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Ausgabe Nr. 06/2024 vom 06.02.2024, Foto: A. Zeppelzauer
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Zur Person
Christine Schuberth wurde am 11.2.1944 in Wien geboren. Als Absolventin der Modeschule Hetzendorf (Wien) begann sie ihre Karriere an der Löwinger-Bühne.

Besonderen Erfolg brachte ihr im Jahr 1970 die Titelrolle des Zweiteilers über das Leben der Wiener Dirne „Josefine Mutzenbacher“.

Schuberth spielte Theater, Kabarett und war in zahlreichen Filmen und Serien zu sehen, darunter „Klimbim“, „Ein Schloss am Wörthersee“ und „Tohuwabohu“. Der RTL-Serie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ gehörte sie 403 Episoden lang an. Schuberth lebt in Wien-Hietzing.
Christine Schuberth:
„Ich bin der faulste Mensch“
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Sie wurde als Dirne „Josefine
Mutzenbacher“ berühmt und spielte
danach an der Seite von Roy Black in „Ein Schloss am Wörthersee“.

Christine Schuberth ist längst im Ruhestand und wird nun 80 Jahre alt. Kein Grund zum Feiern, meint die Wienerin im Gespräch mit der
WOCHE-Reporterin Martina Wieser im wunderschönen Palmenhaus.
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Frau Schuberth, Sie begehen am 11. Februar Ihren 80. Geburtstag. Worüber reden Sie lieber: über die Zukunft, die Gegenwart oder die Vergangenheit?

Was die Zukunft betrifft, plane ich nichts mehr. Ich habe einen netten Freundes- und Bekanntenkreis, eine Alt-Hietzinger-Runde in Wien, die ich seit zehn Jahren kenne und mit denen ich gerne zusammen bin. Ansonsten möchte ich in Ruhe und Frieden und halbwegs gesund die Jahre, die mir noch bleiben, leben. Als älterer Mensch, jetzt muss ich schon sagen, alter Mensch, bin ich enttäuscht, was aus Wien geworden ist. Ich war immer glücklich, in meinem Heimatbezirk Hietzing zu leben. Seit 1972 wohne ich im selben Haus, aber es wird alles zunehmend

fremder. Ich verstehe nicht, warum die Altgasse, eine Wohnstraße nahe Schönbrunn, das ohnehin mitten im Grünen liegt, eine Begegnungszone sein muss. Mir wäre es lieber, wenn jemand sein Auto vor dem Haus parkt. Das ist ruhiger als ein Schanigarten, in dem bis Mitternacht gelärmt wird.

Sind Sie mit dem Auto in der Stadt unterwegs?

Ja, sicher. Ich mochte die öffentlichen Verkehrsmittel nie und jetzt schon gar nicht mehr, denn sie

sind überfüllt und störungsanfällig. Und sauber sind sie auch nicht.Wien ist nicht geschaffen für zwei Millionen Einwohner. Es ist katastrophal geworden, da sind neuerdings gruppenweise junge Ausländer lärmend unterwegs. Und das macht mir Angst. Früher nahm ich gerne die Abkürzung durch den Park, aber da hilft dir kein Mensch, wenn was passiert. Deshalb bleibe ich lieber auf der belebten Hauptstraße und bin froh, wenn ich zu Hause bin.

Sind Sie nicht mehr so viel auf Veranstaltungen unterwegs wie früher?

Meine Sturm- und Drang-Zeit ist definitiv vorbei. Meine Freunde sind im Alter von Ende 60 bis 80 plus und auch schon ruhiger geworden. Die Hälfte davon ist ganz still geworden, weil sie tot ist. Im Jahr 2023 sind besonders viele gegangen, mit denen ich unterwegs war und mit denen ich gearbeitet habe. Die Einschläge kommen halt immer näher, aber ich bin Realistin und weiß, dass auch meine Zeit kommt.

Wobei Sie durchaus fit und fröhlich wirken …

Ja, so ist es. Mir wurde immer gesagt, dass ich um zehn Jahre jünger aussehe. Dass ich 80 bin, glaubt mir keiner, vor allem von hinten betrachtet (lacht). Ich trage die Haare länger und meine 49 Kilo halten mich beweglich. Aber ich weiß, wie alt ich bin.

Was tun Sie, um Ihre zierliche Figur zu halten?

Das ist eine Veranlagung und ich achte darauf, nicht übermäßig zu essen. Ich habe im Dezember beschlossen, einen Fastenmonat zu beginnen, keinen Alkohol zu trinken und gesund zu essen und bin erstaunt, dass ich das nun schon mehr als zwei Monate lang durchziehe.

Haben Sie jetzt mehr Zeit für Ihre Hobbys?

Ich habe keine Hobbys, ich bin der faulste Mensch auf Gottes Erdboden. Dass ein Faultier wie ich den Schauspiel-Beruf ausüben konnte, ist mir ohnehin ein Rätsel. Wo ich überall unterwegs war und mit wie vielen Menschen ich gearbeitet habe, erstaunt mich bis heute.

Der Modeschöpfer Giorgio Armani, der demnächst 90 Jahre alt wird, sagt, die Arbeit sei für ihn ein Mittel gegen das Unglücklichsein gewesen. Was war die Arbeit für Sie?

Unglücklich war ich nie. Die Arbeit war für mich ein Mittel, nicht alleine zu sein. Obwohl ich grundsätzlich gerne alleine bin. Darum habe ich weder geheiratet, noch habe ich Kinder. Ich wollte nie Verantwortung haben, sondern immer nur allein sein und das bin ich geblieben.

Wie sehr hat die Rolle der Wiener Dirne „Josefine Mutzenbacher“, die Sie berühmt machte, Ihre weitere Karriere beeinflusst?

Ich war 26, als ich sie spielte. Ich habe der Figur alles zu verdanken, aber mir ist dadurch auch vieles verlorengegangen, weil der Mutzenbacher, also mir, nichts zugetraut wurde. Doch der Film ist ein Stück Zeitgeschichte. Dass ich den Namen „Mutzenbacherin“ nie losgeworden bin, macht mir nichts. Im Gegenteil, welcher Schauspieler wird schon so auf eine Rolle festgenagelt, eine Figur, die sich in die Gedächtnisse eingebrannt hat. Das ist ähnlich wie bei Roy Black, den ich gut kannte und mit dem ich die Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ drehte. Roy konnte singen, was er wollte. Das Publikum wollte nur „Ganz in Weiß“ von ihm hören. Daran ist er verzweifelt.

Fürchten Sie sich vor dem Tod?

Den Tod fürchte ich nicht, jedoch die Art des Sterbens, die wir uns nicht aussuchen können. Da muss ich an meine Eltern denken. Bei meinem Papa ging es ganz schnell. Der schickte meine Mutti mit einem Rezept in die Apotheke und als sie heimkam, lag Papi tot auf dem Boden. Meine Mami hingegen erkrankte früh an Alzheimer. Es war ein sechs Jahre langes Martyrium, weniger für sie, weil sie es nicht mitbekam, aber für mich als Tochter. Diese Zeit war schwierig für mich, ich habe viel geweint. Irgendwann begann sie, mich „Omi“ zu nennen. Ich saß an ihrem Bett, als sie starb, ihr letztes Wort zu mir war „Omi“.

Haben Sie Angst, auch so zu enden?

Nein, habe ich nicht. Da müssten schon Anzeichen da sein, und eine normale Vergesslichkeit sei mir in meinem Alter erlaubt (lacht).

Werden Sie Ihren 80er feiern?

Den runden Geburtstag feiere ich genausowenig wie all meine Geburtstage in den vergangenen Jahrzehnten. Ich feiere lieber die Geburtstage von anderen.
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