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Ausgabe Nr. 45/2022 vom 08.11.2022, Foto: ORF/WDR/Thomas Kost
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20 Jahre „Tatort Münster“ mit Axel Prahl, 62, und Jan Josef Liefers, 58.
20 Jahre „Tatort Münster“: Zwischen Leichenstarre und Wortwitz
Seit 20 Jahren gibt es den „Tatort“ aus Münster, und ebenso lange sind diese tragikomischen Krimis Garanten für Rekordquoten. Die Zugpferde des Erfolges sind Axel Prahl und Jan Josef Liefers als von Hassliebe und witzgescheiten Dialogen zusammengeschweißte Ermittler.
Herr Prahl, Herr Liefers, erinnern Sie sich noch, wie das war, als Sie vor 20 Jahren zum ersten Mal gemeinsam für einen Münster-„Tatort“ vor der Kamera standen?
Prahl: Selbstverständlich. Wir spielten eine Begegnung im Hausflur und ich hatte einen Karton mit einem zentnerschweren Bettgestell auf dem Rücken. Ich weiß auch noch, dass auf diesem Karton stand „Ihrem Rücken zuliebe“. Und der Herr Professor sagte, „Ach, da sind Sie ja“ – oder so ähnlich.
Liefers: Kurz danach hast du mir mit dem Karton zwei Zähne ausgeschlagen. Es war gewissermaßen der Beginn dieser Hassliebe zwischen dem Kommissar und dem Rechtsmediziner.

Wie war Ihre anfängliche Beziehung zueinander abseits der Kamera?
Prahl: Von meiner Seite aus war es Liebe auf den ersten Blick. Er war ein Kollege, wie ich ihn mir immer gewünscht hatte.
Liefers: Bei mir war es ähnlich. Außerdem war ich Axel dankbar, dass er gegen meine Interpretation des Professor Boerne keine Einwände hatte. Weil den – ich sage das ohne falsche Bescheidenheit – habe größtenteils ich erfunden. Mit dem Charakter des Pathologen, wie er im Drehbuch stand, hatte das nur noch wenig zu tun. Aus ihm einen arroganten, blasierten Widerling zu machen, der nur in Notsituationen ahnen lässt, dass er auch gutherzig sein kann – das ist auf meinem Mist gewachsen. Brille und Bart waren ebenfalls mein Einfall.

Die 20-Jahre-Jubiläumsfolge trägt den Titel „Ein Freund, ein guter Freund“. Sind Sie privat miteinander befreundet?
Prahl: Absolut. Wenn er Geburtstag hat, bin ich eingeladen. Wenn ich Geburtstag habe, ist er eingeladen.
Liefers: Wir sind tatsächlich Freunde. Nicht nur bei der Arbeit oder bloß für die Medien.

Gibt es irgendetwas, das Sie dem anderen nicht vergessen werden?
Prahl: Nachtragend zu sein, ist eine Eigenschaft, die ich ablehne. Ich bevorzuge es, die Dinge zu besprechen und danach zu den Akten zu legen.
Liefers: Er hat einmal ein Cola in einen zwölf Jahre alten, kellergereiften Spitzen-Rotwein geschüttet, damit er ihm besser schmeckt. Unverzeihlich – und daher auch unvergesslich.

In den „Tatort“-Krimis sind Sie die Chefs. Aber wie sieht das bei Ihnen zu Hause aus?
Prahl: Das beantworte ich nicht. Das ist eindeutig eine Frage für meine Frau (lacht).
Liefers: Ich bin der Chef, ganz klar. Aber eigentlich müsste ich erst die Chefin fragen, ob ich das sagen darf.

Was ist das Geheimnis des anhaltenden Riesenerfolges der „Tatort“-Krimis aus Münster?
Prahl: Es ist die Mischung aus Grauen und Humor.
Liefers: Ich sage jetzt sicher nicht: ich. Es ist das Team, mit Axel, ChrisTine Urspruch, 52, und Mechthild Großmann, 73.

„Tatort: Ein Freund, ein guter Freund“
Sonntag, 13.11., 20.15 Uhr, ORF2 und Das Erste
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