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Ausgabe Nr. 44/2022 vom 01.11.2022, Foto: zVg
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Wenn es gestürmt hat, ist Rittertum Schwerarbeit.
Edle Helfer mit Rechen und Schaufeln
Ein Naturerlebnis für große und kleine Wanderer bietet der Kreuzberg in der Marktgemeinde Weyer (OÖ). Damit das so bleibt, gibt es die Kreuzbergritter. Ihre Waffen sind nicht Hellebarde, Lanze oder Schwert. Mit Rechen, Besen, Schaufeln, Krampen und Motorsägen sorgen die ehrenamtlichen Landschaftspfleger dafür, dass die Wanderwege sauber bleiben.
Jetzt gemma‘s wieder an“, sagt Josef Schuller zu seiner „Gefolgschaft“. Hochmotiviert und voller Tatendrang macht sich die Gruppe auf den Weg zur ihrer Wirkungsstätte, die am Kreuzberg in Weyer (OÖ) liegt. Ihr Ziel ist, die Wanderwege des Hausberges der kleinen Gemeinde im Traunviertel zu pflegen, sie von umgefallenen Bäumen freizulegen, zu sichern, zu säubern, zu befestigen und Bänke zu errichten. Eine umfangreiche und kräftezehrende Aufgabe, verteilt sich doch ein etwa 17 Kilometer langes Netz aus Wegen und Steigen über die Anhöhe. Im Ort sind die begeisterten Landschaftspfleger als die Kreuzbergritter bekannt.

Aufgrund der imposanten Kreuzigungsgruppe trägt der Berg, dessen höchster Punkt 623 Meter über dem Meeresspiegel liegt, seinen Namen. Die Bezeichnung Kreuzbergritter wurde den helfenden Händen von der Heimatdichterin Maria Mittermaier gegeben, der sich schnell in der Bevölkerung verbreitete. Allen voran steht Josef Schuller, der sich seit etwa zwölf Jahren aufopfernd für diese Arbeit engagiert.

„Es ist für mich wie ein Hobby“, sagt der 73jährige voller Elan. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und pflegen eine herzliche Kollegenschaft.“ 15 Kreuzbergritter und Kreuzbergrittersfrauen zählt die „Interessengemeinschaft für die Erhaltung des Naturschutzgebietes Kreuzberg in Weyer“, wie die etwas sperrige Eintragung im Vereinsregister lautet und der Obmann Franz Schörkhuber, 69, seit acht Jahren vorsteht.

„Die kleinen Wanderer sind begeistert von den sieben Bücherboxen, die mit Büchern über Wald, Natur, Fauna und Flora gefüllt sind. Mehr noch erfreuen sich die Besucher an den Wurzelgesichtern, die vom 87jährigen Künstler Fritz Kranzmayr und dessen Vorgänger Rudi Katzensteiner liebevoll gestaltet und auf die Bäume verbracht wurden. Mehr als 100 Zwerge und andere Holzkreaturen sind am Kreuzberg im Zwergerlwald zu finden“, erzählt der Obmann.

Am Weg zum Gipfel kommen Wanderer an einem Zwergenfriedhof vorbei. „Da ruhen die Zwerge, die vom Baum gefallen sind“, sagt der sympathische Kreuzbergritter Josef Schuller lachend. Der „Ober-Ritter“ ist der Anführer der Edelmänner, die jeden Dienstag am Vormittag ausreiten. Nicht hoch zu Ross, aber dafür mit großem Tatendrang. Schuller organisiert die Arbeiten am Berg. Fachgerecht werden vielseitige Tätigkeiten bewältigt. Von halb acht bis elf Uhr wird gearbeitet. Mitunter ist es auch gefährlich.

„Die Stürme im Februar dieses Jahres haben auch auf dem Kreuzberg gewütet und im steilen Gelände zahlreiche Bäume auf und über die mühsam angelegten Steige gestürzt. Da muss man schon wissen, was man tut. Wir arbeiten ohne große Maschinen und ohne Traktoren am Berg. Das ist dann schon ein Kraftakt. Der Spaß und die Freude kommen aber nie zu kurz. Wir sind eine gesellige Truppe und bei uns herrscht immer gute Stimmung. Täglich besteigt einer von uns Kreuzbergrittern den Berg, um nach dem Rechten zu sehen.“

Den Kreuzbergrittern stehen auch Blumenelfen zur Seite
Wer einmal hilft, ist nicht gleich Kreuzbergritter. „Die Anwärter müssen sich da schon öfter sehen lassen und mitarbeiten. Einen Ritterschlag bekommen die helfenden Hände jedoch nicht“, sagt Josef Schuller schmunzelnd, der jeden Einsatz am Berg dokumentiert und im Jahr an die 1.000 Arbeitsstunden verzeichnen kann. Die Arbeiten beginnen, sobald die Sonne den letzten Schnee geschmolzen hat und etwa Anfang November wird der Berg „eingewintert“. Die ersten und letzten Arbeiten sind, die Wege vom Laub zu befreien. „Wir kehren alle Wege ab, damit der Weg durch das Laub nicht verdreckt und rutschig wird. Da arbeiten wir einige Tage dran“, erzählt der Kreuzbergritter von diesem unglaublichen Arbeitsaufwand. Auf die Frage, warum sie keine Laubbläsegeräte verwenden, lacht Schuller nur und sagt, dass das viel zu viel Lärm verursachen würde.

„Die Kreuzbergritter sind in der Gemeinde hoch angesehen. Ebenso wie die sieben Blumenmädchen und die zwei Blumenelfen, die es sich seit etwa 20 Jahren zur Aufgabe gemacht haben, den Marktplatz und den Kreuzbergparkplatz mit farbenfrohen Blumentrögen und -beeten zu gestalten.“ Greti Schmölz hat die Untergruppe der Kreuzbergritter ins Leben gerufen. „Ein Mal im Monat arbeiten wir für die Schönheit in der Gemeinde.“
„Wir haben hier eine wunderbare Landschaft und Natur. Wir sind alle äußerst naturverbunden. Unser 85jähriger ‚Holzknecht‘ ist der älteste Kreuzbergritter. Die jüngsten Zugänge sind um die 60 Jahre alt. Wir sind im Altersdurchschnitt eher hoch, aber wir sind fit, jung und aktiv. Wir schätzen das Naturjuwel, das wir vor der Haustüre haben und diese Arbeit erfüllt uns Kreuzbergritter mit Stolz“, bringt Josef Schuller ihre Arbeit für Gottes Lohn auf den Punkt.
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