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Ausgabe Nr. 13/2024 vom 26.03.2024, Fotos: Judith M. Trölß
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Fertige Produkte gibt es geflochten und gewickelt.
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Geflochtene Verstecke für den Osterhasen
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Mit dem Osterfest endet die Passions- und Fastenzeit. Zu den christlichen Traditionen zählt der Osterkorb. Irgendwo müssen die bunt gefärbten Eier und andere Köstlichkeiten ja auch aufbewahrt werden.
Nicole Kudla, 45, aus Neufelden (OÖ) liefert dem Osterhasen mit ihren handgeflochtenen
Körben die passenden Verstecke.
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Es beginnt immer mit einem Kreuz“, beschreibt Nicole Kudla ihr Handwerk, das nicht nur wegen dieser geometrischen Grundlage gut zur Osterzeit passt. Denn auf einem Kreuz aus Weidenästen baut die 45 Jahre alte Oberösterreicherin aus Neufelden Behältnisse auf, die seit jeher der Aufbewahrungsort für die Geschenke des Osterhasen sind. Vor 15 Jahren hat Kudla mit dem Flechten von Körben begonnen und sie ist nach all den Jahren mit Feuer und Flamme bei der Arbeit.

Begonnen wird mit dem Schneiden der Weidenäste, die sie auf ihrem Grundstück gepflanzt hat. „Die Weide wird in den Monaten November bis Ende Februar geschnitten. In dieser Zeit ist die Pflanze nicht im Saft“, weiß die Kunsthandwerkerin. „Die einjährigen und unverzweigten Triebe, die von einem Meter bis 1,80 Meter reichen, werden in Bündel geschnürt und an einem regengeschützten Unterstand getrocknet.“ So steht in Kudlas Garage kein Auto, dafür finden sich dort umso mehr Weidenruten. „Durch und durch getrocknet sind die Weidenstäbe im Herbst. Eine einfache Gartendeko kann man mit frischen Ästen machen, einen Weidenkorb würde ich niemals mit frischen Weidenruten machen, da die Äste 60 Prozent Wasser in sich haben und der Korb daher nicht stabil ist und zu wackeln beginnt."

Weiden einweichen, damit sie nicht brechen

Um zu demonstrieren, wie so ein Weidenkorb entsteht, nimmt sie eines der schon getrockneten Bündel, die seit einer Woche in einem Wasserbad auf ihren Einsatz warten. „Damit sie biegsam werden. Sie würden sonst beim Flechten brechen“, erklärt Kudla. „Jeder Korb ist Handarbeit. Es gibt auf der ganzen Welt keine Maschine zum Korbflechten.“ So sind ihre wichtigsten Werkzeuge natürlich ihre Hände, die nach 15 Jahren Praxis routiniert zu Werke gehen, als sie beginnt, den Korbboden zu flechten. Für den sie mit sechs Stück etwa einen Zeigefinger dicken und 25 Zentimeter langen Weidenenden beginnt. „Drei werden jetzt gespalten“, sagt sie, sticht mit dem Messer in die Mitte des Astes und kippt ihn ein wenig auf, sodass ein kleiner Schlitz entsteht. Nachdem sie diesen Vorgang bei zwei Weidenenden wiederholt hat, steckt sie die drei nicht geschlitzten Stäbe durch, wodurch ein Kreuz entsteht. „Nun beginnt das Flechten.“ Die Handwerkerin nimmt zwei dünne Weiden und flicht die Ruten einmal über und einmal unter die Schenkel des Kreuzes. „Danach wird aufgebrochen. Das heißt, ich gehe nicht mehr über alle drei Weiden drüber, sondern über jede einzelne“, erklärt sie, biegt sich die Weiden ein bisschen auseinander und setzt ihre Arbeit fort, bis langsam ein schönes Rad entsteht.

Nun kommt noch das Aufstaken. „Dazu nehme ich dickere Weiden, ähnlich jenen, die das Kreuz bilden. Sie werden angespitzt und jeweils eine links und eine rechts neben eine Kreuzstake gesteckt. Dann bekommt noch jeder der 24 dicken Stäbe einen kleinen Pieks mit dem Pfriem“, sagt Kudla und nimmt ein Werkzeug zur Hand, das aussieht wie eine überdimensionierte Nähnadel. „Dadurch lassen sich an dieser Stelle alle Weiden nach oben biegen.“ Dann beschwert sie den Boden noch mit einem Stein, damit er gut steht und flicht mit den dünneren Weiden nach oben, bis der Korb einen Durchmesser von etwa 25 Zentimetern und eine Höhe von 20 Zentimetern aufweist. „Es dauert schon sechs bis acht Stunden, bis er fertig ist. Es ist ein Irrglauben, dass so ein Korb ruck-zuck geflochten ist“, sagt Kudla und lacht. Die Oberösterreicherin hat sich durch das Bereisen verschiedenster Länder wie Spanien, Frankreich und Dänemark unterschiedlichste Techniken angeeignet. „Das Interessante für mich ist, wie ich diese Techniken mit den heimischen Materialien umsetze“, erklärt Kudla. „Ich arbeite auch mit der Rinde der Weiden. Wenn sie nicht im Saft stehen – so um Mai, Juni, Juli –, lässt sich wunderbar die Rinde herunterziehen und eine Webflechte herstellen. Ich liebe die Vielfältigkeit der Natur, die es mir ermöglicht, mit ihr zu arbeiten.“ Zusätzlich hat sie sich viel mit der Struktur von Fasern beschäftigt und sich die Kunst der Verarbeitung von Maiskolbenblättern angeeignet.

Körbe selbst herzustellen, können Interessierte auch lernen. Dazu bietet Kudla das Korbflechten in Kursen an. „Anmelden kann sich jeder bei mir unter der Mailadresse info@knic.at oder unter der Telefonnummer 0664/4149 159. Die Kosten für einen vierstündigen Kurs betragen € 50,–, inkl. Material. Und jeder Kursteilnehmer fertigt seinen eigenen Korb, den er natürlich mitnehmen darf.“

Wer handwerklich nicht so begabt ist, kann nach telefonischer Terminvereinbarung von ihr natürlich auch die unterschiedlichsten Körbe und Flechtwerke erstehen.
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