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Ausgabe Nr. 06/2024 vom 06.02.2024, Fotos: AdobeStock, zvg
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Prof. Arthur C. Brooks
Dem Glück auf der Spur
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Jeder möchte glücklich sein. Den Schlüssel dazu zu finden, ist gar nicht so schwer. Denn jeder selbst hält ihn in den Händen. Es ist also nicht die augenblickliche Lebenssituation, die uns glücklich macht, auch nicht der Erfolg oder das Geld – wir sind es selbst.
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Das Glück finden zu wollen, ist so alt wie die Menschheit. Bereits der römische Dichter und Staatsmann Seneca sagte im ersten Jahrhundert nach Christus: „Wir alle streben nach Glück und einem erfüllten Leben.“

Wobei es freilich nicht so einfach ist zu definieren, was Glück eigentlich ist. Ob es in der Macht, der Liebe, dem Reichtum oder im beruflichen Erfolg zu finden ist, lässt sich nur schwer erklären.

Wer glücklich ist, ist erfolgreich

Doch nach Erklärungen wird gesucht. Die Entschlüsselung des Glücks ist Gegenstand intensiver Forschung.

Gehen andere psychologische Richtungen von den Problemfeldern, den negativen Gefühlen und deren Überwindung aus, fragt die Positive Psychologie nach den Charakterstärken und den positiven Gefühlen des Menschen. Martin Seligman, einer der renommiertesten Vertreter und Pionier der Positiven Psychologie, fand heraus, dass Menschen, die um ihre Stärken wissen, am optimistischsten und zufriedensten sind. Denn gut 40 Prozent unseres Glücksempfindens hängt von uns selbst ab, wir können es durch unser Denken und Handeln beeinflussen.

Einer, der weiß, was Glücklichsein bedeutet, ist Arthur C. Brooks, 59, ein amerikanischer Autor, Redner und Professor an der Harvard Kennedy School und der Harvard Business School in den USA, wo er Glücklichsein, Führung und soziales Unternehmertum lehrt.

„Glück ist nicht die Folge von Erfolg, sondern die Voraussetzung dafür. Nur wer glücklich ist, kann auch erfolgreich sein. Nicht umgekehrt“, meint Brooks, der folgende Glücks-Strategie empfiehlt. „Auf zwischenmenschliche Beziehungen setzen, die uns erfüllen. Auf Familie und Freunde, auch auf Spiritualität. Und einer Arbeit nachgehen, die Sinn stiftet und Spaß macht. Wichtig ist aber genau diese Reihenfolge. Zuerst kommen die zwischenmenschlichen Beziehungen, dann die Arbeit. Jeder Karrieremensch verfügt über ein umfassendes Netzwerk an ,Deal‘-Freunden, wie ich dazu sage. Die uns also zweckdienlich sind. Das kann eine Person sein, die unsere Kinder von der Schule abholt oder ein Arbeitskollege, der wertvolle Geschäftskontakte herstellt oder stets einen Schokoriegel auf Vorrat in der Schublade hat. Sie mögen diese Person vielleicht gern und kümmern sich um sie und tauschen sogar oberflächliche Details über Ihr Leben aus, aber der Grundton der Beziehung basiert auf dem Nutzen dieser Person für Sie. Früher hatten die Menschen echte Freunde, jetzt nur noch ,Deal‘-Freunde. Also sollten wir in der Vergangenheit kramen und die alten Freunde von früher wieder kontaktieren. Und die alten Freunde werden es lieben, das ist meine Erfahrung. Du beginnst zu reden, und es ist, als wäre die Zeit stehengeblieben.“

Dankbar sein für das, was wir haben

Wer sich anschickt, glücklich werden zu wollen, sollte jedoch einige Klippen umschiffen. Denn garantiert nicht glücklich wird, wer sich ständig mit anderen vergleicht oder wer neidisch ist.

„Schädlich für das Glücksempfinden ist auch, nie mit dem zufrieden zu sein, was wir haben, und immer mehr haben zu wollen. Wenn wir nie dankbar für das sind, was wir haben und besitzen, können wir schlecht glücklich werden“, sagt Alexandra Loeffner, Trainerin für Positive Psychologie. Was unserem Glücklichsein auch im Weg steht, ist die Gewöhnung an das, was wir besitzen. Ein neues Auto, ein teures Parfüm oder Designerkleider geben uns nur kurze Zeit ein Glücksgefühl.

„Tatsächlich wissen wir aus Studien, dass sogar Lottogewinner nur für einen überschaubaren Zeitraum glücklicher sind und der Lottogewinn nach ein paar Monaten oder Jahren keinen Unterschied mehr macht“, erklärt Loeff-
ner. „Forscher haben herausgefunden, dass ab einem Jahreseinkommen zwischen 60.000 und 80.000 Euro Geld keinen Einfluss mehr auf unsere Zufriedenheit hat. Das heißt, wenn jemand mehr als 80.000 Euro im Jahr verdient, trägt dies nicht wesentlich zu einem höheren Wohlbefinden bei.“

Wichtig ist es auch zu wissen, dass das Leben nicht nur aus Höhepunkten besteht, es gehören auch Traurigkeit, Anstrengung, Entbehrung und Krisen dazu. Wer die Tiefen kennt, ist dankbar für die glücklichen
Momente und wird sie mehr
genießen und schätzen. morri
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