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Ausgabe Nr. 04/2024 vom 23.01.2024, Fotos: picturedesk.com
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Die einzige Schiflugschanze, die in den Berg hineingebaut wurde.
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Rekordler Kraft und Goldberger.
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Abflug zur Weitenjagd
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Kein Mensch flog bisher ohne technische Hilfsmittel weiter als über Stefan Krafts, 30, Rekordmarke von 253,5 Meter aus dem Jahr 2017. Nun visiert er bei der Schiflug-WM am Kulm (Stmk.) Gold an. Der Weltverband FIS will künftig sogar Rekorde bis 300 Meter ermöglichen.
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Am 18. März 2017 hielt die Sportwelt den Atem an, Stefan Kraft, 30, landete in Vikersund (Norwegen) bei 253,5 Metern.
„Ich war nach diesem Sprung komplett aus dem Häuschen, erlebte einen unglaublichen Adrenalinschub“, erinnert sich Kraft lächelnd an seine Bestleistung im Schifliegen, die ihm einen Eintrag in die Rekordbücher brachte.

Sich gegen Wind und Schwerkraft einen Berg talwärts zu stürzen, verlangt den Springern eine große Überwindung ab. „Jedes Mal spüre ich vor einem Schiflugbewerb aufs Neue ein wenig Beklemmung“, gibt Kraft auch vor der Weltmeisterschaft am Kulm in Bad Mitterndorf (Stmk., 25.1. bis 28.1.) zu, wo am Freitag und Samstag der Einzelbewerb und am Sonntag der Teambewerb ausgetragen werden.

Laut Reglement wird dann vom Schifliegen gesprochen, wenn die Größe der Schanze ein sicheres Landen bei Weiten jenseits der 185 Meter möglich macht. „Davor ist jeder Athlet aufgeregt und schläft schlecht“, erklärt Andreas Goldberger, 51, einst selbst Weltrekordler, die Besonderheit dieser Disziplin.

„In der Anlaufspur bist du um rund zehn km/h schneller als auf der Normalschanze und es wirken höhere Luftkräfte auf den Körper. Außerdem kann der Sportler Schifliegen nicht trainieren, weil die Anlagen nur für die Bewerbe hergerichtet werden, während die Gefahr parallel steigt. Ein unbedeutender kleiner Fehler auf einer Sprungschanze kann dich am Kulm einen Salto schlagen lassen.“

Expertengruppe wurde eingesetzt

Rund sieben Jahre lang besteht der Weltrekord, weil der Weltverband FIS bezüglich der Vorgaben aus Sicherheitsgründen auf der Bremse stand. „Das wird sich nun ändern“, erklärte Renndirektor Sandro Pertile, 55, schon vor dem Jahreswechsel. „Wir haben dazu eine Expertengruppe im Verband installiert und wollen im nächsten Schritt durch Erweiterung der technischen Vorgaben eine Steigerung auf bis zu 270 Meter anvisieren.“ Vor allem auf den beiden größten Schanzen der Welt in Vikersund und Planica (Slowenien) sollen dies bauliche Veränderungen ermöglichen, in Planica laut Veranstalter schon heuer. „260 oder 270 Meter können wir dann sicher fliegen“, freut sich Kraft darauf. „Ich hoffe, dass es möglichst bald mit den größeren Anlagen soweit ist, denn ich will bei der Weitenjagd selbst mitmischen.“

Der ehemalige deutsche Olympiasieger Martin Schmitt hält selbst Weiten bis 300 Meter für möglich. „Wenn es die entsprechenden Schanzen gibt, können die Athleten sicher auch derart weite Flüge stehen“, glaubt er. Noch weiter gehen Wissenschaftler des Instituts für angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig (D), für die laut ihren Berechnungen sogar Flüge bis 500 Meter theoretisch machbar sind.

Derzeit ist die WM-Schanze am Kulm die einzige in den Berg gebaute Naturanlage unter den Schifluganlagen, ein Ausbau wird erwogen. „In Zukunft wäre eine Erweiterung möglich, der Umbau muss aber noch finanziert werden“, verrät Mario Stecher, 46, Nordischer Direktor im heimischen Schiverband. Der Rekord am Kulm liegt bei 244 Metern und wird seit 2016 vom Slowenen Peter Prevc, 31, gehalten. „Theoretisch könnte jetzt bei der WM der Weltrekord von Stefan fallen“, erklärt Kulm-Organisator Christoph Prüller, 40. „Dazu müsste von der Sonne bis zum Wind und der Form des Athleten alles perfekt passen.“
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