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Ausgabe Nr. 04/2024 vom 23.01.2024, Fotos: picturedesk.com, Cynthia Vice Acousta/Kauck
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Neil Diamond, 82
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Diamond mit seiner dritten Frau McNeil
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Diamond bewohnt ein schönes Haus an der amerikanischen Westküste.
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Feudales Schlafzimmer.
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Wohnzimmer stets ein herrlicher Blick auf den Pazifik.
„Herr Einsam“ kämpft mit Parkinson
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Er hat zahlreiche wunderschöne Lieder geschrieben, geprägt von Einsamkeit und Traurigkeit, die er in seinem Leben erfuhr. Dass er seine Karriere aufgrund einer Parkinson-Erkrankung beenden musste, reiht sich für den amerikanischen Sänger Neil Diamond, 82, nahtlos in seine Lebensgeschichte ein.
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Er hatte sich noch einmal den dunklen Glitzeranzug angezogen, den er oft auf der Bühne getragen hat, und ließ sich sein grau gewordenes Haupthaar richten. Neben ihm saß seine blonde Frau Katie in einem mit Musiksymbolen dekorierten Kleid.

Am 4. Dezember 2022 war der amerikanische Sänger Neil Diamond mit seiner Frau als Ehrengast zur Premiere des Musicals „A Beautiful Noise“ ins New Yorker Broadhurst Theatre gekommen. Das Musikstück (das immer noch gezeigt wird) erzählt das Leben und Wirken der Gesangsgröße, begleitet von dessen beliebtesten Liedern. Es ist nach Diamonds Album aus dem Jahr 1976 benannt. Alle Augen richteten sich auf die Loge mit dem König der Liebeslieder.

Die Zuschauer wussten, dass er an Parkinson erkrankt war, einem Leiden des Nervensystems, das großes Zittern hervorruft. Zur allgemeinen Überraschung erhob sich der berühmte Künstler plötzlich aus seinem Sessel und ging kraftvoll auf die Bühne.

Die Zuschauer weinten, als Diamond ein letztes Mal sang.

Dann erfüllte die bekannte, bebende Stimme den Saal mit dem Ohrwurm „Sweet Caroline“, Diamonds Werk, das international zur Stadion-Hymne wurde. Das Publikum sang im Chor mit. Männer versuchten, ihre Rührung zu verbergen, Frauen weinten.

Es war das letzte Mal, dass Neil Diamond, der am 24. Jänner 1941 in New York (USA) geboren wurde, aufgetreten ist. Er hat sich zurückgezogen in sein Haus in Malibu (US-Staat Kalifornien), hoch über dem Pazifik. Sein Abschied von der Bühne war hoch emotional. „Mit großem Widerwillen und Enttäuschung kündige ich an, dass ich keine Konzerte mehr geben werde. Es war mir eine große Ehre, meine Shows der Öffentlichkeit zugänglich machen zu dürfen.“

Es schien der Abschied von einem Mann zu sein, dessen Leben oft von Traurigkeit und Einsamkeit überschattet war und der über seine Gefühle reihenweise Hits schrieb und sang: „Cracklin‘ Rosie“, „Song Sung Blue“, „I‘ve Been This Way Before“, „If You Know What I Mean“, „Desirée“, „America“, „Yesterday‘s Songs“ und viele mehr. Manche Lieder wurden von anderen Musikgrößen wie Frank Sinatra, Elvis Presley und Harry Belafonte übernommen.

Bei so viel Schmerz ist es kein Wunder, dass Musikkritiker Neil Diamond „Mr. Lonely“ (Herr Einsam) tauften. Wenn er auf der Bühne stand, berichtete er gern, während im Hintergrund leise Musik perlte, von seiner Jugend als Sohn eines jüdischen Gemischtwarenhändlers im New Yorker Stadtteil Brooklyn. In seiner Freizeit musste er im Laden helfen.

„Als ich sechzehn Jahre alt war, schenkte mir mein Vater eine gebrauchte Gitarre. Doch als ich Musiker werden wollte, war er überhaupt nicht angetan.“
Der Sohn ließ sich seine Träume nicht nehmen, sang im Schul-Chor, unter anderem mit einem Mädchen namens Barbra Streisand, und er verfasste romantische Schnulzen, die aber in einer Schublade landeten.

Dem väterlichem Rat folgend, begann Diamond ein Medizinstudium, warf es jedoch bald wieder hin, weil er von Musikklängen, die in seinem Kopf herumschwirrten, abgelenkt wurde. „Während die Lehrer sprachen, komponierte ich. Ich tat dies auch in der U-Bahn, auf dem Weg zur Uni“, erinnert sich der Künstler.

„Danach begannen fünf chaotische Jahre“, erzählt Diamond. „Ich hielt mich für einen totalen Versager. Mein Kopf war voll mit Musik, aber niemand wollte sie hören. Ich spielte für jeden, der mir ein paar Dollar zahlte: in Bars, Schi-Hütten und Bowling-Zentren und lebte von der Hand in den Mund.“
Im Alter von 25 Jahren trat dann der lang erhoffte Erfolg ein. In der U-Bahn hatte er noch Zeilen auf ein Stück Papier gekritzelt: „Baby loves me. Yes, yes, she does … She got the way, to move me, Cherry.“
Und mit diesem „Cherry Cherry“ gelang ihm der Durchbruch. Plötzlich konnte er nicht mehr schnell genug Musik liefern. Es folgte „Solitary Man“ und dann „Sweet Caroline“.
„Dieses Lied haute ich in ein paar Stunden herunter“, erzählt der bald 83jährige. „Es ist mein am schnellsten geschriebenes Lied. Normalerweise kommen Lieder nicht so rasch, sondern es gibt eine Menge Arbeit mit Zähneknirschen und Qual.“

Dass beim Entstehen vieler Hits Diamonds Pech in der Liebe eine große Rolle spielte, gibt er zu. Seine ersten beiden Hits komponierte er während einer Ehekrise. Im Jahr 1963 hatte er seine Jugendliebe Jayne Posner geheiratet. Sie gebar ihm seine Töchter Marjorie und Elyn, doch es war keine gute Ehe. Dies erklärte er mit den häufigen, langen Trennungen. „Jahrelang hatte ich Tag und Nacht geschrieben und im Studio geschwitzt. Ich war nonstop auf Tournee. Immer wieder musste ich zu meinen Kindern ‚Auf Wiedersehen‘ sagen. Den Schmerz dabei nahm ich mit auf die Reise.“

Seiner zweiten Frau schenkte Diamond drei Häuser

Im Jahr 1969 wurde er von Posner geschieden. Wie sich später herausstellte, hatte er noch während seiner Ehe ein Verhältnis mit einer anderen Frau. Fünf Monate nach seiner Scheidung ging er mit der damals 25 Jahre alten Fernseh-Produzentin Marcia Murphey aufs Standesamt.

Diamond versprach sich selbst, in seiner neuen Ehe nicht dieselben Fehler zu begehen, und lange sah es so aus, als würde er durchhalten. „Ich wollte meiner Familie Schmerzen vermeiden.“ Murphey schenkte ihm die Söhne Jesse und Micah, um die sich der Musiker rührend kümmerte. Er liebte die Kinder so sehr, dass er Musik-Tourneen aufgab. Ein paar Jahre lang blieb er zuhause. Dann lockte ihn die Versuchung des Zuschauerapplauses wieder auf die Bühne und er ging wieder auf Tournee. Dadurch entfremdete er sich auch von seiner zweiten Frau. Im Jahr 1995 gingen sie für immer auseinander. „Ich habe ihr alle meine Häuser gegeben.“ Es sollen drei gewesen sein.

In den folgenden 17 Jahren blieb sein Bett nicht immer leer, doch wieder geheiratet hat er erst 2012. Seine dritte Frau ist die um 29 Jahre jüngere Video-Produzentin Katie McNeil. Ihr widmete er zahlreiche Lieder, so auch „The Art Of Love“.
Sie haben keinen eigenen Nachwuchs, aber McNeil wurde eine gute Stiefmutter für Diamonds vier Kinder aus seinen ersten Ehen. Die 54jährige ist Diamonds Muse und Managerin, sie beseelt seine Werke.

„Endlich bin ich ein glücklicher Mann“, sagte er. „Ich habe mein ganzes Leben lang darauf gewartet.“
Seine Frau sorgt heute dafür, dass der Parkinson-Patient seine Medizin regelmäßig nimmt und keine Therapiestunden auslässt. Ihr großes Haus am Pacific Coast Highway in Malibu haben sie im Jahr 2016 für etwa sieben Millionen Euro erworben. Sie haben fünf Schlafzimmer.
Als ihm sein Arzt eröffnete, dass er Parkinson hat, habe er dies nicht akzeptieren wollen, sagt der kranke Sänger. Inzwischen habe er sich damit abgefunden, so Diamond. „Es ist Gottes Wille, und ich mache das Beste daraus. Das Leben und die Musik gehen weiter – sicher auch noch, wenn ich nicht mehr da bin.“
Kauck
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