen Musik aus Europa stammen. In den späten 1940ern entwickelten Pierre Henry und Pierre Schaeffer in Frankreich eine besondere Herangehensweise an elektroakustische Musik. Sie sagten, dass Musik nicht nur auf Noten, sondern auch auf Klängen basiere. Musik könnte aus den Geräuschen einer Waschmaschine gemacht werden, gemischt mit Orchesterklängen oder einzelnen Instrumenten. Das sind die Ursprünge der Art und Weise, wie wir alle heute Musik machen, selbst im Rock oder Jazz. Wir sind alle sowohl Sounddesigner als auch Komponisten geworden.

Was ist wichtig für die junge Generation von Elektronikkünstlern?

Alle interessanten Künstler wollen an sich nicht innovativ sein, sie wollen sie selbst sein. In gewisser Weise sind sie innovativ, weil das, was sie tun, ihrer Seele entspricht. Das ist der Grund, warum Künstliche Intelligenz keine Gefahr für Künstler ist, die etwas auszudrücken haben. Bis heute ist das Prinzip eines interessanten Künstlers, außerhalb der Norm zu sein. Sie alle haben sich ihre eigene Welt geschaffen.

Gemeinsam mit dem Projekt „Oxymore“ haben Sie die
virtuelle Musikstadt Oxyville entwickelt. Was hat es damit auf sich?


Ich werde diese virtuelle Stadt auch in Zukunft weiter-entwickeln. In der Zwischenzeit habe ich andere Projekte, aber Oxyville wird bald wieder erwachen. Ich möchte jungen Künstlern den Schlüssel zu dieser Stadt geben, damit sie dort Konzerte spielen.
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