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Ausgabe Nr. 04/2023 vom 24.01.2023, Foto: instagram
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Weltranglisten-Erste Iga Świątek, 21, aus Polen.
Die Tennis-Königin liebt Katzen und Mathe
Seit fünf Jahren ist der Damentennis-Thron ein „Schleudersitz“, neun Spielerinnen standen seither an der Weltspitze. Doch die neue „Königin“ Iga Świątek, 21, aus Polen könnte laut Experten dem Damentennis auf Jahre ihren Stempel aufdrücken. Reich wurde sie schon.
Bevor Iga Świątek, 21, den Tennisplatz betritt, packt sie stets ihre Rechenbücher aus. „Ich liebe Mathematik, aber auch Sudokus und Kreuzworträtsel, sie nehmen mir vorm Spiel den Stress“, verrät die junge Polin.
Und ihre Psychologin Daria Abramowicz, 35, misst seit Jahren mit einem um Świateks Hals hängenden Gerät deren Herzfrequenz und Gehirnaktivität, um Stress rasch zu erkennen und zu senken. „Mein Ziel ist, aus Iga einen glücklichen und ausgeglichenen Menschen zu machen“, betont die Mentaltrainerin. „Deshalb gab ich ihr kürzlich ein Buch über das Schicksal von Lady Di zu lesen, um ihr zu zeigen, welche Tücken plötzlicher Ruhm in sich bergen kann.“

Denn Świąteks Ruhm ist groß und kam plötzlich. Als unbekannte Spielerin fegte sie 2020 als 19jährige wie ein Wirbelwind durch die French Open in Paris (Frankreich), um diese sensationell ohne Satzverlust zu gewinnen. Mittlerweile hat die Polin drei Grand-Slam- und elf WTA-Turniersiege auf dem Konto, führt seit 42 Wochen die Weltrangliste an und wird dort auch trotz mancher Schwächephasen wie jetzt in Australien nach ihrem unerwarteten Achtelfinal-Aus, noch lange verharren, da sie doppelt soviele Punkte aufweist wie ihre erste Verfolgerin. Zudem wurde sie zu Europas Sportlerin des Jahres 2022 gewählt. „Iga verfügt über ein unglaubliches Potenzial, schnelle, druckvolle Schläge und wird sicher locker zehn Grand-Slam-Turniere gewinnen“, prognostiziert die US-Tennis-Legende John McEnroe, 63. Er hofft auf ein Ende des ständigen Kommens und Gehens an der Weltranglisten-Spitze. „Unser Sport braucht große Namen, die dem Publikum erhalten bleiben. Ich denke, bei Iga wird das der Fall sein.“

Świątek, deren Name „Schwjontek“ ausgesprochen wird, nennt als Vorbild auf dem Tennisplatz den Spanier Rafael Nadal, 36. „Er ist ein Tenniskrieger, kämpft immer bis zum Schluss und hat eine herrliche Energie“, schwärmt sie. „Ich habe auch versucht, seine Spielweise mit dem starken hohen Topspin in mein Spiel einzubauen.“ Die Tennisspielerin unterhält auch eine „Fernfreundschaft“ mit der amerikanischen Schi-Heldin Mikaela Shiffrin, 27. „Wir schreiben uns oft, haben uns jedoch noch nie getroffen“, meint die Polin. „Jede hat die andere zuletzt eingeladen, es fehlen aber noch die Termine.“

Świąteks sportlichem Erfolg folgte zuletzt auch großer Reichtum. Binnen eines einzigen Jahres stieg die blutjunge Dame dank Preisgeld und Sponsorenverträge mit Nobelmarken wie Dior, Tiffany & Co, oder Porsche mit einem geschätzten Vermögen von 20 Millionen Euro unter die 50 reichsten Polinnen auf. Noch aber pfeift die bescheidene Filzball-Artistin auf schnelle Rennautos und pompöse Villen, wie sie bei der Legende Serena Willams, 41, unverzichtbar waren.

„Mir bedeutet Luxus nichts“, behauptet sie, die aus dem kleinen polnischen 7.000-Einwohner-Ort Raszyn stammt. „Wir haben dort ein Einfamilienhaus, in dem ich immer noch mit meinem Vater Tomasz, meiner Schwester Agata und meiner Mutter Dorota lebe und ein eigenes Zimmer bewohne“, erzählt sie.

Sie ist in keiner Beziehung, im tiefsten Innersten eigentlich noch ein Kind geblieben, kann meisterhaft jonglieren und veröffentlichte Videos, in denen sie im Einhornkostüm auf dem Balkon Bälle gegen die Wand drischt. Überdies ist sie eine leidenschaftliche Tierliebhaberin. „Ich besitze eine kleine schwarze Katze namens ,Grappa‘, eines Tages möchte ich noch mehr Katzen haben“, gibt Świątek zu, die von sich selbst behauptet, anders zu sein als ihre Altersgenossinnen.

Lieber alte Hits als modernen Klang
„Ich gehe nicht gerne auf Partys, Alkohol darf ich ohnehin nicht trinken“, verrät sie. Dazu passt, dass sie lieber die Musik alter 60er Jahre Rockbands wie „Pink Floyd“, Santana oder der „Red Hot Chili Peppers“ hört als aktuelle Radio-Hits. „Auf den Turnierreisen habe ich als Kind meistens die Musik meiner Trainer gehört und blieb der älteren Musik bis heute verbunden.“

Während sie zu ihrem Vater Tomasz, 58, einem ehemaligen Ruderer, in enger Beziehung steht, ist das Verhältnis zur Mutter Dorota, 54, einer Kieferchirurgin, in den vergangenen Jahren stark abgekühlt. „Wir haben ein eher distanziertes Verhältnis und ich gratuliere ihr zu Turniersiegen per E-Mail“, zeichnet die Mutter, die nie im Tennisstadion anzutreffen ist, das Bild einer Beziehung mit geringer Nähe. „Aber Iga ist heute eine erwachsene junge Frau, die niemanden braucht, um ihr Händchen zu halten.“
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