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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Fotos: zvg, Alois Litzlbauer / picturedesk.com, Science Photo Library / picturedesk.com
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Straßenbeleuchtungen strahlen auch nach oben und zur Seite.
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Außenbeleuchtung neu: Nur die Straße wird
ausgeleuchtet.
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Linz bei Nacht: Künftig soll es weniger Außenbeleuchtung geben.
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Europa aus dem All: Die Nachtbeleuchtung
steigt seit Jahren.
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Stefan Kaineder von den Grünen.
So viel Licht braucht es nicht
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Oberösterreich dimmt ab 1. Mai das Licht. Um Lichtverschmutzung zu reduzieren, soll ab 22 Uhr die Beleuchtung, wo es möglich ist, reduziert werden.
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Tausende Sterne funkeln in einer klaren Nacht vom Himmel. Heute sind bei uns aber nur noch zehn Prozent der eigentlich mit freiem Auge sichtbaren Sterne zu erkennen. Schuld ist die „Lichtverschmutzung“ – die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht. Das stört auch die Tiere, das Ökosystem und unsere Gesundheit.

Oberösterreich geht als erstes Bundesland gegen die künstliche Außenbeleuchtung vor. In der Zeit zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr früh wird in allen 438 Gemeinden das Licht reduziert. Die Regeln, die aufgrund einer Novelle des Umweltschutzgesetzes möglich werden, gelten ab 1. Mai.

Kein Dauerblinken mehr bei Windrädern

Der grüne Landesrat Stefan Kaineder erklärt: „Der sorglose Umgang mit künstlichem Licht führt dazu, dass zunehmend lebensfeindlichere Bedingungen für Tiere und Pflanzen existieren, die in der Nacht ihr Lebensumfeld haben. 50 Prozent des Lebens auf unserem Planeten spielt sich in der Nacht ab. So sind 85 Prozent aller Schmetterlinge nachtaktiv.“ Auch auf den Menschen wirke sich die Nachtbeleuchtung negativ aus.

Deswegen werden die Beleuchtungen auf eine umwelt- und gesundheitsschonende Lichtfarbe umgestellt („wärmeres“ Licht, begrenzt mit 3.000 Kelvin, einer Temperatureinheit). Die neuen Beleuchtungen sind zudem nach oben und zu den Seiten abgeschirmt. Die Lichtkegel leuchten nur die Straße aus, nicht die Umgebung.

Die Regeln gelten für alle neuen Lichtanlagen im öffentlichen Raum ab Mai, Altanlagen müssen bis zum Jahr 2029 umgerüstet werden. Um Gemeinden bei der Umstellung zu unterstützen, gibt es bis zu € 125.000,– Förderung vom Land.

Kaineder zufolge sollen die neuen Bestimmungen eine Richtung vorgeben, wie künstliche Beleuchtung im öffentlichen Raum einzusetzen ist.
Durch die neue Regelung können Außenbeleuchtungen gedimmt, aber auch gänzlich abgeschaltet werden. Daher kommen verschiedene LED-Arten zum Einsatz. Gedimmt werden können Beleuchtungen etwa in Straßen, die durch Wohngegenden führen, sofern der Ruhe, Sicherheit und Ordnung nichts entgegensteht.

Wegen der Sicherheit gab es immer wieder Bedenken. Deswegen sind Beleuchtungen an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen oder auf Parkwegen von den Regeln ausgenommen.

Nicht betroffen sind auch die Beleuchtungen von Werbeschildern und Geschäftsauslagen. Denn die betreffen die Gewerbe, die in die Bundeskompetenz fallen. Es bräuchte daher eine Regelung auf Bundesebene.
Um insbesondere die Umweltauswirkungen abzuklären, wird das neue Gesetz in zwei Jahren ausführlich überprüft. Wichtig ist auch der finanzielle Aspekt. „Auf kommunaler Ebene macht die Straßenbeleuchtung bis zu 45 Prozent des öffentlichen Stromverbrauches aus. Und etwa ein Drittel der Energie wird bei herkömmlicher Straßenbeleuchtung und alter Technik verschwendet.“ Hierzulande müsse daher „von einer verlorenen Energie von etwa 100 Millionen Kilowattstunden jährlich ausgegangen werden. In anderen Worten sind das 15 Millionen Euro.“

Vorreiter gegen Lichtverschmutzung ist etwa die Gemeinde Kirchschlag bei Linz (OÖ). Sie hat bereits auf LED-Lampen umgestellt, die zur Seite und nach oben hin abgeschirmt sind, erklärt der ÖVP-Bürgermeister Michael Mair. Zudem gibt es nun „bewegte Straßenzeilen“ im Ort. „Nähert sich ein Fußgänger der Laterne, werden diese und die nächsten entlang des Weges automatisch heller.“ Seine Gemeindeschäfchen hätten positiv auf die Umstellungen reagiert. Zudem winken Einsparungen, zumal LEDs circa 70 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Linz rüstet ebenfalls auf LED-Beleuchtung um. Außerdem läuft in der Landeshauptstadt eine Kampagne, die „Angsträume“ (dunkle Ecken) beseitigen soll. Dafür kommen etwa bewegungsgesteuerte Lampen zum Einsatz. Insgesamt seien heuer fast€ 2,6 Millionen für die Errichtung und Erneuerung von Beleuchtungsanlagen veranschlagt, erklärt der ÖVP-Vizebürgermeister Martin Hajart.
Das Klimaministerium (BMK) hat gemeinsam mit den Bundesländern eine Biodiversitätsstrategie erarbeitet, in der Lichtverschmutzung ein Thema ist.

Auch Niederösterreich sagt ihr den Kampf an. Im größten Bundesland drehen sich rund 800 Windräder. „Sie blinken bald nur noch dann, wenn sich ein Flugzeug nähert. Auf unsere Idee und Forderung hin hat das der Nationalrat vor Kurzem beschlossen“, erklärt der ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf.
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