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Ausgabe Nr. 47/2022 vom 22.11.2022, Foto: Willfried Gredler-Oxenbauer / picturedesk.com
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Die Wiener Ringstraße wird heuer nicht beleuchtet.
Advent, Advent kein Lichtlein brennt
Gar nicht oder kürzer strahlt heuer die Weihnachtsbeleuchtung in Einkaufsstraßen und Ortskernen. Die Städte und Gemeinden setzen auf Energiespar-Symbolpolitik.
In Kilb bleibt es heuer dunkel. Die Gemeinde im niederösterreichischen Mostviertel hat sich gegen die Zusatz-Beleuchtung rund um Weihnachten entschieden. „Aufgrund der Energiesparmaßnahmen“, verkündete die „Kilber Wirtschaft“.

Kilb (NÖ) verzichtet auf Weihnachtslichter
An die Bürger appellierte sie trotzdem, „gemeinsam Lichtblicke in die dunkle Winterzeit“ zu bringen. „Gestalten Sie in Eigenregie ein Advent- oder Laternenfenster, das nicht nur die Familie selbst, sondern vielleicht auch andere im Vorübergehen in winterliche, weihnachtliche Stimmung versetzt.“

„Kilb ist sowieso schon seit Jahren energiesparend, was die Weihnachtsbeleuchtung betrifft. Bei uns gibt es keine klassische Weihnachtsbeleuchtung mit Lichterketten, sondern wir setzen farbige Scheinwerfer ein, um gewisse Punkte, wie etwa den Eingang beim Schlosspark, in der Gemeinde zu bestrahlen“, sagt Bürgermeister Manfred Roitner (ÖVP).

Die Scheinwerfer werden üblicherweise am 11. November eingeschaltet und leuchten bis zum Ende der Faschingszeit. „Das kostete uns für diesen Zeitraum nur 400 bis 500 Euro pro Jahr. Doch da die Scheinwerfer heuer erneuert hätten werden müssen, lassen wir sie ganz weg.“
Bei unseren Nachbarn gab es im September einen Aufschrei, als der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) forderte, es sollte „eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten“ wie auch auf die private verzichtet wird.

Wegen des Krieges in der Ukraine, der Energieknappheit und dem Klimaschutz „sollten wir einmal innehalten“, meinte Jürgen Resch, der anregte, das Advent-Lichtermeer auf „einen beleuchteten Baum pro Gemeinde“ zu reduzieren.

Die oberösterreichische Stadt Ried im Innkreis hat sich solche Energiespar-Appelle zu Herzen genommen. In der Stadt ersetzen ab Ende November 55 Christbäume die Weihnachtsbeleuchtung.
Das kostet die Gemeinde 16.000 Euro. Für die Weihnachtsbeleuchtung, die schon etliche Jahre auf dem Buckel hat, wären 80.000 Euro fällig gewesen. „Alleine das Auf- und Abhängen kostet 6.000 Euro“, erklärt Bürgermeister Bernhard Zwielehner (ÖVP).
Jetzt werde „massiv Energie gespart, ohne aus unserer Sicht jedoch das Ambiente“ zu vernachlässigen. Der Kauf einer modernen Weihnachtsbeleuchtung würde zwischen 350.000 und 400.000 Euro kosten.

Salzburg spart auch mit Lichtsensoren
Die Salzburger Altstadt wird im heurigen Advent nicht ganz so hell erstrahlen wie in den vergangenen Jahren. Nicht an allen Standorten haben sich die Geschäftsleute für die Installation der Lichtergirlanden ausgesprochen. Der Mozart- und der Waagplatz bleiben etwa dunkel.

Statt bis zum Dreikönigstag ist die Beleuchtung heuer nur bis zum 1. Jänner zu bewundern. Auch die Einschaltzeiten wurden verringert. Statt wie früher ab 13 Uhr und am Wochenende sogar ab 10 Uhr, wird jetzt erst bei Dämmerung eingeschaltet. Zudem gibt es etwa in der Linzer Gasse „spezielle Lichtsensoren. An einem sonnigen Tag schaltet sich die Weihnachtsbeleuchtung erst später ein, nicht schon um 16 Uhr“, heißt es beim Tourismusverband.
Insgesamt kostet die Illuminierung 280.000 Euro, um 30.000 Euro weniger als im Vorjahr. Die Stadt setzt zudem auf sparsamere LED-Lampen.

Das tut auch Innsbruck zusätzlich zu den verkürzten Einschaltzeiten von 16 bis 23 Uhr. Rund ein Viertel der Energiekosten soll derart gespart werden. LED-Lampen verbrauchen bis zu 90 Prozent weniger Strom als Glühbirnen und auch deutlich weniger als Halogenlampen. Die Abkürzung LED kommt vom englischen „light-emitting diode“, lichtaussendende Diode.

Innsbrucker Märkte sind „glühbirnenfrei“
Die Hütten der Innsbrucker Christkindlmärkte sind jedenfalls schon seit fünf Jahren „glühbirnenfrei“, wird versichert.
In der Grazer Herrengasse gibt es seit dem Vorjahr eine neue Weihnachtsbeleuchtung auf dem neuesten Stand der Technik mit energiesparenden LED-Lampen.
Trotzdem heißt es auch in der steirischen Landeshauptstadt früher „Licht aus“, und zwar schon um 22 Uhr. Eine Ausnahme gibt es nur am Heiligen Abend und zu Silvester. An diesen Tagen wird erst um 2 Uhr Früh ausgeschaltet.
Die Wiener Ringstraße wird dieses Jahr nicht beleuchtet, das haben Stadt und Wirtschaftskammer entschieden. Ansonsten gibt es Abstriche bei der Einschaltzeit. „Heuer brauchen wir positive Stimmung wie noch nie. Sie stellt sich ein, sobald die Lichter in der Stadt eingeschaltet werden“, sagt Margarete Gumprecht, Handelsobfrau der Wirtschaftskammer Wien.

Die Lichter gehen heuer um 15 Uhr an, um 22 Uhr ist Schluss. In den vergangen Jahren war die Beleuchtung in der Regel zwischen 14 Uhr und Mitternacht eingeschaltet. Auch die „Leucht-Tage“ sind reduziert.
Seit zehn Jahren werden die Lichtergirlanden sukzessive auf LED umgestellt. Insgesamt verbraucht der weihnachtliche Lichterglanz in Wien deshalb „nur noch rund 49.000 Kilowattstunden (kWh)“, verkünden die Unternehmer. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 14 Wohnungen mit je vier Personen.

Die Stromkosten betragen nur einen Bruchteil der Montage-, Instandhaltungs- und Anschaffungskosten von rund 700.000 Euro.
Eine Weihnachtsbeleuchtung in abgespeckter Form gibt es auch in Klagenfurt. In den vergangenen Jahren erstrahlte sie erstmals Anfang November, beim traditionellen „Glühwein-Opening“ in der Innenstadt. Nun wird sie am ersten Einkaufssamstag, dem 26. November, in Betrieb genommen.

Am 1. Jänner wird die gesamte Weihnachtsbeleuchtung wieder ausgeschaltet. „Wir wollten die Weihnachtsbeleuchtung nicht völlig weglassen, aber es ist wichtig, Strom zu sparen“, betont der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider (Team Kärnten). „Die vorweihnachtliche Stimmung muss dennoch vorhanden sein, denn ganz ohne Lichterketten-Flair geht die Kaufkraft in der Innenstadt verloren.“

In Linz funkelt nur der Christbaum kürzer
Keine Änderungen gibt es in Linz. Dort werden die Straßen der Innenstadt wie im Vorjahr ab 15.30 Uhr beleuchtet, auch im selben Zeitraum. Die entstehenden Energiekosten seien „überschau- und leistbar“, begründet SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger die Entscheidung. Nur beim Christbaum am Linzer Hauptplatz wird gespart. Dessen Lichterketten funkeln jetzt kürzer.
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