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Ausgabe Nr. 04/2023 vom 24.01.2023, Foto: PhotoSG - stock.adobe.com
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Der Abbau von Torf schadet der Umwelt.
Der Torf sollte im Moor bleiben
Ich habe beinahe 40 Jahre Gärtner-Erfahrung und so manchen Trend kommen und gehen sehen. Aufgrund meiner Arbeit entstand die Überzeugung zur Anwendung biologischer Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie für das Gärtnern im Einklang mit der Natur. In diesem Zusammenhang möchte ich auf torffreie Erden hinweisen und warum vegane Dünger dem natürlichen Kreislauf widersprechen.
Torffreie Erden werden immer häufiger angepriesen und als äußerst umweltfreundlich bezeichnet. Was steckt dahinter und sind die neuen Produkte besser als Torferden? Eines vorweg, Torf ist in vielerlei Hinsicht der beste Ausgangsstoff für gärtnerische Erden. Er besteht zu 100 Prozent aus organischen Stoffen, ist strukturstabil, speichert Wasser, ist auch im angefeuchteten Zustand nicht schwer und im Grunde genommen ein biologisches Produkt, das direkt aus der Natur kommt. Genau der letzte Punkt ist das Problem.

Trockene Moore sind eine Katastrophe
Um Torf abbauen zu können, müssen Moore vorher trockengelegt werden. Durch diesen Prozess verändert sich die gesamte Ökologie einer Moorlandschaft und der natürliche Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten wird zerstört.
Der Vollständigkeit halber möchte ich jedoch erwähnen, dass die landwirtschaftlichen Flächen der Niederlande, Belgiens und Norddeutschlands allesamt Moorlandschaften waren. Durch das Entwässern wird das klimaschädliche Gas Methan freigesetzt und das Verrotten des Torfs wird enorm beschleunigt, was wiederum die CO2-Bildung fördert. Leider wird Torf nicht nur für Erden verwendet, sondern in großen Mengen für medizinische Zwecke in Kur- und Heilanstalten Am schlimmsten finde ich allerdings, dass große Mengen Torf für die Stromerzeugung in kalorischen Kraftwerken verbrannt werden.
In den baltischen Ländern, in Finnland oder Irland ist das langjährige Praxis und wird im Zuge der Gasknappheit noch forciert. In diesem Kontext macht die gärtnerische Nutzung nur einen geringen Teil aus.
Was sind nun die Alternativen zum Torf, die sogenannten Torf-Ersatzstoffe. Zunächst fällt der Kompost ein. Grünschnitt, Bio-Abfall und Materialien aus den Kompostieranlagen werden zu Erden verarbeitet. Diese Komposte sind in Erden allerdings nur als Zuschlagstoffe geeignet und können unverdünnt kaum verwendet werden. Reine Kompostsubstrate sind schwer, der Salzgehalt ist meist zu hoch und der für Pflanzen so wichtige pH-Wert schwankt stark.

Alternativen zu Torf sind bedenklich
Komposte finden auch in Torf-reduzierten Erden Anwendung und sind dort auch nützlich. Ein weiterer Torfersatz ist Holzfaser. Grundsätzlich ist das ein guter Ausgangsstoff für Erden, aber ökologisch ebenfalls nicht ganz unbedenklich. Die Faser-Struktur wird mit heißem Dampf erzeugt, danach werden die Fasern gefärbt und mit Stickstoff stabilisiert. Weiters ist das Holz selbst keine unerschöpfliche Ressource und der Abbau verändert Ökosysteme. Ein weiterer Torfersatzstoff wird aus Kokosfasern hergestellt, diese sind aus bekannten Gründen keine Option für mich.

Meister-Gärtner Johannes Käfer ist bekannt als Ratgeber in Fernseh-Sendungen und als Buch-Autor. In erster Linie betreibt er mit seiner Frau Claudia eine Gärtnerei in Gresten (NÖ). Er ist erreichbar unter www.blumenkaefer.at.
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