Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 05/2024 vom 30.01.2024, Fotos: Judith M. Trölß, zvg
Artikel-Bild
Wolfgang Mehlig überlebte schwer verletzt
Artikel-Bild
Bei der Kaninchenzucht findet der Oberösterreicher Ruhe und Entspannung.
Artikel-Bild
Dieses Notfallkärtchen mit Anweisungen trägt Wolfgang Mehlig immer bei sich.
Artikel-Bild
Artikel-Bild
Die Erlöse der ersten Veranstaltung des Vereins Herzsymphonie im Mai dieses Jahres stellt Mehlig der Mobilen Kinderhilfe zur Verfügung.
„Das Autodach war bis zur Kopfstütze abgerissen“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Als er auf der Straße von einer Überholspur auf die Normalspur wechselte, verlor er bei einem Unfall fast sein Leben. Die Nachwirkungen zwangen Wolfgang Mehlig zwar, seinen Beruf aufzugeben, doch er fand einen neuen Sinn. Nun hilft er Menschen, die in Not sind.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Ich war viel unterwegs. Meine Reisetasche war immer gepackt“, erinnert sich Wolfgang Mehlig an seine Zeit als Außendienstmitarbeiter einer Grazer Firma für Sondermaschinenbau, bei der er seit dem Jahr 2010 beschäftigt war. 35 internationale Flüge, zahlreiche Bahnkilometer und 85.000 Kilometer mit dem Auto waren sein jährliches Reisepensum,bis zum September 2018.

Auf einer deutschen Autobahn unterwegs, führte ihn sein Weg zurück Richtung Heimat nach St. Konrad bei Gmunden (OÖ). „Vor der Abfahrt rief ich noch meine Frau an, um ihr meine ungefähre Ankunftszeit mitzuteilen“, erinnert sich der heute 50jährige.

Um etwa 16.00 Uhr wollte er zuhause sein. Doch an diesem Tag wartete seine Frau Dorothea vergebens.
Im Bereich zwischen Regensburg und Passau wechselte der Außendienstler mit seinem Peugeot 308 gegen 14.00 Uhr von der Überhol- auf die Normalspur, als die Katastrophe ihren Lauf nahm. „Aus unerklärlichen Gründen fuhr ich einem LKW vor mir von hinten auf. Das Autodach meines Kombis wurde bis zur Kopfstütze abgerissen. Dann war für mich alles schwarz und jegliche Erinnerung fehlt. Niemand dachte, dass aus diesem Auto noch jemand lebend herauskommen würde, aber irgendwo ist mein Kopf noch durchgegangen“, erzählt Mehlig mit ruhiger und bedachter Stimme.

Er konnte vier Monate nicht essen und nicht trinken

Der verheerende Aufprall verursachte multiple Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich. Das gesamte Mittelgesicht wurde vom Gesichtsschädel abgerissen. „Akut wurde ich zwei Mal operiert. Kiefer und Schädeldecke wurden verschraubt und geplattet. Die Augenbecken wurden vollkommen neu zementiert. Mein Augenstand ist dadurch um vier Millimeter verschoben. Auch wurde eine Schädelöffnung vorgenommen, damit das Mittelgesicht wieder mit dem Gesichtsschädel fixiert werden konnte. Daher habe ich eine Narbe quer über dem Stirnbereich“, erklärt der Verunglückte seine Verletzungen. Fünf weitere Operationen folgten.

Der Weg zurück ins Leben war steinig. „Ich war sondiert, konnte nicht essen und nicht einmal trinken. Nach vier Monaten war mir der erste Schluck Wasser möglich. Nach weiteren zwei Monaten schaffte ich erstmals pürierte Nahrung, mit Suppe aufgemischt.“
Erst nach neun Monaten kam Mehlig auf Reha ins Schädel-Hirn-Trauma-Zentrum in Wien. „Ich wollte aber unbedingt zurück ins Berufsleben, musste aber lernen zu akzeptieren, dass es nie mehr wieder so sein würde, wie es vor meinem Unfall war. Ich sehe zeitweise Doppelbilder. Jede neue Situation, Lärm und Reizüberflutungen lösen bei mir Stress aus. Ich bekomme einen Anfall und falle um. Ich habe Angst, dass Unvorhersehbares passiert und ich die Situation nicht mehr kontrollieren kann und die Sicherheit verliere“, erzählt der Ingenieur.

Er hätte sich nun für den Rest seines Lebens ganz seinem liebsten Hobby, der Kaninchenzucht, widmen können, aber Mehlig hatte einen anderen Plan. „Ich wollte wieder zu mir und einen Sinn im Leben finden, mein Leben lebenswert gestalten.“ So arbeitet er ehrenamtlich im Sozialmarkt in Gmunden. Er unterstützt mit seinem Organisationstalent die Ukraine-Hilfe in den Westkarpaten. An einem Tag in der Woche betreut die Familie einen sechsjährigen Buben. „Wir haben in einem Jahr den gesamten Prozess, um als Pflegeeltern agieren zu können, durchlaufen. Wichtig ist uns, die Mutter zu entlasten und das Kind zu unterstützen.“
Und er hat den Verein Herzsymphonie gegründet. „So gut es geht, geben wir unsere Erfahrungen weiter. Wir wollen Unterstützung in allen Richtungen liefern. Vor allem bieten wir Zeit. Materielle Hilfe bei Schicksalsschlägen ist ein weiterer Punkt, dem sich der Verein widmet“, erklärt Mehlig die Vereinstätigkeiten.

Geplant sind Kulturveranstaltungen, um die Vereinskasse zu füllen und es jenen, die Hilfe benötigen, zur Verfügung zu stellen. Die erste Veranstaltung, zu der der Kabarettist Christoph Fritz geladen ist, findet am 3. Mai 2024 im Kulturstadl Gut Haberhaide in Laakirchen (OÖ) statt (www.herzsymphonie.at).

Der gesamte Erlös kommt der Mobilen Kinderhilfe in OÖ zugute. Wer unterstützendes Mitglied dieses Vereines werden möchte, erhält weitere Infos nach Anfrage via Mail: info@herzsymphonie.at.

Auf die Frage, wie Wolfgang Mehlig nun auf sein Leben blickt, sagt er in seiner ruhigen und sympathischen Art: „Erfüllter und dankbarer als früher, weil ich jetzt machen kann, was ich schon immer wollte. Hilfe dort leisten, wo sie gebraucht wird.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung