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Ausgabe Nr. 37/2022 vom 13.09.2022, Foto: Freesurf - stock.adobe.com
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In Manarola stehen die Gebäude eng beisammen.
Die schönsten Dörfer Italiens
Pastellfarbene Häuserfassaden sind das Markenzeichen der fünf Dörfer in der „Cinque Terre“. Die italienischen Orte sind eingebettet in steile Felshänge. Sie beeindrucken mit einer gewaltigen Naturkulisse, Weinbau und Stränden.
Wie eine Sichel erstreckt sich Ligurien entlang der Küste im Nordwesten Italiens. Die Region am Stiefelansatz ist schmal, dafür aber mehr als 300 Kilometer lang. Die Küste ist geprägt von steilen Felswänden, die vom Meer umtost werden.
Der wohl spektakulärste und beliebteste Küstenabschnitt ist aber nur zwölf Kilometer lang. Die „Cinque Terre“, zu Deutsch „fünf Länder“, ist ein Sehnsuchtsort vieler Urlauber. Sie besteht aus den fünf Dörfern Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore.

Die Dörfer sind von bunten Häusern geprägt, die sich an den steilen Felswänden emporschmiegen. Obwohl sich die Orte optisch ähneln, weisen sie alle unterschiedliche Merkmale auf. „Früher waren die Dörfer nur über den Seeweg oder zu Fuß zu erreichen. Mit dem Bau der Eisenbahn kamen auch die ersten Besucher zu uns“, erzählt Rudy Biassoli, der Chef des Tourismusvereins von „Cinque Terre“.

Die Bahn und das Schiff sind als Anreisemittel zu empfehlen. „Vom Meer aus bietet sich der schönste Anblick auf das Häusergewirr. Zudem gibt es direkte Zugverbindungen von den nahegelegenen Städten Pisa, Genua und La Spezia. Der Zug fährt an der Küste entlang“, sagt der Italiener.
Die Dörfer sind zudem durch Fußwege miteinander verbunden. Für die Küstenwanderwege ist eine Gebühr zu entrichten. „Ich empfehle den ,Cinque Terre Pass‘ zu kaufen, den es an jedem Bahnhof und im Tourismusbüro gibt. Er deckt alle Zugfahrten und die Gebühren für die Küstenwanderwege ab“, gibt Biassoli einen Tipp.

Einen großen Wanderrucksack brauchen die Ausflügler nicht mitzunehmen. Für die Strecke zwischen zwei Dörfern sind maximal 1,5 Stunden einzuplanen. Der erste Ort auf der Karte ist Riomaggiore. Das Dorf ist bekannt für seine Glockentürme, die eng nebeneinander stehenden pastellfarbenen Häuser und den Weinbau. Auf terrassenförmig angelegten Weinbergen gedeiht die Weißwein-Traube Bosco.

Die Rieden sind der Arbeitsplatz von Heydi Bonanini. Er ist einer der letzten hauptberuflichen Winzer der Region. „Bald beginnt die Weinlese. Früher wurden die Trauben in Körben die steilen Hänge hinunter zum Meer getragen und auf Boote verfrachtet. Heute haben wir eine bequemere Unterstützung“, sagt der Winzer und deutet auf schmale Eisenstangen, die sich durch den Weinberg winden.
Sie sind Teil einer Zahnradbahn, der sogenannten „Treninos“. Mit Motorkraft werden die Körbe mit den Trauben transportiert. Der hohe Aufwand lohnt sich. Hier wächst ein Wein, den es sonst nirgendwo gibt.

Aus den Bosco-Trauben wird der Likörwein „Sciacchetrà“ hergestellt. „Das ist ein süßer Wein, der im Abgang etwas salzig schmeckt. Das liegt daran, dass er Meeresluft schnuppert“, erklärt Bonanini.
Die Weinberge begleiten die Besucher auch bei der Reise zum nächsten Dorf. Zwischen Manarola und Riomaggiore befindet sich der in Felsen gehauene Liebesweg. „Leider ist er bis zum nächsten Jahr gesperrt. Es gibt auch einen anderen Weg ins Nachbardorf für all jene, die zu Fuß die Region erkunden möchten“, erzählt der Italiener.

Das sehenswerteste Ereignis ist in Manarola in der Straße „Via Birolli“ zu bestaunen, die sich beim Hafen befindet. Die Menschen leben hier vom Fischfang. Da die steile Küste keinen Platz für alle Boote bietet, werden sie mit einer Seilwinde aus dem Wasser gezogen und auf der Straße gestapelt.

Der nächste Ort auf der Route ist Corniglia. Es ist das einzige Dorf, das keinen Zugang zum Meer hat. Es thront auf einem Felsvorsprung 100 Meter über dem Meer. Wer mit dem Zug anreist, muss die Lardarina-Treppe erklimmen, die vom Bahnhof hinauf zum Dorf führt. Sie ist 382 Stufen lang.
Weniger schweißtreibend ist die Wanderung ins Nachbardorf Vernazza. Selbst wenn Besucher noch nie dort waren, haben sie das Dorf vielleicht schon gesehen. Der Disney-Film „Luca“, der im vergangenen Jahr im Kino zu sehen war, wurde von Vernazza inspiriert.

Vernazza gilt als das schönste der fünf Dörfer. Häuser mit bunten Fassaden stehen dicht nebeneinander. Am höchsten Punkt thront eine Festung. In der Hauptstraße gibt es zahlreiche kleine Restaurants. „Der Duft von frittierten Meeresfrüchten liegt in der Luft. Sie werden mundgerecht in Papiersackerln gereicht. Das ist eine der Spezialitäten von Cinque Terre“, verrät Bonanini.
In Vernazza gibt es auch einige Buchten, in denen Urlauber ins Meer hüpfen können. Der schönste Strand aber befindet sich in Monterosso, dem größten der fünf Dörfer, das von Zitronenbäumen umgeben ist.

„Der Sandstrand in Monterosso ist in der Nähe des Bahnhofes im Ortsteil Fegina zu finden. Er ist nicht zu übersehen, weil dort eine 14 Meter hohe Steinfigur in den Felsen gehauen ist. Die Statue heißt ,Gigante‘ und stellt den Meeresgott Neptun dar. Das Meer ist bis Ende Oktober warm und lädt zum Baden ein.“

Zu den Dörfern reisen
Anreise: Flug nach Genua, Florenz oder Pisa, Weiterfahrt mit dem Zug. Mit dem „Flix“-Bus von Wien nach La Spezia um € 76,–, 19,5 Stunden Fahrtzeit.
Cinque Terre Card: inkludiert unbegrenzte Zugfahrten zwischen den Dörfern und die Gebühr für die Wanderwege.
1 Tag € 18,20, 2 Tage € 33,–.
Unterkunft: „La Malà“ in Vernazza, alle Zimmer mit Meerblick, € 160,– pro Zimmer/Nacht für 2 Personen inkl. Frühstück, www.lamala.it.
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