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Ausgabe Nr. 44/2022 vom 01.11.2022, Foto: Just Loomis/Universal Music
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Die neuen Lieder klingen weit weniger nach Synthie-Pop. Die Zusammenarbeit mit einem Orchester machte es möglich.
Nur auf der Bühne hassen sie sich nicht
Für die Produktion ihres neuen Albums „True North“ (bereits im Handel) haben sich die norwegischen Popmusiker der Band „a-ha“ Morten Harket, 63, Magne Furuholmen, 60, und Paul Waaktaar-Savoy, 61, etwas Einmaliges einfallen lassen. Sie haben die Platte in Bodö, 90 Kilometer nördlich des Polarkreises, mit dem „Arctic Philharmonic Orchestra“ aufgenommen. Die Lieder klingen daher weit weniger nach Synthie-Pop als etwa der größte Hit der Band „Take On Me“ aus dem Jahr 1985. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit Magne Furuholmen (im Bild rechts) darüber gesprochen.
Sie haben in Ihrer 40jährigen Karriere schon einige Abenteuer erlebt, aber wie war es, das neue Album am Polarkreis und mit einem kompletten Orchester einzuspielen?
Es war einzigartig.

Von den Aufnahmen, die im November 2021 stattgefunden haben, wurde auch gleich noch ein Film gedreht. Seit wie vielen Jahren hatten Sie dieses Großprojekt geplant?
Alles ging ziemlich kurzfristig über die Bühne. Und es hört sich vielleicht verrückt an, aber wir haben dieses Album sehr wahrscheinlich der Pandemie zu verdanken. Ohne Corona hätten wir die Muse und die Ruhe, uns neue Musik auszudenken und auf diese Weise umzusetzen, vermutlich nicht gehabt.

Wie entstand denn die Idee für „True North“?
Vor dem Fernseher. Ich muss noch einmal in Erinnerung rufen, was 2020 los war. Wir wollten eigentlich im Zuge unserer „Hunting High and Low“-Jubiläumstournee von Auckland in Neuseeland nach Tokio in Japan fliegen, als der internationale Flugverkehr praktisch von einer Minute auf die andere gestoppt wurde und wir gerade noch nach Hause kamen, Morten und ich nach Oslo (Norwegen) und Paul nach Los Angeles (USA). Plötzlich hatte ich alle Zeit der Welt, neue Lieder zu schreiben und mir auf dem Sofa Bruce Springsteens „Western Stars“-Aufführung am Broadway anzuschauen. Seine Show löste etwas in mir aus. Ich wollte mit einem neuen Projekt endlich einmal deutlich machen, wo wir herkommen und wo unsere kulturellen Wurzeln liegen. Der Plan war, eine melancholisch-musikalische Reise in die wilde norwegische Landschaft zu unternehmen und unsere Version von „Western Stars“ zu verwirklichen.

Gehörte ein neues Album von Anfang an zum Plan?
Nein, denn wenn wir ein Album machen, hassen wir drei uns nach wenigen Wochen wieder, und das wollte ich vermeiden. Aber auch hier war Corona unsere Rettung. Ich kam mit Paul überein, dass wir separat schreiben und Morten dann unsere Kompositionen präsentieren.

Warum hassen Sie sich gleich wieder?
So war das schon immer. Wir sind wirklich ziemlich verschieden, und manche Situationen lösen einfach Konflikte aus. Vor allem im Studio kämpfen wir um alles und jedes, ständig reißen sechs Hände am Lenkrad herum, das ist für uns alle äußerst anstrengend. Am stärksten im Einklang sind wir auf der Bühne, wenn jeder ganz bei sich ist, und wir zugleich als Team auftreten. Aber ich habe auch den Eindruck, uns wird immer klarer bewusst, dass wir ein gemeinsames Erbe kreiert haben und dieses Erbe pflegen müssen. „a-ha“ ist unser Schicksal. Wir haben wiederholt versucht, vor „a-ha“ davonzulaufen – doch die Band hat uns immer wieder eingefangen.

Zum Glück, oder?
Ja, es ist schön, dass es die Band noch gibt. Wir waren noch halbe Kinder, als wir 1982 anfingen.

Eine Zeile im Titellied „True North“ lautet: „Gute Matrosen kehren immer zurück“. Ist „a-ha“ Ihr sicherer Hafen?
Nicht immer fühlt es sich so an. Ich schrieb den Song nicht unmittelbar mit „a-ha“ im Hinterkopf, aber er lässt sich zweifellos auf uns anwenden. Manche Seeleute kentern auf dem Meer und kehren nie wieder zurück. Du kannst schon von Glück sagen, wenn du es wieder an Land schaffst. Ich schrieb „True North“ jedoch eher als klassischen Beziehungssong. Es geht um das Ideal eines inneren Leuchtfeuers, das dir immer wieder den Weg in den Hafen weist.

Wie eng ist Ihre Verbindung zum Meer?
Sehr eng. Ich habe ein Boot, auf dem ich viel Zeit verbringe. Und ich bin in Projekte mit Bezug zum Meer eingebunden, darunter das „Red Ocean Project“, das ein riesiges Forschungsschiff entwickelt. Einer meiner Freunde ist Kunstsammler und dank des Ozeans reich geworden. Er will etwas zurückgeben und auf diesem Schiff sechzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen, die den Ozean erforschen sollen. Mein Beitrag zu diesem Mammutprojekt sind visuelle Konzepte und Ideen – auch deshalb habe ich meine neuen Songs wohl mit Meeresmetaphern regelrecht gepfeffert.
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