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Ausgabe Nr. 03/2023 vom 17.01.2023, Foto: Roland Holitzky
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Auch sogenannte Russentänzer sind Teil des Brauchtums.
Ein Umzug mit 800 „Brüdern“
Die 286 Jahre alte Bruderschaft der „Vereinigten zu Tamsweg“ hat einen neuen Kommissär. Am 22. Jänner findet zu seinen Ehren ein großer Festumzug in der Salzburger Gemeinde statt.
Die Vereinigten zu Tamsweg sind eine Bruderschaft, die alle ihre Mitglieder zusammenführt und vereint. Mit dem Ziel, alles zu tun, um das gegenseitige Verstehen zu fördern und zu wahren, Gott zu achten, um dem Wohle unserer Heimat Tamsweg zu dienen.“ So lautet der Leitspruch von 800 Männern, die sich „Die Vereinigten zu Tamsweg“ nennen und die älteste Bruderschaft unseres Landes bilden. Um in diesen ehrwürdigen Zirkel aufgenommen zu werden, müssen drei Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Mitglieder sind ausschließlich Männer, brauchen eine abgeschlossene Ausbildung und das Wichtigste – es müssen Tamsweger sein oder zumindest ihren Lebensmittelpunkt in dem knapp 6.000 Einwohner zählenden Ort haben.

Seit dem Jahr 2010 sind die „Vereinigten zu Tamsweg“ UNESCO-Weltkulturerbe
Vor mehr als 280 Jahren beklagten sich der Riemer-Meister Johann Georg Kopfmüller, der Binder-Meister Jakob Ferner und der Weißgerber Johann Josef Löcker, dass ihre Gewerbe nicht in Zünften organisiert waren. Und so gab es auch keine Zunftfahne, hinter der sie bei den Fronleichnamsprozessionen gehen konnten. Für stolze Gewerbetreibende ein unhaltbarer Zustand.

So gründeten sie im Jahr 1737 eine eigene Handwerker-Vereinigung. „Ganz wichtig waren und sind gegenseitige Achtung und Hilfe der Mitglieder. Auch heute noch halten wir diese Gründungswerte hoch. Streitigkeiten unter den Mitgliedern sollen vermieden werden und wenn es doch einmal zu einer Auseinandersetzung kommt, sollten die Streithähne aufeinander zugehen und sich versöhnen“, erklärt Walter Salmer, 64, seines Zeichens Alt-Kommissär der „Vereinigten zu Tamsweg“, die seit 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Das Vereinigten-Jahr beginnt immer am Neujahrsabend mit dem „Andingen“ in der „Herberge“, im Stammlokal „Gambswirt“. Dabei stellt der Kommissär an alle Vereinigten die Frage, ob dieses Jahr wieder ein Jahrtag abgehalten werden sollte. „Aufgrund der allgemeinen Zustimmung wird der Termin festgelegt. Im Weiteren wird nach langer Debatte mit dem Herbergsvater der Umfang und Preis des Bruderschafts-Mahles ausgehandelt. Jedes dritte Jahr wird dabei auch ein neuer Kommissär gewählt, im darauffolgenden Jahr ein neuer Junggesellen-Präses. Auch alle anderen Ehrenämter werden am Neujahrstag vergeben“, sagt Salmer, der seit 40 Jahren bei der Bruderschaft ist. „Als gewählt gilt derjenige, bei dem der Applaus der Vereinigten nicht abbricht. Das Wahlergebnis gilt jedenfalls immer als einstimmig beschlossen.“

Festwagen erzählen aus dem Leben des neuen Kommissärs
In diesem Jahr war es wieder soweit. Unter tosendem Applaus wurde am 1. Jänner der Brandschutzunternehmer Christian Bernhofer, 49, zum neuen Kommissär ernannt. „Es gibt in der Marktgemeinde Tamsweg keine größere Ehre, als einmal im Leben Kommissär zu werden. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet“, sagt Bernhofer, der sich vor 26 Jahren den Vereinigten anschloss.

Ihm zu Ehren findet am 22. Jänner ein großer Festumzug in Tamsweg statt. „In hunderten Arbeitsstunden werden dafür von den Mitgliedern rund 20 große Festwagen gebaut, die aus dem Leben des Kommissärs erzählen. Etwa von seinen Reisen, seinen Hobbys oder auch seinen Lastern. Was wir für Christian geplant haben, ist aber noch streng geheim. Schließlich soll das für den neuen Kommissär immer eine Überraschung sein“, hüllt sich Salmer schmunzelnd in Schweigen.

„Waren es früher Szenen aus dem Alten Testament oder Heiligen-Legenden, überlegten wir im Jahr 1984 für den damaligen Neu-Kommissär, Baumeister August Santner, etwas Einmaliges. Sein Hobby war das Imkern, das wir mit einem großen Bienenkorb auf einem Wagen darstellten. Dazu schwärmten viele fleißige ,Biene Majas‘ aus“, erzählt Salmer aus der Vereinsgeschichte. Für seinen eigenen Festumzug vor drei Jahren wurde ein Bus farbenfroh im Stil der Hippie-Ära und des legendären Woodstock Festivals gestaltet. „Ich bin nämlich ein großer Anhänger von Jimi Hendrix und Joe Cocker. Das ist einfach meine Musik“, sagt der Alt-Kommissär.

Der riesige Konvoi von bis zu 20 Meter langen und teilweise mehr als fünf Meter hohen Gefährten bewegt sich ab 11 Uhr vormittags bis ungefähr 16.30 Uhr durch Tamswegs Straßen. Auf den imposanten Festwagen werden die Besucher mit Speis und Trank bewirtet. Schiffe, Segelyachten, Dampflokomotiven oder berühmte Bauten wie den Schiefen Turm von Pisa, den Eiffelturm oder die örtliche Pfarrkirche haben die Vereinigten zu Ehren des jeweils neuen Kommissärs in den vergangenen Jahren kunstvoll und maßstabsgetreu bereits nachgebaut.
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