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Ausgabe Nr. 06/2024 vom 06.02.2024, Fotos: Roland M¸hlanger / picturedesk.com, Spiess Foto Tirol/Erich Spiess, KFV, IDB Austria Durchschnittswerte 2018-2022
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Mit dem Akja ins Tal.
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Tomas Woldrich, Kuratorium für Alpine Sicherheit
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Carving Schi machen Schi-Spaß sicherer
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Immer wieder schrecken uns Todesfälle auf der Schipiste. Je voller sie ist, desto unsicherer fühlen wir uns. Die Statistik spricht dagegen.
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Acht Millionen Schifahrer tummeln sich jährlich auf unseren Schipisten. Vor allem im Februar ist es voll. Nicht nur bei uns sind Semesterferien, auch in deutschen Bundesländern und Tschechien macht die Schule Pause. In den Niederlanden sind Krokusferien, in Slowenien winkt durch einen Feiertag ein verlängertes Wochenende.

Je voller es auf den Schipisten ist, desto unsicherer fühlen wir uns. „Im gleichen Maß, wie das Schifahren objektiv sicherer geworden ist, ist das Gefühl der Gefährdung durch andere größer geworden, kommt uns vor“, sagt Tomas Woldrich, Vorstandsmitglied des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS).

Die Seilbahnen bringen immer mehr Menschen immer schneller in die Schigebiete. „Dadurch
ist die Dichte höher.

Paradoxerweise zeigen Studien aber, je mehr auf der Piste los ist, desto weniger passiert im Verhältnis“, erklärt Woldrich, der auch Leiter der Abteilung Breitensport im Österreichischen Skiverband (ÖSV) ist. Leere Pisten verleiten eher zu einem riskanten Fahrstil als volle, auf denen wir vorsichtiger fahren.

Auch wenn wir nahezu jede Woche von Todesopfern auf der Schipiste lesen, „im Verhältnis zu anderen Sportarten ist das Schifahren keine Risikosportart, im Lauf der vergangenen 30 Jahre ist es zudem konstant sicherer geworden“, ist Tomas

Woldrich überzeugt. „Jeder einzelne Unfall ist natürlich einer zu viel. Im Zehn-Jahres-Mittel haben wir von Beginn der Schisaison Anfang November bis Ende Jänner zwölf Tote verzeichnet, heuer sind es in diesem Zeitraum acht Todesopfer.“ Rund 25.000 Menschen verletzten sich vor Corona pro Jahr beim Schifahren dermaßen, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Für heuer rechnet das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) mit einer „hohen Unfallquote“ ähnlich wie in der Saison 2019/2020.

Fast jeder dritte Unfall passiert am ersten Schitag.

Schiunfälle sind die teuersten Sportunfälle. Im Schnitt betragen ihre Folgekosten 30.800 Euro. Zwei Drittel der Verletzten sind Männer, zeigt eine Untersuchung, fast jeder dritte Unfall passiert am ersten Schitag.

Sehnen- und Bänderverletzungen der Knie sind am häufigsten, jeder vierte erleidet solche Blessuren. Jeden Zehnten trifft es an der Schulter. Kopfverletzungen sind hingegen seltener, weit mehr als 90 Prozent der Schifahrer tragen einen Helm.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum das „Brettern“ über die Piste insgesamt sicherer geworden ist. „In allererster Linie hat die Einführung des Carving-Schis das Schifahren massiv sicherer gemacht. Das leichtere Drehen, die leichtere Handhabung, die Kürze des Schis hat dazu geführt, dass der Schi auch für Anfänger beherrschbarer ist“, meint der ÖSV-Experte Woldrich.

Auf der Kante gefahren, wird man mit dem Carver schnell. Aber die meisten Schifahrer „rutschen“, hat er beobachtet. Dabei wiederum seien im Gegensatz zu früher die Schi viel leichter zu kontrollieren. „Und durch die Kürze der Schi nehme ich beim Rutschen auch nicht so viel Geschwindigkeit auf.“

Für durchschnittliche Schifahrer seien Allround-Carver die richtige Wahl. „Wenn sich jemand einen stark taillierten Rennslalom-Carver umschnallt, braucht er gutes Können, um ihn entsprechend zu beherrschen.“

Der Skiverband hat vor ein paar Jahren Geschwindigkeitsmessungen auf den Schipisten durchgeführt. Das Durchschnitts-Tempo ist mit den Carving-Schi nicht gestiegen, es liegt bei 42 Stundenkilometern.

Frühlingshafte Temperaturen bergen aber durchaus Risiken, warnt der Alpin-Fachmann Woldrich. „Ein bisschen ein Thema ist momentan, dass der Pistenrand oder der Bereich außerhalb der Piste nicht gut verschneit ist. Im Regelfall, wenn man über den Pistenrand hinausstürzt, fällt man in den Tiefschnee und in weichen Schnee, der den Sturz auffängt und bremst, so dass es nicht unmittelbar zu einer Kollision kommt.“

Fangzäune könnten jedoch nicht überall aufgestellt werden. „Wir als Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit appellieren auch an die Eigenverantwortung, an eine Fahrweise, die an das eigene Können angepasst ist.“

Bei Verdacht auf Fremdverschulden ermittelt in der Regel die Alpinpolizei auf der Schipiste. Dazu gehört unter Umständen auch eine Alkoholkontrolle. Nicht selten sind die Beamten auch mit Fahrerflucht konfrontiert. „Kontrollen wie bei einem Planquadrat“ gibt es aber auf den Berghängen nicht, „hierfür fehlt auch die rechtliche Grundlage“, heißt es aus dem Innenministerium.

Insgesamt ist aber weder die Zahl rücksichtsloser noch betrunkener Schifahrer gestiegen. Wobei der Alkohol bei den Unfallzahlen im Schnee ohnehin kaum eine Rolle spielt. Denn der wird in der Regel meist erst beim Après-Ski konsumiert.

So mancher Schifahrer beklagt sich allerdings über den Kunstschnee, der heutzutage die Pisten härter mache. „Es stimmt, unter bestimmten Bedingungen ist der Maschinenschnee schwer zu befahren, aber das wäre der natürliche Schnee genauso“, weiß der Schi-Experte Woldrich. „Wenn sich der Schnee erwärmt und dann wieder durch Kälte verdichtet, dann kommt es zu den harten Stellen. Früher beim natürlichen Schnee wäre dort eine Eisplatte gewesen. Dafür gibt es jetzt keine aperen Stellen, keine Löcher in der Schipiste mehr wie früher.“









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