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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Foto: picturedesk.com
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Das Leichentuch von Gaza
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Das höchste internationale Gericht hat Israel aufgefordert, im Kampf gegen die Hamas Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen. Die Vereinten Nationen verurteilten ebenso, dass Israel Tausende von Frauen und Kindern tötet. Doch das Morden geht weiter.
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Es war ein starker und trauriger Moment, der zusammenfasst, was im Gazastreifen geschieht“, meint der palästinensische Fotograf Mohammed Salem zu seinem Foto, für das er vor wenigen Tagen ausgezeichnet wurde.

Das Bild (oben) zeigt die 36 Jahre alte Ina Abu Maamar, die ein blaues Kleid und ein ockerfarbenes Kopftuch trägt. Sie beugt sich weinend über den in ein weißes Laken gehüllten Leichnam ihrer fünf Jahre alten Nichte Saly. Die war gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester getötet worden, als eine israelische Rakete ihr Haus in Chan Junis getroffen hat.

Der Fotograf Mohammed Salem machte das Foto am 17. Oktober 2023 für die internationale Nachrichtenagentur Reuters während des massiven Gegenschlages der israelischen Armee als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober. Dabei wurden mehr als 1.200 israelische Zivilisten und Soldaten getötet.

Die Klage Südafrikas gegen Israel bleibt ohne Wirkung

Das traurige Bild hat den renommierten Fotowettbewerb „World Press Photo“ gewonnen. Die Vorsitzende der Jury, Fiona Shields, lobte dessen große Aussagekraft. „Es ist unbeschreiblich bewegend zu sehen und zugleich ein Argument für Frieden, das extrem stark ist, gerade wenn Frieden manchmal wie eine unmögliche Fantasie erscheint.“

Das Töten zu beenden und die Waffen ruhen zu lassen, scheint indes im Gazastreifen, im Westen Israels, nicht gewollt. Zu sehr hassen die islamischen Hamas-Kämpfer die israelische Seite und umgekehrt. Die Zahl der zivilen Opfer unter den Palästinensern steigt immer weiter. Von bis zu 30.000 ist die Rede. Deshalb hat Südafrika Israel vor den Internationalen Gerichtshof (IG) in Den Haag (Niederlande), dem höchsten Gericht der Welt, vor dem ein Land geklagt werden kann, gezerrt. Im Urteil ordnen die Richter an, Israel müsse mehr zum Schutz der Zivilbevölkerung unternehmen. Die dortige Regierung unter Benjamin Netanjahu sieht sich allerdings nicht an den Spruch gebunden und kritisiert ihn scharf.

Allerdings kommen mittlerweile sogar vom amerikanischen Verbündeten kritische Stimmen zum brutalen Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen.

Die Führung der Europäischen Union mit Ursula von der Leyen blieb dagegen bislang stumm.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) meint: „Unsere Linie in Gaza ist klar: Wir brauchen eine sofortige humanitäre Waffenpause, um die von der Terrororganisation Hamas nach wie vor festgehaltenen 130 Geiseln aus Gaza heraus- und mehr humanitäre Hilfe für die palästinensische Zivilbevölkerung nach Gaza hineinzubringen. Israel muss mehr tun, um diese Hilfe zuzulassen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Es ist einzig die Terrororganisation Hamas, die dem Frieden in der Region im Weg steht. Immer noch feuert sie täglich Raketen auf Israel ab. Es ist nur legitim, dass sich Israel gegen diesen Terror verteidigt – selbstverständlich hat das im Rahmen des Völkerrechts zu erfolgen. Denn niemand steht über dem Recht.“

Immer mehr Künstler stellen sich gegen Israel

Dass die Reaktion Israels auf den Angriff der Hamas im Oktober völlig überzogen ist, kritisieren nicht nur die Vereinten Nationen (UNO), sondern immer mehr Künstler.

Nach Angaben der schwedischen Nachrichtenagentur TT haben in den vergangenen Tagen acht Künstler ihre Teilnahme am Show-Programm des Song Contestes abgesagt. Er findet vom 7. bis 11. Mai in Malmö (Schweden) statt. Als Grund für die Rückzieher wurde die Teilnahme Israels am Wettbewerb genannt sowie die Rolle des Landes im Gaza-Krieg. In den vergangenen Wochen haben zudem rund 1.000 schwedische Kunstschaffende einen Aufruf zum Boykott gegen eine israelische Teilnahme am Song Contest unterzeichnet.

Die Veranstalter rechnen mit Anti-Israel-Demonstrationen während des Wettbewerbes. Auch bei der Internationalen Kunstausstellung „Biennale“ in Venedig (Italien) kam es vor dem Israelischen Pavillon zu Demonstrationen.Redner bezeichneten Israel als „Terrorstaat“. Und in Deutschland sorgte der beliebte Komiker Dieter Hallervorden, 88, mit seinem Gedicht „Gaza Gaza“ für Aufsehen. Auch hier wurde das Töten unschuldiger Kinder thematisiert.
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