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Ausgabe Nr. 04/2023 vom 24.01.2023, Foto: Universal Music
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Die 52jährige Norwegerin ist erstmals solo auf Tournee.
Ihr Mann muss zu Hause bleiben
Die in Oslo geborene und nach einem Nomadenleben nun mit Mann und Sohn wieder in der norwegischen Hauptstadt lebende Rebekka Bakken ist eine Künstlerin, wie es nur wenige gibt.
Die vielseitigen Lieder und die betörend dunkle, einmal sanfte, dann wieder freche Stimme der Musikerin stechen heraus. Es wundert also nicht, dass die 52jährige seit einem Vierteljahrhundert ein regelmäßiger Gast in den Konzerthallen ist. Nun ist Bakken, die im April zudem ihr neues Coveralbum „Always On My Mind“ veröffentlichen wird, erstmals ganz alleine, ohne Band, auf Tournee (am 6. Mai in Imst, Tirol) – dabei hat sie nur ihr Piano und eventuell ein paar Fläschchen Eierlikör, wie sie im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt.

Frau Bakken, wie verlief Ihr Jahreswechsel?
Richtig schön war‘s. Die Weihnachtszeit ist bei uns im Norden längst nicht so besinnlich, wir haben ein paar richtig zünftige Partys gefeiert. Aber nun ist es auch genug. Es ist Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen.

Was gibt es denn auf norwegischen Weihnachtsfeiern zu trinken?
Kurz gesagt: alles. Ich habe dieses Jahr wieder meinen Eierlikör gemacht und überallhin mitgenommen. Der kommt immer super an, aber er ist auch richtig, richtig gut. Das Entscheidende bei der Zubereitung ist ein wirklich erstklassiger Cognac. Ich überlege, ob ich noch schnell ein paar Flaschen zusammenmixe und mit auf Tournee nehme. Vielleicht kann ich ein paar Menschen ja mit der Aussicht auf ein ausgezeichnetes Eierlikörchen in meine Konzerte locken.

Ihre Tournee, die dieser Tage begann, ist eine der ersten in diesem Jahr. Welche Argumente, sich für einen Abend mit Ihnen aufzuraffen, haben Sie außer dem Eierlikör sonst noch?
Ich habe mich als Argument. Und zwar nur mich. Diese Tournee ist eine ganz besondere, denn ich spiele zum ersten Mal wirklich alleine. Ich werde am Piano sitzen und singen. Fertig.

Ihr Mann, der kanadische Musiker Malcolm Burn, spielt üblicherweise in Ihrer Band Schlagzeug. Bei der vorigen Tour war auch Ihr nun achtjähriger Sohn mit dabei. Was machen die Männer denn jetzt, wo sie nicht gebraucht werden?
Die bleiben schön in Oslo und genießen ihre gemeinsame Zeit. Ich glaube, sie wollen mich an einem Wochenende besuchen.

Spielt Ihr Sohn auch schon Klavier?
Nein, will er nicht. Er liebt Musik, aber er mag alle anderen Instrumente lieber. Er gehört auch nicht zu der Sorte Kind, das gerne übt. Er lässt sich fröhlich durch die musikalischen Welten treiben, nimmt keinerlei Stunden und spielt, was ihm gerade so beliebt.

Wann haben Sie selbst erkannt, dass Klavierspielen und Singen Sie glücklich machen?
Als Teenager. Das erste Instrument, das ich erlernte, war die Violine. Niemand in meinem Umfeld spielte Musik, und mir war es ein bisschen peinlich, immer mit diesem Geigenkasten herumzurennen. Also fing ich an zu singen, und um mich selbst begleiten zu können, brachte ich mir gleich noch das Klavierspielen bei.

Ihre wunderbar dunkle und leicht rauchige Stimme dürfte solo auch besonders gut zur Geltung kommen, oder?
Das will ich doch hoffen (lacht). Den Menschen wird keine andere Wahl bleiben, als sich auf meine Stimme einzulassen. Ich werde natürlich auch Stücke aus meinem Album „Little Drop Of Poison“ und auch einige neue Lieder von meinem nächsten Album, das im April auf den Markt kommen wird, singen.

Die neue Platte wird „Always On My Mind“ heißen. Was können Sie verraten?
Es ist ein Album mit Coversongs. Ich interpretiere darauf Lieder, die ich schon seit langer Zeit liebe. Manchem Lied fühle ich mich bereits von Kindheit an verbunden. Dazu zählen etwa „Why“ von Annie Lennox, „Yesterday“ von den „Beatles“ oder „Here Comes The Flood“ von Peter Gabriel.

Sie haben im Jahr 1995 Ihr Philosophie- und Wirtschaftsstudium abgebrochen und sind nach New York (USA) gezogen, um sich dort als Sängerin zu etablieren. Waren Sie damals besonders mutig?
Besonders mutig, aber auch ein bisschen wahnsinnig. Ich spürte, wie die düstere Stimme, die mir sagte „Rebekka, vergiss es, das kannst du nicht“ von Tag zu Tag leiser wurde. Ich habe mich einfach getraut, mich ohne Arbeit und ohne Zukunftspläne in New York irgendwie durchzuschlagen. Ich war frei und, wenn ich heute darüber nachdenke, ganz schön kess. Auch später, als ich mit dem Musiker Wolfgang Muthspiel nach Wien ging, um mit ihm operettenartige Lieder zu singen, bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen. In den Zwanzigern hast du dieses Besorgnis-Gen noch nicht, du bist risikobereiter und auch ein wenig verrückter.

Heute leben Sie mit Mann und Sohn in Oslo. Sind Sie, wie es so schön heißt, angekommen?
Alles spricht dafür, allerdings empfinde ich ein leichtes Unwohlsein bei diesem Gedanken. Als mein Leben in den Dreißigern und frühen Vierzigern zu risikolos und eingefahren zu werden drohte, habe ich noch gegengesteuert, um nicht das Gefühl zu bekommen, wie ein in der Garage geparktes Auto zu leben. Aber letztendlich gehört zu dem Leben, wie ich es jetzt führe, ebenfalls Mut. Maßgeblich ist für mich, aufgeschlossen und offen zu bleiben und meine Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung heraus zu treffen.
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