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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Foto: Ulrik Hoelzel
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Michael Schottenberg, geboren am 10. Juli 1952 in Wien, studierte am Mozarteum in Salzburg. In den 1980ern gründete der Schauspieler und Regisseur mit „Theater im Kopf“ sein eigenes Theater.

Von 2005 bis 2015 war er Direktor des Volkstheaters in Wien. Seither schreibt er Reisebücher und ist seit 2020 als Reise-Experte in der ORF-Sendung „Studio 2“ zu sehen.

Schottenberg war 30 Jahre mit der Schauspielerin und Sängerin Maria Bill verheiratet, der gemeinsame Sohn Tany Gabriel ist Schauspieler. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau Claire in Mauerbach im Wienerwald (NÖ).
Sein Buch „Oberösterreich für Entdecker“ erscheint am 30. April im Verlag Amalthea.
Michael Schottenberg: „Meine Vespa bedeutet Freiheit“
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Seit fast zehn Jahren reist und schreibt er. Nebenbei gartelt und bügelt er. Michael Schottenberg, 71, der das Gefühl der Freiheit auf seiner Vespa genießt, erzählte der WOCHE-Reporterin Martina Wieser von seinem neuen Buch „Oberösterreich für Entdecker“ und seiner Leidenschaft fürs langsame Reisen.
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Herr Schottenberg, wie viele Reisebücher haben Sie bisher geschrieben?

Elf oder zwölf, ich weiß es gar nicht genau (lacht). Dieses Mal ist jedenfalls ein schönes Buch über Oberösterreich herausgekommen – eine Fahrt durch eine Landschaft, vielmehr durch eine Seelenlandschaft. Denn es sind die landestypischen Menschen, die mich interessieren, die Seelen, die ein Land ausmachen.

Wie gut haben Sie die oberösterreichische Seele erkundet?

Das müssen die Leser beurteilen, aber ich glaube, es ist mir gut gelungen, weil ich mich intensiv mit meinen Gesprächspartnern beschäftigte und versuchte, die Hintergründe von Klischees zu erzählen und Überraschungen zu schildern. Ich wusste beispielsweise vor meiner Entdeckungsreise nichts über den Tierpräparator Höller, oder, dass Lisa Maria Atteneder-Schwödiauer auf ihrem WC das kleinste Titanic-Museum der Welt hat. Anne-Rose Riedl kannte ich wohl, nicht aber ihre Kettensägen-Sammlung beziehungsweise, dass sie ihre großartigen Figuren tatsächlich mit der Kettensäge formt. Nie im Leben wäre mir eingefallen, die zierliche, entzückende Dame im allerbesten Alter mit einer Kettensäge in Verbindung zu bringen. Alles in allem habe ich mich relativ uninformiert auf meine Oberösterreich-Tour begeben und mich vor Ort inspirieren lassen.

Sie lassen sich auf Ihren Reisen nicht nur gerne überraschen, sondern loten auch Ihre Belastbarkeitsgrenzen aus. Womit haben Sie sich dieses Mal selbst herausgefordert?

Ich bin jemand, der ständig unter Höhenangst leidet. Nicht im Flugzeug, das ist zu abstrakt, da bekomme ich das nicht so mit. Was mir Angst macht, wovor ich zurückzucke, das führe ich gerne herbei. Beim Reisen setze ich mich gerne Dingen aus, die nicht nur angenehm für mich sind, zum Beispiel ein Turm-Eremit zu sein. Nie würde mir einfallen, drei Tage und drei Nächte lang, noch dazu in 68 Meter Höhe, vollkommen abgeschieden leben zu wollen. Weder hege ich das Bedürfnis nach Exerzizien, noch das Verlangen, mein Innerstes zu suchen. Für die Geschichte über den Linzer Mariendom wollte ich jedoch herausfinden, was Menschen antreibt, sich in eine kleine Zelle im Kirchturm sperren zu lassen. Nach diesen drei Tagen und drei Nächten habe ich das verstanden und aus meiner Geschichte über die Angst wurde eine Geschichte über die Freiheit.

Zu Ihrem Markenzeichen ist die rote Vespa geworden. Sind Sie damit auch nach Oberösterreich gerollt?

Lange Strecken, von Mauerbach (NÖ), wo ich lebe, bis ins Innviertel, fahre ich nicht mit der Vespa. Vor Ort liebe ich es, auf der Vespa unterwegs zu sein. Es ist ein Gefühl von Freiheit, verbunden mit Gedanken an Peter Weck, Peter Kraus, Conny Froboess, die Amalfi-Küste (Italien), den
Sommer und alles fühlt sich herrlich jung an. Ich habe die Vespa seit zwölf Jahren – und ja, die Vespa passt und gehört zu mir, ich genieße die Langsamkeit.

Sie haben Ihr neues Buch Ihrer Frau Claire gewidmet. Begleitet Sie Ihre Frau auf den Entdeckungsreisen?

Zu zwei Dritteln reise ich allein. Wenn es ihre Zeit
zulässt, Claire ist Lehrerin, kommt sie mit und staunt, was ich alles aus den Gesprächen heraushole. Grundsätzlich reise ich für meine Bücher lieber allein, weil ich auf mich zurückgeworfen bin. Hätte ich mit ihr in dem Kirchturm geschlafen, dann wäre die Geschichte wohl eine andere geworden oder vermutlich gar keine (schmunzelt). Ich unternehme keine Genussreisen, sondern Entdeckungsfahrten.


Welcher Leidenschaft neben dem Reisen und Schreiben frönen Sie noch?

Ich gartle wahnsinnig gern, das ist mein Ausgleich, denn ich pflege einen strikten Tagesablauf. Meine Frau und ich stehen kurz vor sechs Uhr auf. Sie muss um sieben Uhr aus dem Haus, weil sie um halb acht in der Schule sein muss. Ich setze mich um halb sieben an den Computer, schreibe, recherchiere, das ist richtig Arbeit. Nach ein paar Stunden begebe ich mich in den Garten, um herumzugraben oder etwas einzusetzen oder umzusetzen. Wir haben keinen großen, aber einen gepflegten Garten. Ich liebe es, Gemüse und Blumen anzubauen und beobachte genau, welche Pflanze sich an welchem Platz wohlfühlt. Daneben mache ich den Haushalt, koche, damit meine Frau, wenn sie am Nachmittag heimkommt, was Gutes zu essen bekommt, und ich bügle. Heute habe ich schon 20 Hemden gebügelt.


Reisen, schreiben, garteln, bügeln – Ihr Tag scheint ausgefüllt. Sind Sie gut organisiert?

Ich? Nein, ich bin ja ein Mann, Männer können nicht organisieren (lacht). Ich bin ein Multitasker und erledige vieles nebenbei, das geht bei mir zack, zack und ich wünsche mir, dass es noch ein paar Jahre so weitergeht, solange, bis er dann kommt, der reisende Greis (lacht). Das Altern spüre ich überhaupt nicht, ich nehme an, es kommt mir zugute, dass ich aktiv bin und meine Lust, Neues zu entdecken, groß ist. Es bereitet mir Freude, anderen Menschen zuzuhören, was ich für wichtig halte. Dahingehend möchte ich meinen Altersgenossen eine Anleitung sein
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