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Ausgabe Nr. 38/2022 vom 20.09.2022, Foto: www.neumayr.cc
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In der Salzburger Altstadt geht es hoch her.
Karussell in die Vergangenheit
Kaum haben die Salzburger und ihre Gäste die Roben der Festspiele im Schrank verstaut, machen sie sich auch schon wieder schick für das nächste Großereignis. Tracht ist nun das bevorzugte Kleidungsstück, wenn es aus aller Munde heißt: „Geh ma zum Ruperti.“
Ruperti, so nennen die Salzburger liebevoll den seit 45 Jahren rund um den 24. September, den Namenstag des Salzburger Landespatrons Rupert, stattfindenden Kirtag. Dann verwandelt sich die historische Altstadt in ein lebhaftes und buntes Treiben. In dem Erinnerungen an frühere Feste wach werden, ein Karussell in die Vergangenheit …
Die Freude ist dem kleinen Tom deutlich anzusehen. Seine Augen strahlen, während er an der Lederhose seines Papas zupft. „Papa, bitte, noch einmal Ballstechen, noch einmal“, bettelt der Siebenjährige herzerweichend. „Na gut“, murmelt sein Papa, „immerhin ist nur einmal im Jahr Ruperti-Kirtag.“ Papa Arno ist gebürtiger Salzburger, der seit Studienzeiten in Innsbruck (T) lebt.

Der erste Kuss, das erste Bier
Mit dem Kirtag verbindet er viel, das Fest ist ein Fixpunkt für ihn, denn hier trifft er sich mit alten Freunden und der Familie. „Seit der Schulzeit gehen meine Freunde und ich auf den Ruperti-Kirtag. Das erste erlaubte Bier, der erste Flirt, der erste Kuss, all das gab es hier“, erinnert sich Arno Recheis lächelnd an seine Jugend in Salzburg zurück. Mittlerweile besucht er mit seinen eigenen drei Kindern den Kirtag, bereits am Vormittag, und wenn die Kinder dann am Abend bei Oma und Opa glücklich und zufrieden in den Schlaf fallen, geht‘s mit den Freunden lustig weiter.

„Wie in der Jugend messen wir uns im sportlichen Fünfkampf: Dosenwerfen, Luftdruckgewehr-Schießen, im Dartspiel, mit Pfeil und Bogen und mit der Armbrust. Es geht um Ruhm und Ehre, der Verlierer zahlt – eh klar – eine Runde.“ Dabei kommt das Seiterl Bier auf 3,70 bis 4,20 Euro. Wer zur Halben greift, muss zwischen 4,90 Euro und 5,20 Euro hinlegen und die Maß kostet etwa 11,20 Euro. Wer nach dem Fünfkampf hungrig ist, kann ein Hendl um rund 13 Euro genießen.

Während Arno Recheis das erzählt, hat der 50jährige die gleichen strahlenden Augen wie sein Sohn. Seine beiden Töchter Lisa, 12, und Jana, 15, dürfen heuer zum ersten Mal allein mit ihren Freundinnen ihre Runden drehen. „Die Tradition lebt“, meint er lachend.
Das gilt ebenso für Alexandra Deisenhammer aus der gleichnamigen Schaustellerdynastie. Sie sitzt in dem kleinen Kassahäuschen der „Schaukelnden Boote“, wie die Salzburger liebevoll das Fahrgeschäft „Sturmsegler“ nennen.

Der fröhliche Hans Wurst
Seit dem ersten Ruperti-Kirtag im Jahr 1977 sind die Boote ein Fixpunkt am Kapitelplatz. Schon als Sechsjährige war sie mit dabei, durfte Fahrchips einkassieren und später dann auch verkaufen. Das Treiben fasziniert sie nach wie vor. „An der Kassa zu sitzen und Eltern zu ihren Kindern sagen zu hören: ‚Schau! Da sind schon meine Eltern mit mir als kleines Kind gefahren. Jetzt fahr ich mit dir!“ Eine Runde Sturmsegler dauert rund zweieinhalb Minuten, einen Chip gibt‘s um vier Euro, und wer öfter eine Runde drehen möchte, ist mit drei Chips um zehn Euro gut beraten. Plötzlich geht ein Raunen durch die Menge und laute Kinderstimmen mischen sich in die quirligen Kirtagsgeräusche, in das Hupen des Autodroms, das herzliche Lachen der Kinder, das euphorische Kreischen der Teenager. „Der Hans Wurst kommt!“

Und tatsächlich, da ist er, der Mann des Kirtags. Ohne ihn gibt es kein Ruperti-Fest. In seinem ziegelroten Wams, seiner speckigen Lederhose und vor allem mit seinem hohen, grünen Spitzhut mit zwei weißen Hahnenfedern obenauf ist er unverkennbar die schillerndste Persönlichkeit inmitten des bunten Treibens. Er ist der Mann, der mit dem Hissen der Marktfahne den Kirtag offiziell für eröffnet erklärt.

Er flaniert als Spaßmacher über den Kirtag, ist immer für einen Plausch bereit und scherzt mit den Kindern. Das ist die eine Seite der Kirtagsfigur, die auf das im 17. Jahrhundert von Anton Stranitzky begründete Altwiener Volkstheater zurückgeht. Und die andere: „Ich bin nicht nur der Gaudi-Max, wie vielleicht viele vermuten“, sagt der Pongauer Johannes Franz Rupert, der den Hans Wurst verkörpert. „Oft bin ich Seelentröster für unglücklich Verliebte oder auch trauernde Menschen. Der Hans Wurst ist für alle Menschen da.“

Es ist was los am Salzburger Rupertikirtag
21. bis 25. September
Öffnungszeiten:
Mi, Do und Fr: 10.00–22.30 Uhr,
Sa und So: 11.15–22.30 Uhr
20 Handwerksstände
Insgesamt 113 Attraktionen
(Fahrgeschäfte und Standln)
Rund 60 Veranstaltungen

Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen:
Mi., 21. Sept., 12.00 Uhr:
Feierliche Eröffnung

Do., 22. Sept., 17.30 – 19.30 Uhr:
Brauchtumsgruppe Salzburg
West, Salzburger Volkslied-
singkreis und Schmittenstoana

Fr., 23. Sept., 13.30–14.30 Uhr:
Freisprechfeier der
Maler und Tapezierer

Sa., 24. Sept., 11.30–16.00 Uhr:
„Salzfassschießen“
im Innenhof der Residenz

So., 25. Sept., 15.00–18.00 Uhr:
Tanzlmusi aus dem Lungau
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