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Ausgabe Nr. 05/2024 vom 30.01.2024, Foto: picturedesk.com
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Johann Ernst „Hansi“ Hinterseer wurde am 2.2.1954 in in Kitzbühel (T) geboren. Zu seinen Eltern Josefine, 90, und Ernst, 91, hat er keinen Kontakt und spricht in Interviews nur über die schöne Zeit bei den Großeltern auf der Seidlalm, wo er bis zum 21. Lebensjahr gewohnt hat.

Hinterseer war nicht nur ein erfolgreicher Schirennläufer und Schauspieler, er hat bislang als Sänger 40 Alben aufgenommen.
Mit seiner Frau Romana, mit der er seit 40 Jahren zusammen ist, hat er zwei erwachsene Töchter. Die Familie lebt in Kitzbüher.
„Ich war ein Freigeist"
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Hansi Hinterseer war schon in jungen Jahren als Schirennläufer eine Ausnahmeerscheinung.
Als Moderator und Sänger feiert er bis heute Erfolge.

Anlässlich seines 70. Geburtstages erinnert er sich im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Barbara Reiter an die Sternstunden seiner Karriere und seine Kindheit am Berg.
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Herr Hinterseer, Sie werden am 2. Februar 70 Jahre alt. Sind Sie fit, um ihn gebührend feiern zu können?

Es geht mir grundsätzlich gut, es fällt halt heuer alles zusammen. Der Geburtstag, mein 30jähriges Bühnenjubiläum als Sänger und mein Sieg beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel ist auch 50 Jahre her. Einerseits ist es schön, wenn alle mit dir feiern wollen, andererseits ist es schade, dass alles auf einen Tuscher passiert.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

Das weiß ich selber noch nicht. Meine Mädels haben sich was für mich ausgedacht.

Franz Klammer hat seinen 70er kürzlich ganz groß gefeiert …

Ach, der Klammer ist ja schon 70, der alte Herr. Ich bin erst 69.

Das stimmt. Aber er wusste genau, wie schnell er bei seinem Olympiasieg am Patscherkofel in Innsbruck im Jahr 1976 war. Wie schaut es mit Ihrem Slalomsieg am Ganslernhang 1974 aus?

Ich glaube, im Sport gibt es immer Erlebnisse, die im Hinterschädl gespeichert bleiben, negative wie positive. Ich bin zwei Mal Bestzeit gefahren. 52,46 Sekunden im ersten Lauf und ich glaube, 50,33 im zweiten. Ich kann mich erinnern, dass es ein wunderschöner Tag war. Ich habe auf der Seidlalm übernachtet, der Himmel war in der Früh ganz blau. Für solche Tage war ich empfänglich, da ist meine Leistung im Gegensatz zu Regen und Schneefall automatisch gestiegen. Als ich am Start gestanden bin und hinuntergeschaut habe, war da dieses Gefühl: Du gehörst heute mir. Dabei hatte ich einen schweren Fehler beim vierten Tor. Normalerweise kannst du dich danach verabschieden,aber es hat funktioniert, ich blieb im Rennen.

Warum haben Sie Ihre Karriere dann schon mit 23 Jahren an den Nagel gehängt und sind nach Amerika übersiedelt, um bei den Profis Rennen zu bestreiten?

Mit meinem Talent hXätte ich sicher mehr erreichen können, aber es hat vom Trainer bis zum Material damals nichts mehr zusammengepasst. Ich war sicher ein Freigeist und musste mich einschränken – einen Freigeist einzuschränken, ist aber immer schwierig.

In den 1970ern war Werbung noch nicht so
wichtig wie heute. Sie hatten nicht zuletzt mit Ihrer Frisur und Ihrem weißen Schianzug ein Alleinstellungsmerkmal.


Bezüglich meines weißen Anzugeswird mir das niemand glauben, aber ich war der Erste im Schizirkus, der eine weiße Schihose gehabt hat. Alle haben gesagt, du spinnst, mit einer weißen Hose vor dem weißen Schnee kann dich keiner fotografieren, da sieht man dich nicht. Aber das Weiß vor einem blauen Hintergrund ist einfach bärig. Es war aber nicht leicht, weil ich immer ein bisschen belächelt wurde.

Und was hatte es mit Ihrer Frisur auf sich?

Ich hatte immer die gleiche. Mir gefällt sie gut und wenn es einem nicht gefällt, ist es mir eigentlich auch wurscht. Ich muss meinen Kopf herumtragen und nicht der andere. Meine Fellstiefel waren Mitte der 70er auch eine gute Sache.

Stellen Sie sich vor, Ihnen wären die Haare ausgegangen. Dann wäre ein Mythos zusammengebrochen. Und die Fellschuhe haben Sie kürzlich wieder ausgepackt …

Mit einem Pepi (Anm.: Toupet) würde ich nicht herumgehen. Und was die Fellschuhe betrifft, die trage ich einfach gern. Sie sind warm, was für die Weiberleut‘ auch gut ist, wenn sie schöne warme Füße haben. Zum ersten Mal getragen habe ich sie bei Schiaufnahmen, als ich durch den hohen Schnee gehen musste. Da waren sie perfekt. Seitdem haben Sie mich bei den meisten Fernsehsendungen begleitet. Die Fellschuhe und Hansi Hinterseer sind eigentlich eins.

Konnten Sie es eigentlich immer gut wegstecken, wenn Sie belächelt wurden?

Das muss man anders sehen. Wenn du als junger Mensch im Sport erfolgreich bist, hast du Schulterklopfer ebenso wie eifersüchtige Menschen, die fragen, was will der blonde Dackel da? Gewisse Erfahrungen formen dich und machen dich härter. Da ist der Sport sicher hilfreich gewesen, weil der Sieg und die Niederlage eng zusammenliegen. Wenn du in der Öffentlichkeit bist, gibt es Menschen, die auf deiner Seite stehen und andere, die dir ein blödes Image verpassen wollen. So ist das eben.

Fakt ist, Sie waren damals mit 19 Jahren nicht nur besonders erfolgreich, sondern auch ziemlich fesch. War Ihnen das bewusst?

Eigentlich nicht, ich war ein schüchterner Bergbauern-Bua (lacht).

Sie sind bei Ihren Großeltern Hans und Maria sowie Ihrer Tante Moidl auf der Seidlalm, gelegen auf der halben Strecke der Streif, aufgewachsen. Wie erging es Ihnen am Berg?

Aufzuwachsen wie ich, war der absolute Wahnsinn. Eigentlich haben wir nichts gehabt und doch alles. Wir sind als Familie zusammen gewesen, wir hatten 40 Stück Vieh, darunter zehn Rösser und 15 Kühe. Und im Winter bin ich mit den Schiern in die Schule gefahren. Manchmal bin ich zu spät zu den Tests gekommen, weil es um halb acht noch dunkel war und ich nicht fahren konnte. Aber die Schule war eh nicht meins, ich war lieber bei den Viechern am Berg.

Jack White, damals ein wichtiger Musikproduzent, hat sie im Jahr 1993 entdeckt, als Sie ihm ein
Geburtstagsständchen gesungen haben …


Er war ein paar Tage später bei mir und hat mir eine CD hingelegt. „Ich möcht‘ mit Dir ein Liedl machen“, hat er gesagt. Und ich meinte, bärig, aber das interessiert mich nicht. Da braucht es dann eine gute Partnerin wie meine Romana. Sie hat mir geholfen, und war immer diejenige, die mich im Hintergrund beschützt hat. Sie war es, die mich bestärkt und gemeint hat: Warum nicht, was hast du zu verlieren?

Ihre Frau schreibt immer wieder Texte für Sie …

Romana hat wirklich eine wunderbare Gabe, Texte für Melodien zu finden. Ich muss sie nur lassen. Wenn mir was gefällt, mach ich das Lied, so wie „Der Stoa“.

Das Lied ist auf Ihrem Jubiläumsalbum „Schön, dass es dich gibt“ zu finden. Welches Lied hat es Ihnen noch angetan?

Da gibt es eines, das ganz wichtig fürs Leben ist: „Glaub an Dich“ heißt es.

Ist es Ihnen stets gelungen, an sich zu glauben?

Sonst wäre ich nicht so weit gekommen. Wenn du am Start oben stehst und nicht selbst an dich glaubst, ist es gescheiter, du fährst mit der Gondel wieder obi.

Fahren Sie noch Schi?

Bei Schönwetter. Damit der weiße Anzug leuchtet.
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