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Ausgabe Nr. 11/2024 vom 12.03.2024, Fotos: Copyright vbw/Deen van Meer, STEFANIE J.STEINDL, Katharina Schiffl
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„Christine“ Lisanne Veeneman mit Roy Goldman als „Raoul“.
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Anton Zetterholm in der Maske des „Phantoms“.
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Die beiden Hauptdarsteller, Lisanne Veeneman und Anton Zetterholm.
Das Phantom der Oper
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Aus dem Roman des Schriftstellers Gaston Leroux machte Andrew Lloyd Webber vor fast 40 Jahren das erfolgreichste Musical der Welt. Ab 15. März ist das „Phantom“ in einer Neufassung auf der Bühne des Raimund Theaters zurück.
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Frankreich im Jahr 1870. In den Katakomben der Pariser Oper treibt ein maskiertes Phantom sein Unwesen. Es lebt im Verborgenen, bis es sich eines Tages unsterblich in die schöne Christine Daaé verliebt. Mit allen Mitteln will das Phantom der jungen Sängerin zum Erfolg verhelfen. In einem Brief fordert es etwa von den Direktoren des Opernhauses, eine eigene Loge für es zu reservieren. Außerdem soll die unerfahrene Christine statt der gefeierten Operndiva Charlotta eine Hauptrolle übernehmen. Die Männer halten die Anweisungen für einen Scherz und ignorieren sie.

Das Phantom rächt sich auf furchtbare Weise, denn die Leiche eines Bühnenarbeiters wird kurz darauf gefunden und ein riesiger Kronleuchter stürzt von der Decke in den Zuschauerraum und tötet eine Frau. Es besteht kein Zweifel mehr für die Theaterleute – das Phantom existiert.
„Wenn ich ein Phantom bin, dann nur, weil der Hass der Menschen mich dazu gemacht hat“, sagt der seit seiner Geburt furchtbar entstellte Erik, der Mann hinter der Maske des Phantoms und Titelfigur im Roman „Le Fantom de l‘Opera“. Das im Jahr 1910 veröffentlichte Werk des französischen Schriftstellers Gaston Leroux diente seither als Inspiration für mehrere Verfilmungen und war Vorlage für das bis heute weltweit erfolgreichste Musical „Das Phantom der Oper“ des bekannten britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber. Der stieß nur durch Zufall auf den Roman und wusste gleich, „Aus dieser großartigen Geschichte mache ich ein Musical.“

Im Jahr 1986 feierte Webbers „Das Phantom der Oper“ seine Uraufführung in London (GB). Zwei Jahre später folgte die Broadway-Premiere in New York (USA), wo das Stück 35 Jahre hindurch – bis April 2023 – gespielt wurde.

Die deutschsprachige Erstaufführung war in Wien

Ebenfalls 1988 fand in Wien die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals im Theater an der Wien statt. Von 1990 bis 1993 wurde es dann im Raimund Theater gezeigt.

Ab 15. März kommt das „Phantom“ nun zurück an die Donau. Im Wiener Raimund Theater wird eine spektakuläre Neuinszenierung des Webber-Klassikers zu sehen sein. „Das Publikum kann sich auf ein elektrisierendes Erlebnis voller Leidenschaft und Intrigen freuen. Unsere Produktion verspricht, die Zuschauer auf eine unvergessliche Reise durch eine epische Geschichte voller Liebe und Geheimnisse mitzunehmen“, freut sich Lisanne Clémence Veeneman, 23. Die in Amsterdam (NL) geborene Sängerin und Schauspielerin wird die „Christine“ spielen. „Eine Rolle, die für mich persönlich eine tiefe Bedeutung hat. Es ist eine Figur, mit der ich mich sehr verbunden fühle, und sie zu verkörpern, war schon immer ein Traum von mir“, erzählt Veeneman, die ihre Liebe zum „Phantom der Oper“ mit ihrer inzwischen verstorbenen Großmutter geteilt hat. „Jedes Mal, wenn ich auftrete, besonders bei Liedern wie ,Könntest du doch wieder bei mir sein‘, fühle ich mich mit ihr verbunden, als ob ich für sie singen würde.“

Bereits im Alter von sechs Jahren begann für Veeneman „meine Reise in die Welt der darstellenden Kunst“. Zuerst in einem Kindershow-Chor, später an einer Theaterschule. „Als ich elf Jahre alt war und meine erste Broadway-Show sah, hat es ,Klick‘ gemacht. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mit der Schauspielerei meinen Lebenstraum verwirklichen wollte“, erinnert sich die „Christine“-Darstellerin.

Ein Spätberufener war hingegen ihr Bühnenpartner, der 1986 in Schweden geborene Anton Zetterholm. „Ich habe relativ spät mit dem Singen begonnen, habe aber sofort gemerkt, dass Musicals etwas für mich sind. Während meines Studiums nahm ich an der Fernseh-Show ,Ich Tarzan, Du Jane‘ teil und hatte seitdem das Glück, ständig arbeiten zu können.“

Erfolge feierte er etwa als „Tarzan“ oder als Tony in der „West Side Story“. Für ihn hat das „Phantom“ eine ganz besondere Bedeutung. „Ich lernte meine Frau (die Musicaldarstellerin Harriet Jones) kennen, als sie im Theater West End in London ,Christine‘ verkörperte. Man könnte durchaus sagen, dass ich mich sowohl in sie als auch in ,Christine‘ verliebt habe. Jetzt haben wir zwei kleine Buben, die beide das Titellied singen, und tatsächlich sind wir eine echte Phantom-Familie“, erzählt Zettelholm lachend.

Das Wesen des „Phantoms“ liegt in seiner Zeitlosigkeit

Bestimmte Vorurteile darüber, wie das Phantom gespielt werden sollte, habe er versucht zu vergessen. „Das ,Phantom‘ ist ein einsamer Mann, der aufgrund seines Aussehens im Dunkeln lebt. Ich denke, dass man bei jedem Auftritt neue Ebenen entdeckt, und das ist etwas Fantastisches, wenn man über einen längeren Zeitraum dieselbe Rolle spielt“, sagt er über den Reiz dieses Charakters.

Für Lisanne Veeneman war das Befassen mit der Darstellung „einer so ikonischen Figur wie ,Christine‘ so etwas wie die Wiederbelebung eines geschätzten Meisterwerkes“. Es sei aber ein Balanceakt, die Tradition zu ehren und gleichzeitig neue Wege zu gehen, damit sich die Figur mit jeder Aufführung weiterentwickelt.
„Einer der inspirierenden Aspekte von Christines Charakter ist ihre Fähigkeit, über die Äußerlichkeiten zu blicken und in die Tiefen des eigenen Herzens einzudringen. Während der gesamten Geschichte zeigt sie Mitgefühl und Empathie, indem sie über oberflächliche Urteile hinausgeht“, sagt Veeneman. Diese Fähigkeit, das wahre Wesen der Menschen zu erkennen und Personen wahrzunehmen, unabhängig von ihrer äußeren Fassade, sei eine starke Lektion, die tief in ihr nachklinge.

Obwohl die Romanvorlage mehr als 100 Jahre alt ist, könne Zetterholm „die Geschichten erkennen, die auch total in unsere Zeit passen. In unserem Sozialen-Medien-Zeitalter glaube ich auch die Entfremdung und den Wunsch des Phantoms, zur Masse zu gehören, erkennen zu können.“ Auch Veeneman bestätigt, „das Wesen von ,Das Phantom der Oper‘ liegt in seinen zeitlosen Themen Liebe,
Besessenheit und dem menschlichen Zustand. In einer Welt, in der die Suche nach Liebe und Akzeptanz ein grundlegender Aspekt der menschlichen Erfahrung bleibt, ist es ein tiefer Eindruck und erinnert uns daran, dass manche Gefühle und Dilemmas ewig sind.“

Es sei auf jeden Fall ein Privileg, „Das Phantom der Oper“ in einer Stadt so reich an Kunst und Kultur zu spielen, sagt Veeneman, die mit der Rolle ihr Wien-Debüt gibt. Auch Zetterholm freut sich, am Raimund Theater zu spielen. „Der Druck ist natürlich groß, wir sind in Wien, der Kulturhauptstadt der Welt, da erwartet man natürlich eine Weltklasse-Leistung.“ Der größte Druck komme aber von ihm selbst, weiß der bekennende Perfektionist.
rz
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