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Ausgabe Nr. 01/2023 vom 03.01.2023, Fotos: picture alliance/dpa, ddp
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Schauspieler Walter Sittler, 70.
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Mit seiner Frau Sigrid Klausmann.
„Meine Ehe wird immer besser“
Ein Fernsehliebling ist Walter Sittler nicht erst seit der Schweden-Krimireihe „Der Kommissar und der See“. Sein Leben ließ der grau-melierte Schauspieler für die WOCHE Revue passieren.
Ich hatte in meinem Berufsleben viel Glück, denn ich hatte immer Arbeit“, sagt Walter Sittler. Das Filmen kann er auch mit 70 Jahren nicht lassen. Immer wieder flimmert er in der Krimireihe „Der Kommissar und der See“ über die Bildschirme. Viele kennen ihn auch noch als Chefarzt Dr. Robert Schmidt in der Kultserie „Nikola“. Am 6. Jänner ist Walter Sittler in der Talkshow „Kölner Treff“ zu Gast. („Best of: Beziehungskisten“, WDR 22 Uhr, Wiederholung am 7. Jänner um 11 Uhr auf hr-fernsehen).

Nach Deutschland war der beliebte Mime, der am 5. Dezember 1952 in Chicago (USA) geboren wurde, im Alter von sechs Jahren gekommen. Sittler war das Nesthäkchen von sieben älteren Geschwistern. Sein Vater war der deutschstämmige amerikanische Literaturprofessor Edward Vieth Sittler († 1975), seine Mutter war eine deutsche Lehrerin.

„Mein Vater war beruflich stark engagiert und reiste viel herum“, erzählt Walter Sittler. Aufgewachsen ist er daher vor allem in Internaten, wo er viel Blödsinn anstellte. „Mit meinen Freunden hatte ich Alkohol getrunken, natürlich wurden wir erwischt. Zur Strafe musste ich dem Hausmeister beim Aufräumen helfen und hatte drei Tage Stubenarrest. Erst am Heiligen Abend nachmittags konnte ich endlich nach Hause zu meiner Familie“, erzählt er lachend.

„Eine Prostituierte gab mir Trinkgeld“

„Die Erzieher waren streng. Wenn jemand ein bisschen Gras geraucht hat, dann dachten sie gleich, das ist der Untergang des Abendlandes. Die haben wohl vergessen, dass sie selbst einmal jung waren.“ Er selbst habe jedoch immer die Finger von Haschisch-Zigaretten gelassen, beteuert Sittler.

Nach der Matura wollte Sittler Medizin studieren, doch strenge Zugangsbeschränkungen (Numerus clausus) und ein Praktikum in der Krankenpflege schreckten ihn ab. Stattdessen verpflichtete er sich zwei Jahre als Zeitsoldat. Anschließend ging er ein Jahr zu seiner Schwester nach Lima (Peru), um dort zu arbeiten.

Zur Schauspielerei kam er erst, als er ein Fest einer Münchener (D) Schauspielschule besuchte. Sittler fing an zu studieren und hielt sich als Taxifahrer über Wasser. „Ich bin immer nur nachts gefahren, weil ich den Verkehr tagsüber nicht mochte. Ich chauffierte Betrunkene und Prostituierte. Mit einer habe ich einmal lange im Auto geredet. Sie gab mir dann 25 Euro Trinkgeld, was damals viel war. Sie sagte, ,Zeit ist Geld, ich weiß das.‘“

Mit dem Abschluss seiner Schauspielausbildung konnte er dieses Kapitel hinter sich lassen. Er ging ans Theater und später zum Fernsehen. 1987 bekam er eine Rolle in der „Schwarzwaldklinik“, dem breiten Publikum bekannt wurde er aber erst mit Serien wie „girl friends – Freundschaft mit Herz“ und „Nikola“.

Privat ist er seit 1985 glücklich mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Sigrid Klausmann, 67, verheiratet. Kennengelernt haben sie sich, als Walter Sittler sein ehemaliges Internat besuchte, in dem Klausmann damals Lehrerin war.

„Walter und ich haben uns verabredet, und es hat sofort gefunkt. Zwei Monate später war ich schwanger“, erzählt Sigrid Klausmann. Walter Sittler sagt über seine Ehe: „Es ist wie in der Chemie, die beiden Elemente müssen zusammenpassen und sich nah bleiben. Damit meine ich, dass man den anderen teilhaben lässt an sich selbst. Meine Ehe wird daher immer besser.“

„Kinder müssen in die Welt gehen“

„Unser Leben war nie langweilig“, meint Klausmann. Doch es gab auch Zeiten, an denen sich seine Frau mit den Kindern überfordert fühlte, weil Walter Sittler beruflich häufig unterwegs war. „Es gab Tage, an denen ich dachte, ich könnte einfach nur noch weinen. Weil ich das Gefühl hatte, alles wird mir zu viel.“ Seit einigen Jahren sind die drei Kinder nun aus dem Haus. „Es ist tatsächlich ein bisschen eigenartig, wenn die Kinder fort sind und es plötzlich so still ist. Ich hatte jedenfalls keine Depression deswegen. Für meine Frau war es vielleicht ein bisschen schwieriger, weil sie öfter daheim war. Aber auch sie fiel nicht in ein Loch. Die Kinder müssen in die Welt gehen. Ich passe auf die Familie auf, aber ich halte sie nicht fest“, erklärt der Darsteller das Flüggewerden seiner Kinder.

In der Erziehung glaubt er, einigermaßen alles richtig gemacht zu haben. „Du machst als Vater natürlich immer Fehler. Du musst freundlich mit dir selber sein und dir sagen, ‚Ich habe es so gut gemacht, wie ich konnte. Wenn in der Erziehung trotzdem etwas schiefgegangen ist, dann halten sie das aus. Die Kinder sind ja gesund.‘“

„Ich bin nicht so leicht verführbar“

Dass die Kinder nun aus dem Haus sind, hat auch seine Vorteile. „Wir haben jetzt ein bisschen mehr Zeit füreinander als früher. Wir können entscheiden, was wir machen wollen, und müssen auf niemanden mehr Rücksicht nehmen“, sagt Walter Sittler, der sich wohltätig für SOS-Kinderdörfer engagiert.

Das Wort Treue wird bei den Sittlers großgeschrieben. „Für mich ist es sehr wichtig und für meine Frau auch. Insofern haben wir da einen gemeinsamen Nenner.“ Sie wiederum sagt: „Natürlich mache ich mir als Ehefrau Gedanken darüber, wie das denn ist, wenn er vor der Kamera eine andere Frau küsst oder wochenlang mit einer schönen Frau auf Theatertournee ist?“ Letztlich habe sie den Rucksack von Eifersucht und Misstrauen aber ablegen können.

Walter Sittler versichert, Seitensprünge seien für beide kein Thema, auch wenn er schon Liebesbriefe von aufdringlichen Bewunderinnen bekam. „Ich bin nicht so leicht verführbar“, sagt er mit einem Schmunzeln. Im Jahr 2015 gab Sittler zu, „völlig pleite“ zu sein, weil seine Filmproduktionsfirma Probleme bekam. Diese Krise ist aber überstanden.

Bei den Dreharbeiten hingegen kann es schon zu Krisen kommen. „Ich kann laut werden, aber dann muss richtig viel schiefgehen. Etwa wenn am Drehort Menschen neu dazukommen und meinen, sie müssten sich schlecht benehmen. Das mag ich überhaupt nicht. Es ist wichtig, ein bisschen Respekt vor dem Alter zu haben“, meint der 70jährige. rb
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