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Ausgabe Nr. 18/2024 vom 02.05.2024, Fotos: Universal, imago/ZUMA Press, John Locher / AP / picturedesk.com
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Die stolzen Eltern Andrea und Scott Swift unterstützen und

beschützen ihre Tochter.
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Ihr derzeitiges Herzblatt ist der Football-Spieler Travis Kelce. Swift ist oft bei seinen Spielen.
Ihr Tagebuch der Melodien
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Die amerikanische Sängerin Taylor Swift, 34, ist nicht nur in ihrem Beruf erfolgreich. Keine andere Künstlerin gilt als derart einflussreich wie sie. Ihre Mutter bleibt aber ihr Strohhalm.
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Hocherfreut beobachteten Taylor Swift und ihr Team am 19. April auf ihren Computern im Hauptquartier in Nashville (US-Staat Tennessee), wie die Plattenverkäufe und Zugriffe auf ihre Lieder im Internet in die Höhe schnellten. Mit ihrem soeben veröffentlichten elften Studio-Album hatte Swift wieder einen Volltreffer erzielt.

Die „Swifties“, wie Taylors Bewunderer genannt werden, stürmten die Läden, ließen die Musik-Webseiten beinahe zusammenbrechen – und wurden nicht enttäuscht. Schon der Titel des doppelten Albums, „The Tortured Poets Department“, weist darauf hin, dass die 34jährige Lieder-Schreiberin und Sängerin erneut kräftig auf die Tränendrüse drückt – das ist ihre Spezialität.

Sinngemäß bedeutet der Titel „Die Abteilung der gequälten Dichter“. Einer der Dichter ist selbstverständlich Swift selbst.

Auf dem elterlichen Bauernhof gesungen

Die am 13. Dezember 1989 in West Reading (US-Staat Pennsylvania) geborene Künstlerin sang bereits mit drei Jahren daheim auf dem elterlichen Bauernhof, wo die Eltern Scott und Andrea Christbäume zogen. Der erste Zuhörer wurde ihr um zwei Jahre jüngerer Bruder Austin.

Ein Vorbild für Swift war ihre Oma Marjorie, eine Opernsängerin. „Wenn sie im Gottesdienst Lieder vortrug, sang unsere Kleine leise mit“, erinnert sich der Vater. Im Alter von elf Jahren forderte sie dann von ihren Eltern eine Gitarre – eine zwölfsaitige.

„Dafür sind deine Finger doch noch viel zu klein“, warnte ihr Vater. Doch eine normale Gitarre mit sechs Saiten wollte sie nicht. Und die Tochter setzte ihren Willen durch.

„Sag nie zu Taylor, dass etwas nicht zu machen ist. Sie beweist dir das Gegenteil“, verrät der stolze Vater heute lachend.

Mama Swift passt hinter der Bühne auf

Die junge Künstlerin wusste, dass ihre Country-Idole Dolly Parton, 78, und Johnny Cash (1932 bis 2003) in Nashville berühmt geworden waren. Deshalb setzte sie alles daran, dort auch ihre eigene Karriere voranzutreiben.

Ihre Eltern Scott und Andrea blieben dabei stets die größten Anhänger ihrer Tochter und ermunterten sie, ihre Träume zu verwirklichen. Als sie 14 Jahre alt war, übersiedelte die Familie sogar nach Nashville. „Dafür, dass sie mich vor den Schäden frühen Ruhmes bewahrt haben, danke ich ihnen aus ganzem Herzen“, sagt die Tochter.

Am Beschützerinstinkt hat sich nichts geändert. Wenn die Tochter auf der Bühne steht und singt, wacht „Mama Swift“ hinter dem Vorhang. Sie wählt auch jene Handvoll junger Anhänger aus, die gewöhnlich nach einer Show zu ihrer berühmten Tochter vorgelassen werden.

Indes, völlig unbehelligt vom Neid ihrer Mitmenschen kam auch Swift nicht davon. Als sie bei bedeutenden Sportereignissen die amerikanische Nationalhymne singen durfte, ging sie noch in die Schule. Nach den im Fernsehen übertragenen Auftritten zurück in der Klasse, machten ihr die Mitschüler das Leben schwer. Jessica McLane, eine Klassenkameradin, erinnert sich: „Die meisten hassten Taylor. Nicht nur ihres Ruhmes wegen, sondern auch, weil manche sich in den Liedern wiedererkannten. Schließlich gingen die Burschen, über die sie sang, immer noch mit ihr in die Schule.“

Häufige bissige Attacken hatten zur Folge, dass Swift damals Gewicht zulegte, was zu Minderwertigkeits-Komplexen führte. Ihre Ballade „Fifteen“, erschienen im Jahr 2009, beschreibt ihre Gefühle. Im Jahr 2022 wiederholte sie ihre Klagen in „Mastermind“. In ihr reales Tagebuch notierte sie zu jener Zeit: „Sie mögen mich nicht. Wollen nichts mit mir zu tun haben. Egal. Ich schreibe Musik, weil es niemanden gibt, mit dem ich reden kann.“

Heute steht dafür ihre Kollegin und Freundin Selena Gomez, 31, zur Verfügung oder auch ihre Liebe Travis Kelce, 34, ein Football-Spieler. Er sollte gewarnt sein, denn seine Vorgänger bekamen von der berühmten Sängerin nach dem Ende der Beziehung eine musikalische Fußnote.

Swift schreibt Country-, Pop- und Indie-Folk-Musik. Vor allem von gebrochenem Herzen. Liebe und Schmerz ziehen sich durch ihr Repertoire, füllten ihre Kassen und sorgten für immer neue Rekorde. So ist die 34jährige etwa die erste Musikerin, die alleine durch den Verkauf ihrer Musik- und Konzert-Karten ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro anhäufen konnte. Bei ihrem Konzert in Seattle (USA) am 22. Juli 2023 lösten 70.000 Anhänger im Stadion ein Erdbeben der Stärke 2,3 nach der Richterskala aus, als sie zum Lied „Shake It Off“ auf- und absprangen. Sogar Politiker fürchten mittlerweile ihren Einfluss, den sie auf ihre 282 Millionen Gefolgsleute auf Instagram hat.

Auf die erkennbare Formel für ihre Kreationen angesprochen, meint die Künstlerin sachlich: „Sie hat sich nie geändert. Meine Lieder berichten jeweils von den vergangenen beiden Jahren meines Lebens. Meine Anhänger können also gewissermaßen
in den Liedern mein Tagebuch hören.“

Und wenn sie sich ausgebrannt fühlt und an ihrem Leben zweifelt, was von Zeit zu Zeit geschieht, versucht sie, ihre eigene Psychotherapeutin zu sein. „Als Lieder-Schreiberin sprichst du ohnehin oft mit dir selbst.“ Oder sie ruft ihre Mutter an. „Sie ist mein letzter Strohhalm. Sie bringt mir meine Balance zurück.“
kauck
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