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Ausgabe Nr. 02/2023 vom 10.01.2023, Fotos: Ernst Wukits / EXPA / picturedesk.com, GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
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Biathletin Anna Gandler, 21, auf den Spuren von Weltmeistervater Markus.
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Anna in der Loipe und am Schießplatz (re.)
„Papa wollte lieber, dass ich Geigerin werde“
Sie ist Junioren-Weltmeisterin 2020, Junioren-Europameisterin 2021, hat väterliche Goldmedaillen-Gene im Blut und klopft bereits bei der Weltelite an. Dabei hätte die hübsche Biathletin Anna Gandler, 21, eigentlich Musikerin werden sollen. Sie wollte ein weiblicher Mozart werden.
Ihre Weltcup-Karriere ist erst fünf Wochen alt, dennoch zieht Anna Gandler, 21, schon alle Blicke auf sich. Und das nicht nur, weil ihr Vater Markus Gandler, 54, 1999 in Ramsau (Stmk.) zum Staffel-Weltmeister wurde und sie sich selbst 2020 zur Junioren-Weltmeisterin und 2021 zur Junioren-Europameisterin krönte. „Es gibt bereits vier Fan-Seiten über mich im Internet, eine davon sogar aus Tschechien“, weiß die Tirolerin, die überdies auf Hochglanzfotos für ihren Ausrüster „Sportmatters“ eine gute Figur macht. „Dass ich für viele bereits jetzt ein Vorbild sein soll, kann ich noch gar nicht glauben“, gibt sie zu.

Anfang Dezember hatte die Sportlerin im Weltcup debütiert, lag schon in ihrem ersten Biathlon-Rennen vorübergehend auf Platz 15, um später in Annecy (F) mit Platz elf in der Verfolgung sowie in Hochfilzen (T) mit Platz neun in der Staffel schon im ersten Monat bei der Weltelite anzuklopfen.

Alle Experten sind sich einig, dass hier ein hochkarätiger Rohdiamant mit Gold-Potenzial heranbraust, der bald zu Weltmeisterin Lisa Hauser, 29, aufschließen könnte. „Ich setze gerne meinen eigenen Kopf durch“, verrät die Maturantin, die mit dem französischen Biathleten Émilien Claude, 23, liiert ist. „Ich sehe das so, wer erfolgreicher als die anderen sein will, darf nicht blind der Herde hinterherlaufen.“

Gandlers Motto: „Es gibt keine Probleme“

Als Tochter des erfolgreichen Langläufers Markus Gandler wurde Anna schon mit zwei Jahren auf Schi gestellt. Auch heute noch wohnt sie im Elternhaus in Innsbruck (T) mit ihrem Hund „Balu“, und Schwester Lara, 18. „Früher fanden bei uns die Familienausflüge im Winter stets auf Schiern statt“, sagt Anna Gandler und lacht. „Am Neujahrstag ließ uns Papa immer von Wildmoos nach Leutasch die sogenannte ,Schokoladenrunde‘ langlaufen, wo wir am Ende eine Süßigkeit bekamen.“

Vater Markus war lange von einer Karriere seiner Tochter als Wintersportprofi wenig begeistert, nachdem er selbst das „Haifischbecken“ Weltcup miterlebt hatte. Auch sein Ende als nordischer Rennsportdirektor des heimischen Schiverbandes ÖSV verlief 2019 unerfreulich, weil ihm Mitwisserschaft beim Doping des Langläufers Johannes Dürr, 35, unterstellt worden war. „Deshalb wollte Papa, dass ich mit der Geige Karriere mache, nicht mit den Latten“, erzählt Anna Gandler, der in jungen Jahren großes Talent am Streichinstrument attestiert wurde. „Eine Zeitlang habe ich mir sogar eingebildet, ein weiblicher Wolfgang Amadeus Mozart werden zu können“, sagt sie. „Ich war aber faul und habe immer erst 30 Minuten vor der Geigenstunde zu üben begonnen.“

Der Vater hat inzwischen erkannt, dass seine eigenwillige Tochter ohnehin macht, was sie möchte, und unterstützt ihre Sportlerkarriere, indem er ihr ausgefeilte Trainingspläne schreibt, Anna Gandlers eigentlicher Trainer ist aber Reinhard Gösweiner, 50. Trotz der väterlichen Gene gilt kurioserweise nicht die Loipe, sondern das Schießen als ihre große Stärke. „Als Jugendliche war mir das reine Langlaufen zu langweilig, deswegen habe ich das Gewehr dazugenommen“, schildert sie. Dabei ist die Tirolerin privat nicht nur erklärte Pazifistin, sondern unterstützt auch die Organisationen „Athleten für die Ukraine“ und „Bruder und Schwester in Not“ zugunsten benachteiligter Menschen.

„Im Leben und auch im Sport kommt die Menschlichkeit oft zu kurz“, glaubt sie. „Das habe ich erkannt, als ich in Kenia war und sah, wie glücklich viele Menschen dort ohne Besitztümer sind. Seither ist der afrikanische Spruch ,Hakuna Matata‘ (,Es gibt keine Probleme‘) mein Lebensmotto.“ Der half ihr auch, ihre oft schwachen Nerven beim Wettbewerb besser in den Griff zu bekommen. „Bei manchen Bewerben habe ich mir so viel Druck gemacht, dass ich tagelang nicht schlafen und essen konnte“, klagt Gandler. Jetzt denkt sie vor dem Bewerb an „Hakuna Matata“. „Das beruhigt meine Nerven schnell“, verrät sie. Kreuziger
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