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Ausgabe Nr. 01/2023 vom 03.01.2023, Fotos: Heidi Schober
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Bis in die Morgenstunden sind die Männerrotten in Heiligenblut unterwegs.
Die Sternsinger von Heiligenblut
Sie gehen nicht als Könige, haben weder Weihrauch noch Gold dabei – die Sternsinger von Heiligenblut (K). In der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner ziehen in dem Bergdorf am Großglockner seit mehr als 400 Jahren Männerrotten mit ihrem Stern von Haus zu Haus, um den Bewohnern die Botschaft von der Geburt Jesu zu überbringen und ein gutes neues Jahr zu wünschen.
Gott werde euch das Jahr ja mit Gedeihen schon geb‘n, Gott lasse euch das Jahr ja noch mit Freude auslebn, heuer und zu all‘ ewigen Zeiten. Wir wünschen euch allen ein glückseliges neues Jahr, wir wünschen euch allen ein glückseliges neues Jahr, der Stern muss noch weiter leuchten.“ Als die letzte Strophe des Liedes „Der Stern“ erklingt, leuchten die Augen der Bäuerin Maria Messner. Denn die Heiligenbluter Sternsinger nahmen auch heuer wieder den steinigen und schneebedeckten Weg zu deren kleinen Bergbauernhof in Kauf, um der 80jährigen ein glückliches neues Jahr zu wünschen.

Alljährlich in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner zum Dreikönigstag ziehen in Heiligenblut (K) insgesamt neun Männerrotten aus Musikanten und Sternträgern von Haus zu Haus. Dieses Sternsingen in seiner besonderen Art hat sich nur in Heiligenblut am Großglockner erhalten und geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. „Wegen Arbeitsmangel im Oberen Mölltal pendelten viele männliche Bewohner nach Salzburg und sogar bis in den Bayerischen Raum, um ihr Einkommen als Korbflechter oder Schuster während der Wintermonate zu sichern. Sie brachten dabei so manches Liedgut in unsere Region“, weiß der 64 Jahre alte Georg Bernhardt. „In der damaligen Zeit war das Sternsingen äußerst begehrt, weil sich die Gruppen bei den größten Bauern sattessen und ein Gläschen Schnaps oder Wein zu sich nehmen konnten. Traditionell sangen immer nur Männer. Nur während der Weltkriege haben Frauen ausgeholfen, da viele Männer einrücken mussten. Früher und auch heute ist das Sternsingen ein ernster und herzlicher Nachbarschaftsbrauch.

Die Arbeitgeber der Region stellen die Mitarbeiter zum Sternsingen frei

Kleingruppen, die sogenannten Rotten, ziehen im Ort von Haus zu Haus, um das zwölfstrophige, traditionelle Sternsinger-Lied vorzutragen. Da kein Haus ausgelassen wird, dauert das immer bis in die frühen Morgenstunden. Ungefähr sechs Kilometer ist jede Rotte unterwegs“, sagt Bernhardt, der selbst Obmann der Rotte Winkl ist und mit seinen Männern jedes Jahr 43 Häuser „abzuarbeiten“ hat. „Alle örtlichen Arbeitgeber stellen ihre Mitarbeiter daher zum Sternsingen frei. Die Identifikation der Bevölkerung mit dieser Tradition ist hoch. Im Jahr 2010 wurde der Brauch in das Verzeichnis des ,Immateriellen Kulturerbes‘ in unserem Land aufgenommen.“

Insgesamt gibt es in Heiligenblut neun Rotten. Eine Rotte besteht aus 16 Männern, dem Sternträger, fünf Musikanten und zehn Sängern. „Jede Rotte ist eigenständig, deshalb gibt es leichte Abänderung im Gesang. Ungefähr 35 bis 50 Mal wird ,Der Stern‘ mit 14 Strophen gesungen. Um 16 Uhr versammeln sich die Sternsinger von Heiligenblut zur Aussendungsfeier vor der Pfarrkirche St. Vinzenz. Nach der Messe schwirren die Rotten dann in ihren jeweiligen Orten aus“, sagt Bernhardt, der heuer bereits zum 50. Mal dabei ist.

Stimmen der neun Rotten erklingen zugleich

Die neun leuchtenden Sterne sind wahre Handwerkskunst und wurden von einem Sternsinger im Jahr 1936 gefertigt, zumindest wie sie in der jetzigen Form
aussehen.

„Vorher waren es normale Holzsterne, jetzt ist der Stern eine Holzkonstruktion, mit Leinen umspannt und kunstvoll bemalt mit Bildern von den Heiligen Drei Königen Caspar, Melchior und Balthasar, dem Jesus-Kind und verschiedenen Blumen. Um den Stern zu erleuchten, wurden früher Kerzen verwendet, jetzt ist er batteriebetrieben und dreht sich sogar“, erklärt Georg Bernhardt.

Früher hat jede Rotte bei Anbruch der Dämmerung eigenständig mit dem Singen begonnen. „Jetzt findet nach der Sendungsfeier in der Pfarrkirche die Weihe der Sterne und Lichter der Laternen statt, der Pfarrer spricht Segensgebete und wir gedenken der verstorbenen Sternsinger. Wenn die Stimmen aller neun Rotten zugleich erklingen, ist das ein erhebendes Gefühl“, sagt der Heiligenbluter Bürgermeister Martin Lackner, der seit 32 Jahren in der Rotte Pockhorn mitsingt.

Bei den Häusern werden die Sternsinger dann fünf bis sechs Mal nach dem Sternlied zu Tisch geladen. Mantel, Stöcke und Hut werden abgenommen, alle setzen sich und die Männer geben weitere Sternsinger-Lieder zum Besten. Inzwischen deckt die Hausfrau den Tisch und bewirtet die Sternsinger mit verschiedenen Köstlichkeiten. „Mit Aufschnitt bis hin zum Gulasch mit Knödel ist für unser leibliches Wohl bestens gesorgt. Nach ungefähr 40 Minuten singen wir das Danklied und ziehen weiter. Mit dem Wunsch, dass wir im nächsten Jahr wieder einkehren dürfen. Ich habe es noch kein einziges Mal erlebt, dass einer Rotte der Eintritt verwehrt wurde“, beschreibt Lackner die Verbundenheit der Bevölkerung mit diesem alten Brauch.

Wenn die Rotten schließlich „Der Stern muss allhier verbleiben“ beim letzten Haus singen, ist es 7 Uhr in der Früh und in der Ferne klingen schon die Kirchenglocken.
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