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Ausgabe Nr. 02/2023 vom 10.01.2023, Fotos: AdobeStock
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Neue Hilfen für lädierte Gelenke.
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Das Knie wird nach der Operation zwei Tage ruhiggestellt.
Bio-Paste heilt Schäden am Knorpel
Verletzen (Sport-)Unfälle und Fehlstellungen den
schützenden Knorpel, droht ein veritabler Gelenksschaden. Mit „Knorpelchips“ und wenig Blut wird eine „Paste“ gefertigt, die Schäden heilt.
Kleine Schäden am Knorpel sind oft der erste Schritt zu einer Entwicklung, die ohne Therapie am Ende zu einem künstlichen Kniegelenk führen kann.

Und kleine Schäden am Knorpel im Kniegelenk passieren leicht, weiß der Hüft- und Kniespezialist Prim. Univ.Doz. Dr. Thomas Müllner, Vorstand der Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie im Evangelischen Krankenhaus Wien (www.drmuellner.at). „Knorpelverletzungen im Knie sind oft die Folge von Unfällen im Sport oder im Alltag, aber auch bei Fehlstellungen der Knie. Kreuzbandverletzungen und Kniescheibenprobleme können ebenfalls zu Schäden im Knorpel des Kniegelenkes führen. Meist kommen sie bei Patienten mittleren Alters vor.“

Eine „Wunde“ im Knorpel zu schließen, ist für Mediziner keine leichte Aufgabe. Geschädigte Knorpelzellen können sich nur schwer, oft gar nicht mehr erholen. Das liegt an ihrer natürlichen Beschaffenheit. So sind sie nach Abschluss der Wachstumsphase des Menschen nicht mehr an den Blutkreislauf angeschlossen, mit dem Alter sinkt die Elastizität ihrer Fasern und die Konzentration der wasserbindenden Moleküle nimmt ab.

Hoffnung macht Ärzten und Patienten die neue AutoCart-Methode, mit der Knorpeldefekte von bis zu acht Quadratzentimeter behandelbar sind. „Bei dieser neuen Methode werden nur körpereigene Substanzen verwendet, daher gibt es keine Abwehrreaktionen und eine hohe Verträglichkeit. Dazu ist für den Eingriff nur eine Operation notwendig“, erklärt Dr. Müllner. Seit ein, zwei Jahren wird die AutoCart-Behandlung in unserem Land angeboten, vorausgesetzt der Knorpelrand rund um den Defekt ist intakt. „Bei dieser Methode, die eine Weiterentwicklung bestehender Verfahren ist, wird die defekte Knorpelstelle zunächst mit Hilfe von Spezialinstrumenten gesäubert. Dabei fallen winzig kleine Knorpelstücke an, die von einem ‚Mini-Staubsauger‘ eingesammelt werden. Diese Knorpelchips bilden die Bausteine für die spätere Reparatur. Dazu werden sie mit einem Konzentrat aus Blutplättchen vermischt. Dieses Konzentrat wird aus dem Blut des Patienten gewonnen und aufbereitet. Es enthält Wachstumsfaktoren, welche die Wundheilung am Knorpel um ein Vielfaches verstärkt. Mit dieser Masse aus Plasma und Knorpelchips wird im nächsten Schritt die defekte Stelle im Knorpel aufgefüllt. Parallel wird dem Patienten während der Narkose erneut Blut entnommen. Dank einer besonderen Aufbereitung entsteht ein Gel, das als extrem wirksames Binde- und Abdeckmittel für die Knorpelfüllung dient. Es gibt bereits Zwei-Jahre-Erkenntnisse, die zeigen, dass die eingesetzte Knorpel-Paste oft schon so gut eingeheilt ist, dass die Ränder gar nicht mehr zu sehen sind“, erklärt der Knie-Spezialist das Verfahren.

Nach dem Eingriff soll das Knie für zwei Tage ruhiggestellt bleiben, damit sich die weiche Füllmasse aus Knorpelstückchen und aufbereitetem Plasma ausreichend festigt. Da der Eingriff minimal-invasiv erfolgt, ist lediglich ein Klinikaufenthalt von maximal drei Tagen notwendig. Zur Nachbehandlung ist Physiotherapie empfohlen und zunächst eine Entlastung mit Unterarm-Gehstöcken. „Sport ist danach wieder erlaubt, allerdings nach einer Pause von sechs Monaten für leichte Sportarten und einem Jahr für stark belastenden Sport.“

Je nach Anbieter zahlen die Kosten die Krankenkasse oder sie sind privat zu bezahlen (in der Höhe einer Arthroskopie-OP, ab ca. € 4.000,–)
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