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Ausgabe Nr. 04/2024 vom 23.01.2024, Fotos: Cynthia Vice Acosta/Kauck
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V. re.: Karen Garcia mit Javy, Zophia, Alex und Ehemann Javier; Bi. re.: Brian Thompson (li.) mit seinen Kollegen.
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Rettung für die Mutter, Frühstück für die Kinder
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Feuerwehrmänner müssen flexibel sein. Das bewies Brian Thompson, als er mit seinen Kollegen beim Haus der hochschwangeren Karen Garcia eintraf, die kollabiert in ihrem Badezimmer lag. Nachdem der Ersthelfer die 33jährige mit der Routine von 20 Einsatzjahren stabilisiert hatte, versorgte Thompson auch noch ihre drei kleinen Kinder.
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Mir war speiübel. Als ich Licht machte, begann sich der Raum schnell um mich zu drehen. Es war schrecklich. So schlimm war es noch nie“, erinnert sich Karen Garcia an den frühen Morgen des 19. Oktober des vergangenen Jahres.
In fünf Wochen sollte ihr viertes Kind zur Welt kommen. Sie versuchte,aus dem Bett zu klettern, landete aber auf der Matte davor. Auf den Knien kroch sie ins Badezimmer. Dort blieb es stockfinster, weil sie den Lichtschalter nicht erreichte. „Nun rief ich in meiner Verzweiflung nach meinen Kindern.“ Als die elf Jahre alte Zophia ihre hilflose Mutter sah, wählte sie den Notruf.Ihre Brüder Javy, 9, und Alex, 8, hielten Mamas Hände.

„Bitte kommen Sie schnell. Unserer Mutter ist etwas passiert. Sie ist wie gelähmt“, rief eine Mädchenstimme aufgeregt aus dem Hörer der Notrufzentrale. Kurz vor dem Ende seiner Nachtschicht wurde der Feuerwehrmann Brian Thompson von dem Notfall informiert. Mit dreien seiner Männer sprang der 54jährige in den Wagen und raste zu dem Haus am Stadtrand von Los Banos, etwa eine Autostunde von Los Angeles (Kalifornien, USA) entfernt, aus dem der Anruf lokalisiert wurde.

„Die Frau war hochschwanger, lag verkrampft am Boden“, erinnert sich Thompson an das Bild, das sich ihm beim Eintreffen bot. „Sie hatte sich erbrochen, stöhnte, konnte nicht aufstehen, weil sie ständig starke Schwindelanfälle hatte. Das Mädchen und deren zwei jüngere Brüder standen weinend um sie herum.“

„Mama macht uns immer Frühstück“, sagte der Jüngste.

Thompson richtete die 33jährige in sitzende Position auf, lehnte sie an die Wand und eilte in die Küche, während ein anderer einen Rettungswagen anforderte. Mit einem Glas Wasser in der Hand kehrte der Feuerwehrmann zurück. Langsam trank sie es und fühlte sich „ein klein bisschen besser“, wie sie sagte. Sie erzählte den Ersthelfern, dass ihr Ehemann Javier das Haus am Montag verlassen hatte, um zur Arbeit zu fahren. Er ist im drei Stunden entfernten San Francisco als Maurer beschäftigt und kommt nur an den Wochenenden heim.

„Holt Polster aus dem Schlafzimmer“, bat Thompson seine Kollegen. Sie schleppten einen Stapel an, den sie unter Garcias Beine schoben, so dass sie höher lagen. Dann griff Thompson in seine Tasche und zog einen Apfel heraus. „Beißen Sie kräftig hinein, das wird Ihnen helfen.“
Im Gegensatz zu ihren ersten drei Geburten hatte die Mutter während ihrer erneuten Schwangerschaft häufig Anfälle gehabt. „Je näher der Geburtstermin kam, desto heftiger erwischte es mich“, erzählte Garcia den eintreffenden Sanitätern, die sie ins Memorial Spital von Los Banos transportierten.

Inzwischen war es 7.00 Uhr geworden. In zwanzig Jahren bei der Feuerwehr hat Brian Thompson Menschen aus brennenden Häusern gerettet, Waldbrände gelöscht und Opfern von Unfällen Erste Hilfe geleistet. Doch was nun auf ihn zukam, war auch für den erfahrenen Feuerwehrmann ungewöhnlich.

„Ich sah in den Augen der Kinder, dass sie Angst um ihre Mutter hatten. Bis ihr Onkel Joe eintreffen würde, den Zophia alarmiert hatte, würde eine Stunde vergehen. Er lebt in Gilroy, einer anderen Stadt. Ich dachte also, das Beste sei, die Bande abzulenken, während sie auf den Onkel wartete“, erinnert er sich.

„Was tut Ihr normalerweise um diese Zeit?“, fragte er. Die drei sahen einander an. „Mama macht uns immer Frühstück“, sagte Alex, der Jüngste, schließlich zaghaft. „Und fährt uns dann in die Schule“, fügte Javy hinzu. „Hm, schauen wir, was wir hier haben“, brummte der gutherzige Feuerwehrmann und öffnete den Kühlschrank. Dann bereitete er den Kindern ein Frühstück zu, so gut er konnte. „Sie halfen mir fleißig dabei“, erzählt er schmunzelnd.

Zu Weihnachten gab es einen Kuchen für die Feuerwache

„Sie zeigten mir den Toaster, brachten Brot, Butter, Zucker und Zimt.“ Bald zog der Duft von geröstetem Brot und Zimt durchs Haus. „Ein Frühstück von der Feuerwehr schien ihre Sorgen zu vertreiben“, freute sich Thompson. „Sie begannen sogar, uns ihr Spielzeug zu zeigen.“ So nahmen sich die Florianijünger der Kinder an, bis deren Onkel Joe eintraf.

Noch am selben Abend gegen 18.00 Uhr war Karen Garcia wieder zuhause. Dem Feuerwehrmann, der ihren Kindern das Frühstück zubereitete und seinen Kollegen hat sie zu Weihnachten einen Kuchen gebacken.

Ihre Kinder brachten ihn zur Feuerwache. „Danke“, sagte Brian Thompson erfreut.
„Ich habe doch nur getan, was ein Vater in einem solchen Augenblick zu tun hat. Und es gab mir Gelegenheit, meinen jüngeren Kollegen etwas Wichtiges mitzugeben: ‚Lasst euer Herz nicht zuhause, wenn ihr zur Arbeit geht.‘“
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