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Ausgabe Nr. 03/2023 vom 17.01.2023, Fotos: Science Photo Library / Alamy Stock Photo, zVg
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Bedingt durch einen starken Jetstream – einen Höhenwind – gelangten zum Jahreswechsel außergewöhnlich milde Luftmassen zu uns.
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Dem Jetstream geht die Puste aus
Wenn das Wetter Wellen schlägt
Oft herrscht über Wochen hinweg die gleiche Wetterlage, die entweder extreme Hitze, klirrende Kälte oder Dauerregen mit sich bringt. Ausgelöst werden diese Kapriolen durch einen Klimafaktor, den viele Menschen wohl eher aus der Luftfahrt kennen – den Jetstream.
Rund um den Jahreswechsel präsentierte sich das Wetter diesmal von seiner freundlichsten Seite. Von Schnee und Kälte fehlte jede Spur. Stattdessen stiegen die Temperaturen mancherorts sogar auf nahezu 20 Grad Celsius.

„Wir hatten sowohl den wärmsten Silvestertag mit bis zu 18,4 Grad in Neudorf im Burgenland, als auch den wärmsten Neujahrstag mit bis zu 19,7 Grad im niederösterreichischen Puchberg am Schneeberg. Dieser Jahreswechsel war somit der wärmste, den unser Land je erlebt hat“, staunt der Meteorologe Nikolas Zimmermann vom „Ubimet“-Wetterdienst. Verantwortlich für dieses Wetterextrem war ein starkes Islandtief in der zweiten Dezemberhälfte 2022, das in Folge auch für einen starken Jetstream über dem Nordatlantik sorgte. „Wodurch dann feuchtwarme Luftmassen subtropischen Ursprungs zu uns gelenkt wurden“, erklärt Zimmermann.

Unter einem „Jetstream“ versteht der Meteorologe ein erdumlaufendes Windband, „das im Mittel zwischen dem 40. und 60. Breitengrad verläuft und seine maximale Stärke in einer Höhe von gut zehn Kilometern Höhe erreicht“. Das Band selbst ist mehrere 100 Kilometer breit und weht, durch die Erddrehung bedingt, von Westen nach Osten. Insgesamt gibt es vier Jetstreams, jeweils zwei auf der Nord- und Südhalbkugel. Jede Halbkugel besitzt demnach einen „Polarjet“ und einen „Subtropenjet“. Sie alle transportieren heiße und kalte Luftmassen und verschieben kontinuierlich Luftdruckgebiete. „Im Winter ist der Jetstream stärker als im Sommer und erreicht im Kern häufig Windgeschwindigkeiten zwischen 200 und 300 Stundenkilometer“, berichtet der Meteorologe. Bemerkbar macht sich dies zum Beispiel bei den Flugzeiten von den USA nach Europa. Mit seinem Anschub schaffen es die Flugzeuge etwa eine Stunde schneller als in die umgekehrte Richtung. Die auch „Strahlenstrom“ genannten Winde blasen aber nicht einfach gerade von Westen nach Osten, sondern können sich in Äste aufspalten und schlängeln sich in Wellenbewegungen.

„Unser Land ist im Winter häufig vom nördlichen Ast des Jetstreams beeinflusst, also dem Polarjet“, weiß der Fachmann. Der rasante Höhenwind entsteht dort, wo kalte Polarluft und warme subtropische Luft aufeinandertreffen.

Blockierte Wetterlagen
Durch den Klimawandel verändern sich aber diese Temperaturunterschiede, da sich die Arktis derzeit mehr als vier Mal so schnell als der Rest der Welt erwärmt. Was eben auch Auswirkungen auf den Jetstream hat. „Ihm fehlt dadurch der Antrieb. Er schlingert in immer größeren Wellen und verlangsamt sich dabei“, sagen Klimaforscher.

Die „mitreisenden“ Großwetterlagen bewegen sich dadurch ebenfalls langsamer fort. Bei blockierten Wetterlagen wird der Jetstream vorübergehend sogar unterbrochen, wodurch es zu häufigeren und länger anhaltenden Extremwetterlagen kommt. „So führt etwa ein blockiertes Hoch rasch zu Trockenheit und Hitzewellen, ein blockiertes Tief zu extremen Staulagen mit ergiebigen Niederschlagsmengen“, weiß Zimmermann. So mancher Klimaforscher erwartet, dass sich die Arktis noch weiter und schneller aufheizen wird, sodass sie den Jetstream in Zukunft noch deutlicher beeinflussen wird. Wissenschaftlich betrachtet sind diesbezüglich noch nicht alle Fragen geklärt. „Extreme Wetterereignisse könten aber häufiger werden“, zeichnen Pessimisten ein düsteres Bild.
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