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Ausgabe Nr. 02/2023 vom 10.01.2023, Foto: Thomas & Thomas
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„Einmal ist die Kaffee-Maschine explodiert“
Reichweitenstarke Sendungen werden immer seltener. Die „Rosenheim-Cops“ bilden da eine Ausnahme. Sie begeistern seit zwei Jahrzehnten das Publikum. Von Beginn an mit dabei ist Marisa Burger. Die 49jährige bringt mit ihrem zum Kult gewordenen Spruch „Es gabat a Leich“ stets die Fälle ins Rollen – ebenso wie dieses Gespräch …
Frau Burger, seit 20 Jahren ist der Satz „Es gabat a Leich“ Ihr Markenzeichen in der beliebten Serie „Rosenheim-Cops“ (donnerstags, 20.15 Uhr, ORF2, dienstags, 19.25 Uhr, ZDF).
Wie lange haben Sie geübt, bis Ihnen der Satz so locker über die Lippen kam?
Wer sich mit dem Charakter einer Rolle beschäftigt, überlegt sich: Wie spricht diese Figur, wie agiert sie, was könnte sie sagen? Beim Erarbeiten des Charakters fiel mir dann spontan dieser Satz ein, er stand also nicht im Drehbuch. Das macht die Arbeit eines Schauspielers aus – sich voll in die jeweilige Figur hineinzuversetzen. Angesprochen werde ich schon häufig auf die Rolle, beim Einkaufen, im Urlaub, sogar in der Sauna werde ich erkannt. Ich bekomme übrigens noch richtige Post von Anhängern der Serie, natürlich auch Nachrichten via Facebook und Instagram, aber auch noch handgeschriebene, persönliche Briefe. Manchmal komme ich gar nicht mehr mit dem Beantworten nach.

Demnach sind Marisa Burger und Miriam Stockl
in den vergangenen Jahren immer mehr zusammengewachsen?
Nein. Ich fühle mich immer als Schauspielerin, die sich in eine Figur verwandelt. Ich sage nach Drehschluss auch: So, jetzt „entstockl“ ich mich wieder. Ein Schauspieler verwandelt sich in etwas und geht dann wieder zurück in sein eigenes Ich. Ich kleide mich ja auch privat ganz anders, eher leger. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, die Stockl ist wie ich ein lebendiger, lebensbejahender Mensch, wir mögen beide Wellness und ich bin auch neugierig, wenn auch nicht so ausgeprägt wie sie (lacht). Ich bin eher ländlich, also in Altötting (D) aufgewachsen, und Rosenheim ist ja auch keine Großstadt.

Heute ist die Frau Stockl mehr als nur
die Sekretärin im Büro …
Als ich anfing, sie zu spielen, war ich 27 Jahre alt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten der Serie hat sie sich natürlich auch verändert, sie darf mitentscheiden, hat den richtigen Riecher für Situationen und ist die Anlaufstelle für die Mitarbeiter der Dienststelle. Das Stockl-Büro ist schon ein Ort des Zusammenkommens bei Kaffee und Keksen. Das ganze Format hat sich im Laufe der Jahre verändert, wir haben den Faktor der Diversität, denn auch in Rosenheim gibt es verschiedene Kulturen bei der Polizei.

Wissen Sie, wie viele Drehstunden Sie inzwischen in der Serie hatten?
Wir haben einst mit zwölf Drehtagen für eine 45-minütige Folge begonnen, inzwischen sind wir bei sechs-
einhalb Tagen, es wird oft mit fünf, sechs Regisseuren geballt gedreht. Mein Tag beginnt um sieben Uhr in der Maske und endet um 19 Uhr. Das ist schon ein recht langer Arbeitstag für eine Sekretärin (lacht). Danach lerne ich oft noch für den nächsten Drehtag.

Miriam Stockl und der Polizist Michi Mohr, gespielt vom Kärntner Max Müller, 57, sind die „Rosenheim-Cops“-Urgesteine. Die beiden waren einmal kurzzeitig ein Paar – kommen sie denn noch einmal zusammen?

Ich glaube, wenn das der Fall wäre, dann wären die „Rosenheim-Cops“ mit den beiden Charakteren Stockl und Mohr auserzählt. Denn dann würde die Phantasie der Zuschauer nicht mehr angeregt werden, ob die beiden doch noch ein Paar werden. Solange dies offen bleibt, bleibt es in deren Liebesleben spannend. Auch Karin Thaler als Frau Hofer ist von Anfang an mit dabei. Als Joseph Hannesschläger, der leider im Jahr 2020 verstorben ist, so krank wurde, musste notgedrungen Ersatz gesucht werden. Wobei Dieter Fischer kein Ersatz ist, sondern ein würdiger und sympathischer Kommissar und außerdem ein wunderbarer Kollege. Aber natürlich würde es ohne Joseph Hannesschläger die Serie in dieser Form nicht geben; er hat sie maßgeblich geprägt. Wir haben uns damit auseinandergesetzt und versuchen, die Serie in seinem Sinne und ihm zu Ehren weiterzuführen.

Mit Max Müller verstehen Sie sich ja auch privat gut, nicht wahr?
Ja, sehr gut. Wir sind schon einmal zusammen im Musikverein in Wien aufgetreten und haben dort auch jetzt, im Dezember, ein Weihnachtsprogramm gespielt. Max ist sehr musikalisch, ich bin nur musikalisch, ohne „sehr“ (lacht).

Gab es bei den Dreharbeiten auch einmal das eine oder andere „Hoppala“?
Ach, es gab viel Situationskomik, einmal ist die
Kaffeemaschine explodiert, was nicht im Drehbuch stand. Und einmal war die Stockl auf einem Meditations-Yoga-Trip. Das ist schon länger her, wir hatten damals noch ein Studio ohne Fenster. Das ganze Studio war mit Räucherstäbchen bestückt, die auch alle angezündet wurden. Wir haben gedreht und gedreht – bis ich umgekippt bin, weil ich keine Luft mehr bekommen habe.

Sie tragen ungewöhnlichen Schmuck mit großen, aquafarbenen Steinen …
… ja, aber kaum Halsketten, weil ich oft Allergien bekomme, wenn der Schmuck nicht echt ist. Und das wiederum mag ich meinem Mann nicht zumuten. Ringe und Ohrringe sind oft günstiger und sehen auch schön aus.

Sie sind Mutter einer 28jährigen Tochter. Hat Lilly in Ihnen ein berufliches Vorbild?
Mir ist es wichtig, dass meine Tochter für sich einen Lebensweg findet, der sie glücklich macht. Nicht mich, sondern sie selbst. Sie hat ihren Master in Literaturwissenschaften gemacht und geht jetzt in Richtung Journalismus, sie besucht gerade eine Journalistenschule. Ich sage ihr immer: Du musst ein Bild einer Flamme vor dir haben, und diese Flamme muss immer lodern. So war das auch bei mir. Meine Eltern hielten die Schauspielerei für brotlose Kunst.

Wohl jeder Mensch hat ein Geheimnis. Tragen auch Sie eines mit sich herum?
Es gibt Geheimnisse, die sollten wir uns bewahren. Aber ein Geheimnis, das ich verrate, ist, dass ich so schlecht sehe wie ein Maulwurf und obendrein nachtblind bin. Daheim trage ich eine Brille mit dicken Gläsern, öffentlich und beim Drehen Kontaktlinsen. Das ist auch der Grund, warum ich nie den Führerschein gemacht habe und kein Auto fahre. Ich bin viel zu Fuß und öffentlich unterwegs und zum Dreh werde ich abgeholt. Als meine Tochter zur Welt kam, scherzten meine Freunde über mich Blindfisch, ich hätte sie nur am Geruch erkannt.

Sie waren zuletzt in Griechenland. Machen Sie dort öfter Urlaub und wie vertreiben Sie sich dort Ihre Zeit?
In Griechenland, wo wir ein Haus am Pilion am Golf von Volos haben, finde ich Ruhe und baue Stress ab. Es ist so ruhig dort, weil es abseits der Urlaubssaison überhaupt keine Touristen gibt. Ich liebe die griechische Küche, vor allem Fisch. Meine Frau kann hervorragend kochen. In unserem Haus ist möglichst immer wer da, die Kinder freuen sich, wenn sie kommen können und nehmen ihre Freunde mit. Wir haben dort ein Elektro-Fahrrad und einen kleinen Fiat 500, der die ganze Saison über zur Verfügung steht. Im Herbst fahren wir immer nach Igomenzia, das ist eine Hafenstadt an der Westküste, etwa auf der Höhe von Korfu. Von dort geht es weiter mit der Fähre nach Venedig (I), dann in die Steiermark und dann wieder
nach Wien.

Wie verbringen Sie den restlichen Silvesterabend nach der Aufführung? Feiern Sie mit Ihrer Familie?
Es ist Tradition, dass meine Familie, seit ich den „Frosch“ spiele, immer in der Vorstellung sitzt. Nachher geht es irgendwo hoch hinauf, wo wir über die Stadt sehen und uns das Feuerwerk anschauen können. Später geht es in die Bar zum „Huth“, das ist unser Stammbeisl.

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?
Ich wünsche mir, dass die Republikaner in den USA nicht zu sehr die Überhand gewinnen. Und vor allem wünsche ich mir, dass der Demokratie nicht zu sehr die Luft ausgeht. Privat wünsche ich mir, dass Pandora ihren Nachttopf vorbeischüttet. Und ich hoffe, dass der Krieg nicht bis zu uns kommt.
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