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Ausgabe Nr. 04/2024 vom 23.01.2024, Fotos: AdobeStock
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Quelle: Sozialministerium, PVA, Grafik: ÖGB
Gleiches Recht für alle
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Der Ruhestand ab 60 ist für Frauen Geschichte. Ab 2033 ist das Pensionsalter für alle gleich. Aber schon jetzt haben nur sieben von zehn Frauen vor der Pension einen Arbeitsplatz.
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Der Kanzler hieß Franz Vranitzky (SPÖ), sein Vize war Erhard Busek (ÖVP), als die große Koalition im Jahr 1992 das Ende des unterschiedlichen Pensionsalters für Frauen und Männer beschloss. Es war eine notwendige Gesetzes-Reparatur. Der Verfassungsgerichtshof hatte schon Jahre zuvor die „Frauen-Bevorzugung“ aufgehoben.

Die „besondere Belastung“ vieler Frauen durch „die Haushaltsführung und Obsorge für Kinder“ sei kein Grund für ein niedrigeres Pensionsalter, urteilten die Verfassungsrichter. Es sei „kein geeignetes Mittel, um den Unterschieden in der gesellschaftlichen Rolle der Frauen und Männer angemessen Rechnung zu tragen.“

Mehr als drei Jahrzehnte später ist es jetzt soweit. Ab heuer steigt das Ruhestands-Alter für Frauen schrittweise an. Für all jene, die ab dem 1. Juli 1968 geboren sind, gilt: gleiches Recht für alle. Das gesetzliche Pensionsalter liegt ab 2033 für Männer und Frauen bei 65 Jahren.

Das kann sich rechnen. Vor allem durch Jahre der Kindererziehung und Teilzeitarbeit sind Frauenpensionen deutlich niedriger. Sie betragen im Schnitt 1.218 Euro brutto im Monat, bei Männern sind es 2.012 Euro. Arbeiten Frauen bis 65, bringt das monatlich im Schnitt 240 Euro mehr Brutto-Pension.

Ob etliche so lange durchhalten, bezweifelt die Gewerk-
schaft. „Viele Frauen haben schon Schwierigkeiten, bis zum 60. Lebensjahr zu arbeiten, weil die körperliche Be-
lastung etwa in der Pflege oder in der Reinigung so hoch ist“, sagt die Frauenvorsitzende Korinna Schumann
vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). „Wie soll sich da ein Arbeiten bis 65 ausgehen?“

Es brauche „Verbesserungen bei der Schwerarbeitspension, die einen früheren Pensionsantritt ermöglicht“, ist sie überzeugt. „Uns ärgert, dass der Stichtag für die Anhebung des Frauen-Pensionsalters seit Jahren bekannt ist, die Bundesregierung es aber trotzdem verschlafen hat – oder es ist den Damen und Herren auf der Regierungsbank schlicht egal.“

Nur sieben von zehn Frauen wechseln direkt von ihrem Arbeitsplatz in die Pension. Der Rest ist arbeitslos oder bezieht andere Unterstützungen. Bei den Männern ist die Beschäftigungsquote vor dem Ruhestand deutlich höher.

Frauen bekommen deutlich mehr Pension pro einbezahltem Euro.

„Der Druck auf die Frauen verschärft sich, weil sich viele in die Altersteilzeit retten, die man fünf Jahre vor dem Regelpensionsalter antreten kann“, warnt Korinna Schumann.Die Gefahr sei, „dass Frauen länger arbeitslos bleiben, bis sie dann endlich in Pension gehen können, weil es generell schwierig ist, für ältere Arbeitssuchende eine neue Arbeit zu finden.“ Das bedeute finanzielle Einbußen.

Insgesamt werden Frauen aber nicht vom Pensionssystem benachteiligt, hat eine Forscherin des wirtschaftsnahen Institutes „Agenda Austria“ berechnet. Für jeden Euro, den sie in das System einzahlen, bekommen sie 2,67 Euro zurück. Bei Männern sind es 1,40 Euro, das zeigen Daten aus dem Jahr 2015. „Frauen bekommen also deutlich mehr Pension pro einbezahltem Euro“, zieht die Wissenschaftlerin Bilanz.

Schon jetzt arbeiten Frauen im Schnitt länger, als sie müssten.

Dank der erfreulicherweise gestiegenen Lebenserwartung werden Frauen, trotz des höheren Pensionsalters, im Jahr 2060 fast 30 Jahre lang im Ruhestand sein. Für Männer werden 25 Pensionsjahre prognostiziert.

Schon jetzt arbeiten Frauen durchschnittlich länger, als sie müssten. Laut Pensionsversicherungsanstalt treten sie ihre Alterspension, also wenn sie nicht frühzeitig etwa wegen Krankheit ausscheiden, mit 60,6 Jahren an. Männer hingegen gehen mit 63,2 Jahren in den Ruhestand.

Für Beamtinnen gilt schon das gleiche Pensionsalter wie für ihre männlichen Kollegen. „Das gesetzliche Pensionsalter ist seit Oktober 2017 für alle im öffentlichen Dienst gleich“, wird im Beamten-Ministerium erklärt.

Der tatsächliche Pensionsantritt der Frauen liegt dort mit 63,4 Jahren über jenem der Männer (62,5). „Erklären lässt sich das insbesondere damit, dass die Schwerarbeitspensionen öfter in ,männerdominierten‘ Bereichen wie der Polizei in Anspruch genommen werden.“
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