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Ausgabe Nr. 47/2022 vom 22.11.2022, Foto: akg-images / Album / Warner Bros. Pictures / Ben Glass
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Paul Newman († 2008).
„Als Ehebrecher war ich ein Versager“
Er war ein Rebell und Antiheld, in dessen stahlblaue Augen sich Millionen verliebten. Vor 14 Jahren starb Paul Newman. Seine Familie hat nun seine Memoiren veröffentlicht.
Ich spreche jeden Tag mit meinem Vater“, sagt Paul Newmans jüngste Tochter Claire, 57. Noch immer hat sie Tränen in den Augen, wenn sie sich an die Schauspiel-Ikone zurückerinnert. „Er war stets bemüht, die Welt ein bisschen gerechter zu machen“, verrät Claire Newman über den „Wohltäter von Hollywood“. Neben Hunderten Millionen Euro für den guten Zweck hinterließ er 80 Stunden Tonaufnahmen. Sie gibt es nun in Buchform. „Paul Newman – Das außergewöhnliche Leben eines ganz normalen Mannes“ ist im Heyne Verlag erschienen (26 Euro). Die 368 Seiten zeigen neben viel Glamour auch den harten Weg des am 26. Jänner 1925 in Shaker Heights im US-Staat Ohio geborenen Schauspielers.

„Für Mädchen war ich eine Lachnummer“
„Als ich fünf war, kam die Weltwirtschaftskrise in Amerika an“, erzählte Paul Newman. Sein Vater betrieb ein Sportartikelgeschäft, dem der Konkurs drohte. Die ganze Familie musste anpacken. „Ich arbeitete zunächst im Lagerraum, später wechselte ich in den Verkauf. Ich verkaufte Ferngläser, Bälle, Tennisausrüstung, und ich war gut darin.“

Zu seinem trinkenden Vater hatte er kein gutes Verhältnis. „Er war geringschätzig, desinteressiert und sein Tonfall war immer etwas sarkastisch.“ Seine Mutter hatte Stimmungsschwankungen, konnte von einem Moment auf den anderen explodieren. Sie schlug ihn dann brutal mit einer Bürste. Auch als er älter wurde, machte sie ihn nieder, darunter litt sein Selbstwertgefühl.

In der Schule hatte er es ebenfalls nicht leicht. „Ich war furchtbar schüchtern und klein. Mit 14 Jahren wog ich nicht einmal 45 Kilo. Für Mädchen war ich ein Witz, eine Lachnummer. Ich war ein Leichtgewicht und diese Beschreibung traf auf jeden Bereich meines Lebens zu.“
Erste schauspielerische Erfahrung sammelte er an einem Kindertheater. „In der Volksschule gaben wir eine Vorstellung über Robin Hood, und ich spielte den Hofnarren.“

Im Jahr 1943 meldete er sich freiwillig zur Armee, um Pilot zu werden. Doch er wurde abgelehnt, weil er farbenblind war. In seinen Memoiren gestand er jedoch, dass er auch die notwendigen, komplizierten Mathematik-Tests nicht schaffte. Im Zweiten Weltkrieg musste er daher drei Jahre als Funker auf einem Torpedobomber im Pazifik dienen.

Newman war zeitweise „total pleite“
Nach dem Krieg lernte er 1947 die Schauspielerin Jacqueline Witte kennen. „Sie war die Erste und Beste, die ich je näher kennengelernt hatte. Mit ihr konnte ich auch reden. Bei Jackie fühlte ich mich zum ersten Mal mit jemandem verbunden.“ Die beiden heirateten, drei Kinder machten das Glück perfekt. Mit bescheidenen Engagements als Theaterschauspieler und Fotomodell hielt Newman sich und seine Familie über Wasser. Zeitweise sei er aber „total pleite“ gewesen, gestand er.

Newman hatte Schauspiel an der renommierten Universität von Yale (USA) studiert, später ging er auf die Schauspielschule „Actors Studio“. Zugehörig fühlte er sich aber nie. „Ich war in ihre Welt geraten, aber ich gehörte definitiv nicht dazu.“

Im Jahr 1954 ergatterte er die Rolle des griechischen Sklaven „Wassili“ im Film „Der silberne Kelch“. In Sandalen stand er am Filmset und genierte sich fast zu Tode. „Es war der schlechteste Film, der in den Fünfzigern produziert wurde.“ Dafür schaffte er vier Jahre später als Box-Champion Rocky Graziano in „Die Hölle ist in mir“ den Durchbruch.

Tragischer Tod von Newmans Sohn
Die Frauen lagen dem Schönling zu Füßen. Newman nahm sich eine Geliebte. „Ab einem gewissen Punkt führte ich tatsächlich zwei Leben. Ich lebte mit meiner Frau zusammen, aber auch mit meiner Geliebten Joanne.“ Paul Newman machte die Situation immer mehr zu schaffen. Letztlich scheiterte seine Ehe. „Als Ehebrecher war ich ein Versager.“ Noch im Jahr der Scheidung heiratete er seine neue Liebe, die Schauspielerin Joanne Woodward, 92. Der Ehe entstammen drei Kinder.

Im Jahr 1978 erlitt Paul Newman einen schweren Schicksalsschlag. Newmans erster und einziger Sohn, Scott, der aus seiner ersten Ehe stammt, starb mit nur 28 Jahren. Nach einem schweren Motorradunfall nahm er sich das Leben. „Es war der traurigste Tag in meinem Leben. Die Erinnerung daran kann niemals gelöscht werden.“
Privat galt seine ganze Leidenschaft dem Rennfahren. In einem Porsche 935 holte er 1979 gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Rolf Stommelen († 1983) den zweiten Platz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans (F).

Auch in der Geschäftswelt feierte er Erfolge. 1982 gründete er das Lebensmittel-Unternehmen „Newman‘s Own“. Das karikierte Konterfei von Paul Newman lacht noch immer von Soßen, Limonaden und Salat-Dressings. Die Gewinne kommen benachteiligten Kindern zugute. Bis heute etwa eine halbe Milliarde Euro. „Sein Leben war Geben“, sagt seine Tochter Claire Newman, die ihren Vater als „eigentlich schüchtern“ beschrieb. Wegen seiner Arbeit sei er oft nicht zu Hause gewesen, „aber wenn, dann von ganzem Herzen“.

In seinen Memoiren packte Paul Newman auch über sein Alkohol-Problem aus. Mehrere hunderttausend Bierflaschen oder -dosen hätte er in seinem Leben gekippt, dazu viele härtere Getränke. „Unter Alkoholeinfluss passiert furchtbar Schlimmes, das gefährlich wird. Für mich ist es ein Wunder, dass ich solche Momente überstanden habe“, erzählte Paul Newman.

Über seine Zigarettensucht und wie krank sie ihn machte, schwieg er zu Lebzeiten. Newman war Kettenraucher, er qualmte 60 Zigaretten am Tag. 2008 verstarb er im Alter von 83 Jahren an Lungenkrebs. Seine Tochter erinnert sich: „Er hatte keine Angst. Er war sauer und sagte, ‚Verdammt, ich hatte doch noch so viel zu erledigen.‘“
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