Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 02/2023 vom 10.01.2023, Fotos: Thomas & Thomas, zVg
Artikel-Bild
„Kastelruther Spatzen“-Sänger Norbert Rier und Sohn Alexander.
Artikel-Bild
Alexander Rier (re.) beim Oswald von Wolkenstein Ritt.
Musik und Pferde sind ihre große Leidenschaft
Das Herz der beiden Südtiroler schlägt nicht nur für den Schlager, sondern auch für eine ganz besondere Pferderasse. Seit mehr als 30 Jahren züchtet Norbert Rier erfolgreich Haflinger. Sohn Alexander soll einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Hof übernehmen.
Wie der Vater, so der Sohn, kommt einem spontan in den Sinn, sobald der Name Rier fällt. Denn die beiden verbindet nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch zu Haflingerpferden. Und die werden im Hause Rier seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich gezüchtet.

Von Beruf Landwirt

Pferde waren schon als Kind die große Leidenschaft des Sängers und „Kastelruther Spatzen“-Chefs Norbert Rier. Aufgewachsen ist der am 14. April 1960 geborene Rier im idyllischen Seiseralm-Schlerngebiet nahe Bozen (I) auf dem Fuschghof, wo er noch heute mit seiner Frau Isabella, 64, lebt. Die beiden begegneten sich im Jahr 1978 beim Feuerwehrball in Kastelruth (I). Richtig zusammengebracht hat sie dann ein Mopedunfall, den Rier auf dem Weg zu seiner späteren Frau hatte. „Das war Schicksal. Durch den Unfall haben wir uns noch intensiver kennengelernt“, sagt der 62jährige.

Zu den „Kastelruther Spatzen“ kam Norbert Rier 1979. „Für mich war immer klar, dass ich den Hof des Vaters übernehme. Die Musik hat sich so entwickelt.“ Ehemalige Schulkollegen fragten ihn, ob er in ihrer 1975 gegründeten Gruppe als Schlagzeuger mitmachen wolle. Rier zögerte, konnte er doch weder Noten lesen noch Schlagzeug spielen. „Also habe ich es mir zeigen lassen. Dann wurde ich schnell ins kalte Wasser geworfen und sollte auf einem Hausball spielen. Es war stressig, aber dem Publikum hat‘s gefallen“, erinnert sich Rier. Im Jahr 1980 übernahm er als 20jähriger den Hof von seinem Vater. Seit damals ist er mit Leib und Seele Landwirt, sein eigentlicher Beruf, wie er gerne betont.

Seine große Liebe Isabella heiratete Rier 1983, im selben Jahr kam auch Tochter Marion zur Welt. Beruflich ging es ebenfalls steil bergauf. Die „Kastelruther Spatzen“, mittlerweile unter der Leitung von Norbert Rier, präsentierten 1983 ihr erstes Studio-Album „Viel Spaß und Freude“.

„Ich bin vom Glück geküsst worden“

Er selbst hatte die Schlagzeugstöcke gegen das Mikrofon eingetauscht und verlieh den Liedern der „Spatzen“ mit seiner Stimme den unverwechselbaren Charakter. Heute zählen die „Kastelruther Spatzen“ zu den erfolgreichsten Volksmusikgruppen im deutschsprachigen Raum. Trotz aller musikalischer Höhenflüge blieb die Familie sein größter Rückhalt. Das private Glück komplett machten drei weitere Kinder. Alexander kam 1985 zur Welt, Andreas 1989 und Anna wurde 1993 geboren.

Seit mehr als 40 Jahren teilt sich Norbert Rier seine Zeit zwischen Bühne und Bauernhof auf. „Ich finde, dass ich vom Glück geküsst worden bin, da ich meinen drei Leidenschaften – der Musik, den Pferden und der Landwirtschaft – gleichzeitig nachgehen kann.“

So ähnlich empfindet es auch sein Sohn Alexander Rier. Der 37jährige ist nicht nur gelernter Pferdewirt, sondern auch erfolgreicher volkstümlicher Schlagersänger. „Ich muss mich nicht entscheiden, weil ich beides leben kann. Das Schöne ist der Ausgleich, wenn ich Musik mache und dann beim Nachhausekommen mit den Pferden arbeiten kann.“ Die Passion seines Vaters für die Haflinger kann er gut verstehen. „Das sind äußerst liebevolle Tiere. Sie haben ihren eigenen Charme und sind Alleskönner für Zucht, Sport und Freizeit“, erklärt Alexander Rier.

Sein Vater hatte sich 1990 bei einer Almwanderung in drei Haflinger Stutfohlen „verliebt“ und sie gekauft. Sie bildeten den Grundstock für das heutige Gestüt am Fuschg-
hof. „Unsere Pferde sind bei Züchtern äußerst gefragt“, verrät er stolz. Pferdeliebhaber sind beide, aber während Norbert Rier seinen Fokus auf die Zucht legt, ist Sohn Alexander auch begeisterter Reitsportler. „Ich nehme gerne an Geschicklichkeitsturnieren teil. Den Oskar von Wolkenstein Ritt, ein großes Reitspektakel bei uns im Schlerngebiet, hat unsere Mannschaft heuer bereits zum zweiten Mal gewonnen.“

Ein Anker für die Familie

Musikkarriere und Pferdezucht unter einen Hut zu bringen, kann stressig sein, bestätigt Alexander Rier. Derzeit halten rund 15 Haflinger die Familie auf Trab. „Bei Terminüberschneidungen muss manchmal meine Mutter mithelfen. Sie schaut, dass alles klappt, und dann geht es auch irgendwie.“ Mama Isabella sei einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben, sie hat die Kinder Bodenständigkeit gelehrt und war immer der Anker in der Familie. Nicht umsonst feiern seine Eltern bald den 40. Hochzeitstag.

„In einer Künstlerehe ist es wichtig, dass du einen Menschen an deiner Seite hast, zu dem du heimkommen und alles drumherum vergessen kannst“, meint Alexander Rier. Dass er als Zweitgeborener einmal den elterlichen Hof übernimmt, „wird sich irgendwann ergeben. Es hängt auch davon ab, wie es mit der Musik weitergeht. Aber da lassen wir uns nicht stressen“, sagt Rier lachend. Das sei ein Prozess und er sei froh, dass sein Vater noch lange nicht an die Pension denke. rz
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung