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Ausgabe Nr. 46/2022 vom 15.11.2022, Foto: Getty Images/iStockphoto
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Für die Aufbewahrung der Asche sind Tierbesitzern kaum Grenzen gesetzt. Das Angebot an Urnen ist riesig.
Eine Urne für „Füli“
Tiere sind für viele die besseren Menschen. Dementsprechend schwer fällt der Abschied, wenn der tierische Liebling stirbt. Wie Menschen auch, kann er eingeäschert werden und für immer mit seinem ehemaligen Besitzer verbunden bleiben.
Die Gründe, warum wir Menschen Tiere halten, haben sich geändert. Pferde werden nicht mehr vor den Pflug gespannt, Katzen müssen nicht mehr auf Mäusejagd gehen und Hunde kaum noch die Sicherheit im Haus gewährleisten. Die Vierbeiner, ebenso wie Vögel, wurden zum Hobby, zum Kuscheltier oder zu einem Wohnpartner, der die Einsamkeit vertreibt. Der soziale Aspekt hat den wirtschaftlichen abgelöst.

Die Bindungen sind innig, dementsprechend schwer fällt es Tierbesitzern, von ihrem Liebling Abschied zu nehmen. Dabei zeigt sich wie bei Menschen ein Trend zur Einäscherung, denn eine Urne mit den kärglichen Überresten lässt sich daheim überall hinstellen und die Erinnerung an die gemeinsame Zeit aufrechterhalten.

Einzeleinäscherungen von Vogel bis Pferd
In der steirischen Gemeinde Lebring, 30 Kilometer südlich von Graz, hat sich das Ehepaar Christina, 37, und Christian, 38, Pusnik darauf spezialisiert, Tierfreunden in ihrem Leid ein einmaliges Angebot unterbreiten zu können. „Wir bieten ausschließlich Einzeleinäscherungen an, auch wenn es sich dabei um ein ziemlich kleines Tier wie einen Hamster handelt“, erklärt die 37jährige. „Dabei bleiben nur wenige Gramm Asche übrig. Anders ist das bei der Einäscherung eines Pferdes. Es hinterlässt etwa 20 Kilo Asche.“

„Mein Herz ist gebrochen. Denn mein geliebter Hund ,Füli‘ ist erst vor ein paar Tagen gestorben. Für mich war es äußerst schmerzhaft mitanzusehen, wie er zum Schluss gelitten hat. Aufgrund eines Nierenleidens wurde er leider nur zwölf Jahre alt. Ich möchte ihn immer bei mir haben und habe mich deshalb für eine Einäscherung entschieden“, erzählt Eva Schuh. Die 86jährige Pensionistin ist dafür nach Lebring gekommen. „Ich hatte zuerst Angst vor dem Tag, an dem mein ,Füli‘ eingeäschert wird, denn ich hatte bei einem anderen Tierkrematorium vor vier Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Dort gab es für meinen Mischlingshund keine Einzeleinäscherung, sondern er wurde mit mehreren anderen toten Tieren verbrannt. Das fand ich schlimm, weil mir der Krematoriumsbetreiber nicht die Asche meines Tieres geben konnte. Doch hier fühlte ich mich von Frau und Herrn Pusnik sofort verstanden. Ich konnte sogar dabei sein, als ,Füli‘ mehr als eine Stunde lang im Verbrennungsofen war. Das gab mir ein beruhigendes Gefühl. Alles lief so friedvoll ab und als ich dann endlich die Urne in der Hand hielt, war ich überglücklich“, erzählt Schuh.

Der Abschied wird etwas erleichtert
Seit 20 Jahren bietet das Ehepaar das besondere Einäschern einzelner Tiere an. Mit steigender Nachfrage. Wobei die Verbrennung von Katzen 40 bis 60 Minuten dauert, jene von Hunden ungefähr eineinhalb Stunden. Christina Pusnik hat in ihrer mehrjährigen Tätigkeit schon viel erlebt.
„Von einer Boa bis zu einem Braunbären oder einem Koi haben wir schon jedes erdenkliche Tier eingeäschert.“ Ab 60 Euro kostet diese Arbeit für Kleintiere wie Hasen oder Vögel, bei Eseln und Pferden beginnt die Preisspanne bei 900 Euro. Für die Aufbewahrung der Asche sind den Tierbesitzern kaum Grenzen gesetzt, denn das Angebot an Urnen ist riesig. In Form und Größe. „Wir haben spezielle Designer-Urnen (ab 80 Euro), die wie Skulpturen, zum Beispiel von Pferden, aussehen, es gibt Glasurnen (ab 145 Euro) sowie Kartonurnen (ab 35 Euro), die sich zersetzen und sich somit zum Vergraben eignen. Zur Auswahl stehen aber auch Plüschtier-Urnen. Eine ältere Dame, die bettlägerig ist und ihren verstorbenen Hund immer bei sich haben wollte, hat sich für einen Teddybär entschieden, der im Bauch ein Sackerl hat, in dem die Asche aufbewahrt wird“, erzählt Pusnik, die sich für trauernde Kinder ebenfalls etwas Besonderes hat einfallen lassen.

Für sie gibt es ein kostenlose Trostbuch mit dem Titel „Die kleine Seele“, damit der Abschied vom geliebten Haustier nicht so schwerfällt. „Auch Eltern bekommen mit diesem Büchlein etwas in die Hand, das sie abends beim Kuscheln ihren Kindern vorlesen können, um allen den Abschied etwas zu erleichtern. Sämtliche Zeichnungen darin stammen von unseren beiden kleinen Kindern und so ist dieses Buch, wie auch unser gesamtes Tierkrematorium, ein Familienwerk, worauf wir überaus stolz sind“, sagt Christina Pusnik.

Mehrere tausend Einäscherungen führt das Tierkrematorium Lebring im Jahr durch. „Auf Wunsch holen wir Großtiere auch ab. Wenn jemand die Asche des Tieres nicht mit nach Hause nehmen möchte, kann er sie auch in eine unserer drei liebevoll gestalteten Sammelgruften in Graz am Neufeldweg, in Lebring auf dem Gelände des Tierkrematoriums oder in St. Josef in der Weststeiermark am Gelände des Franziskus Urnenhains im Schilcherland einbringen lassen“, erklärt der Steirer. „Die Asche des Tieres wird dabei ohne Urne beigesetzt und kann daher nicht wieder entnommen werden. Ein Namensschild auf einem der Gedenksteine erinnert an das verstorbene Tier. Die Sammelgruft in Lebring beinhaltet auch die Asche einiger herrenloser verstorbener Fundtiere, deren Besitzer wir leider trotz Bemühungen nicht ausfindig machen konnten.“

Der Haflinger „Waisky“ dagegen wird wohl nie vergessen werden. Seine Überreste sind im Wohnzimmer seiner Besitzerin Nicole Hörmannseder, 43, aufbewahrt. „Ich wollte mein Pferd immer bei mir haben, deshalb hätte ich es nie übers Herz bringen können, es irgendwo entsorgen zu lassen“, sagt sie. „Mein ,Waisky‘ war mein Baby und ist vor einer Woche nach 30 Jahren gestorben. Er ist einfach umgefallen, es war ein Schlaganfall.“

Die Wienerin war zwar bei der sechs Stunden dauernden Verbrennung ihres vierbeinigen Lieblings nicht dabei, „doch als die Mitarbeiter des Tierkrematoriums bei mir waren, um ,Waisky‘ abzuholen, haben sie ihn unglaublich liebevoll und behutsam aufgehoben, mit viel Mitgefühl. Das war schön und tröstlich“, sagt Hörmannseder. Die 20 Kilo Asche bewahrt sie nun in einer kleinen Holztruhe auf. „Sie steht bei mir im Wohnzimmer, gemeinsam mit einem Bild von ,Waisky‘. Denn es ist für mich ein schönes Gefühl, ihn auf diese Weise jeden Tag um mich zu haben.“
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