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Ausgabe Nr. 46/2022 vom 15.11.2022, Foto: Raunig
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Koren und Pfarrer Premur mit dem QR-Code.
Ein smarter Obolus hat keinen Klingelton
Als erste Pfarre in unserem Land bietet die Kärntner Gemeinde Krumpendorf am Wörthersee einen „digitalen Klingelbeutel“ an. Wer kein Bargeld beim Gottesdienst mit im Börserl hat, kann seine Spende in der Kirche ab sofort via Mobiltelefon und QR-Code leisten. Schließlich muss auch die alte Kirche mit der neuen Zeit Schritt halten.
Wenn Bettina Koren sonntags den Gottesdienst in der Pfarrkirche Krumpendorf in Kärnten besucht hat, steckte sie immer wieder in einem kleinen Dilemma. „Wurde der Klingelbeutel für die Geldspende in den Sitzbänken der Kirchenbesucher weitergereicht, konnte ich meinen Obolus nicht leisten, weil ich kein Kleingeld bei mir hatte. Das war wirklich ärgerlich und mir auch unangenehm. Denn ich wollte etwas spenden. Umso mehr freut es mich, dass ich jetzt sogar auch in der Kirche mit dem Smartphone Geld hergeben kann“, sagt die 59jährige.

Straßenmusiker gab die Anregung
Die Idee zum digitalen Klingelbeutel in der Kirche ist dem Krumpendorfer Pfarrer Hans-Peter Premur, 61, vor zwei Jahren gekommen: „Ich habe einen Straßenmusiker in Graz gesehen, der die Spenden der Passanten nicht wie üblich im Hut, sondern mithilfe eines QR-Codes sammelte. Das wäre doch auch etwas für die Kirche“, dachte sich der Geistliche und brachte die Idee bei der nächsten Ordinariats-Sitzung zur Sprache. „Das Witzige ist, dass ich selbst nicht einmal ein Smartphone besitze, sondern seit 20 Jahren mit meinem alten Nokia-Handy telefoniere“, erzählt der sympathische Pfarrer.

Seine Idee kam beim Finanzkammerdirektor der Diözese Gurk gut an und seit einem Monat ist es mithilfe einer in unserem Land gegründeten Firma nun in Krumpendorf möglich, eine Spende für die Kirche per App zu überweisen. Für die Kirchenbesucher ist es denkbar einfach, den elektronischen Klingelbeutel auf ihrem Smartphone einzurichten. „Zuerst müssen sie aus dem App-Shop die ,Bluecode‘-App herunterladen und die eigenen Kontodaten eingeben. Dann wird der QR-Code, der in der Kirche Krumpendorf aufliegt, heruntergeladen. Die QR-Codes sind im Eingangsbereich der Kirche zu finden und jeder kann eine Kopie mit nach Hause nehmen, um in Ruhe die App zu installieren. Der QR-Code muss dann eingescannt und der Spenden-Beitrag gewählt werden. Die Überweisung erfolgt automatisch. Transaktionen und Kontodaten bleiben dabei natürlich vollkommen anonym. Es ist also auch für mich oder die Kirche nicht ersichtlich, wer das Geld gespendet hat“, erklärt Pfarrer Premur, der die Vorteile des neuen Systems gegenüber Zweiflern hervorhebt.

„Es gibt zwar auch kritische Stimmen, die sagen, dass das zur Abschaffung des Bargeldes beiträgt. Doch ich finde das nicht, im Gegenteil. Das ist eine gute Ergänzung zum analogen Klingelbeutel. Denn der bleibt parallel dazu bei den Messen bestehen. Aber ich stelle immer wieder fest, dass Menschen ohne Bargeld in die Kirche kommen oder nur große Scheine mithaben. Ihr Handy haben sie immer mit dabei. Nun bieten wir beide Möglichkeiten, um zu spenden.“ Welcher Geldbetrag bislang auf dem digitalen Klingelbeutel eingegangen ist, könne er aber noch nicht sagen. „Normalerweise spenden die Besucher pro Messe zwischen 100 und 300 Euro. Ungefähr 300 bis 400 Gläubige finden in der Kirche in Krumpendorf Platz. Wir sind noch in der Testphase.“

Wie Premur betont, befindet sich die Kirche gerade im Wandel, deshalb müssten gewisse Dinge hinterfragt und moderner werden. Denn die Zahl der Katholiken in unserem Land ist im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Demnach gab es mit Beginn 2022 hierzulande 4,83 Millionen Katholiken, 2020 waren es laut der Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz noch 4,91 Millionen, das ist ein Rückgang um 1,6 Prozent. Die Kirchenaustritte sind nach einer kurzen Beruhigung während der ersten Corona-„Lockdowns“ wieder gestiegen. Insgesamt traten im vergangenen Jahr 72.055 Personen aus der katholischen Kirche aus.

Stolz macht Hans-Peter Premur, dass Krumpendorf im „digitalen Klingelbeutel“ Vorreiter und die erste Pfarre bei uns ist, die ihn anwendet. „Wenn es am Wörthersee klappt, wird das neue Service auch von Toni Faber im Wiener Stephansdom verwendet“, freut sich der innovative Geistliche. Pfarren, die sich für die neue Art der Kollekte interessieren, können sich unter informatik@kath-kirche-kaernten an die Diözese wenden und erhalten entsprechende Informationen.
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