Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 06/2024 vom 06.02.2024, Fotos: ÖRV, Dietmar Reker, ÖRV/Ebermann
Artikel-Bild
Georg Hackl macht unser Team stark.
Artikel-Bild
Mit Materialbetreuer Peter Penz (re.).
Artikel-Bild
Gatt und Schöpf rodelten zu WM-Gold in Altenberg.
Artikel-Bild
Lisa Schulte (li.) errang WM-Gold, Madeleine Egle Bronze.
Artikel-Bild
Das erfolgreiche rot-weiß-rote Rodel-Team hat laut Trainer Hackl seinen Zenit noch gar nicht erreicht.
Die deutsche Legende Georg Hackl, 57, ermöglichte ein rot-weiß-rotes Rodel-Wunder:„Österreich setzt sein Geld viel effizienter ein als Deutschland“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Als Aktiver feierte Georg „Schorsch“ Hackl, 57, drei Olympiasiege für Deutschland, als Trainer führte er nun unser Land an die Rodelspitze.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Herr Hackl, bei der Rodel-WM in Altenberg (D) war unser Land mit vier Goldmedaillen sogar besser als Deutschland. Ist das Zufall oder feiern wir eine neue „Hacklordnung“ im Rodelsport?

Dieser Ausgang, so überraschend er für manche war, spiegelt für mich absolut den derzeitigen Leistungsstand wider, unterm Strich wäre sogar noch mehr drin gewesen. Aus meiner Sicht war es eine wunderbare WM, obwohl ich keiner bin, der sich deswegen großartig betrinkt oder nächtelang durchmacht, sondern den Erfolg eher still feiert.
Seit einem Jahr betreuen Sie extrem erfolgreich das österreichische Team. Nehmen es die Deutschen ihrer Rodel-Legende „Hackl-Schorsch“ übel, dass er den kleinen Nachbarn stark machte?

Der Hackl-Schorsch alleine war das ganz sicher nicht. Aber es stimmt schon, je näher mir die Menschen einst in Deutschland standen, mit denen ich zusammenarbeitete, umso stärker spüre ich nun deren Enttäuschung. Es ist mir andererseits lieber so, als wenn alle froh wären, dass ich weg bin. Nur, wenn ich schon hier arbeite, dann soll es erfolgreich sein. Da tritt mein Egoismus in den Vordergrund.

Manche nennen Ihren Wechsel zum kleinen Bruder Österreich „verrückt“, schließlich hat Deutschland vier Rodelbahnen, Österreich nur eine. Wieso sind wir trotzdem schneller?

An meinem Wechsel war nichts Verrücktes. Ich war halt mein Leben lang beim selben Arbeitgeber, dem deutschen Verband, und wollte eine neue Perspektive ausprobieren. Ganz besonders hat mich der großartige Zusammenhalt im österreichischen Team gereizt, das sind lauter feine Charaktere, wo jeder dem anderen den Erfolg gönnt. Das ist bei vielen Verbänden nicht unbedingt so. Außerdem setzt Österreich sein Budget viel effizienter ein, das muss ich ganz klar sagen. Wollen wir etwa neue Kufen, wird das von starken Partnern in der freien Wirtschaft in wenigen Monaten umgesetzt, in Deutschland kann das, getragen von schwerfälligen Institutionen, bisweilen Jahre brauchen, obwohl hier viel mehr Geld vorhanden ist.

Was gefällt Ihnen am rot-weiß-roten Team?

Es gibt erfahrene Menschen wie den Gleirscher David, 29, aber sonst ist das im Grunde eine recht junge Mannschaft, die ihren Zenit noch gar nicht erreicht hat. Da dürfen wir für die kommenden Jahre einiges erwarten. Die erst 23jährige Lisa Schulte hat mit Gold im Damen-Einsitzer die jahrelange deutsche Dominatorin Julia Taupitz besiegt und trotzdem noch viel Verbesserungspotenzial. Schulte und Gleirscher sind begnadete Rodler, die ihre Stärken im unteren Streckenteil ausspielen, beim Starten aber deutliche Reserven haben, die ihnen einen weiteren Schritt ermöglichen könnten.

In welchen Detailbereichen arbeiten Sie selbst mit den Athleten?

In erster Linie im fahrtechnischen Bereich. Ich helfe Ihnen, die ideale Linie in der Bahn zu finden, aber auch ihre Haltung von Kopf und Körper auf dem Schlitten zu optimieren, um möglichst schnelle Zeiten zu erreichen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schlittentechnik. Weil ich den Österreichern aus Deutschland kommend nicht von heute auf morgen ein völlig neues Schlittensystem überstülpen wollte, haben wir zunächst nur kleine Weichenstellungen vorgenommen und Baukomponenten ausgetauscht. Es gab aber neue Kufen, neue Schienen und neue Verkleidungen. Damit kommen die Sportler hervorragend zurecht.

Wie hat sich der Rodelsport seit Ihrer aktiven Zeit gewandelt?

Er hat sich gewaltig verändert, im Sportlichen werden die Bahnen besser präpariert und viel höhere Geschwindigkeiten gefahren. Das Drumherum fand ich früher angenehmer, wenn bei den wenigen Fernseh-Sendern Rodeln am Programm stand, hat jeder zugesehen. Heute hat der Sport an Präsenz verloren, stattdessen sind die sozialen Medien wichtig, die Athleten zählen nur noch „Klicks“. Hauptsache, die Anzahl der Nutzerzugriffe ist hoch. Das ist manchen Athleten wichtiger als der Sport selbst.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung