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Ausgabe Nr. 36/2022 vom 06.09.2022, Foto: www.amazingvisuals.ro
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Lucca Lucian, geboren am 2. Februar 1977 in Wien, Zauberkünstler und Mentalist, lernte 2011 Anca, geboren am 10. Dezember 1984 in Cluj (Rumänien) kennen. Nach der Hochzeit (2012) führte er sie in die Zauberkunst-Welt ein.
In Wien zu sehen sind Anca & Lucca in „Der Salon des Staunens“ im Park Hyatt Vienna-Hotel (Termine: www.salonmagie.at) sowie im Theater Akzent am 16. April 2023 mit ihrer mentalmagischen Theater-Show „The Mind-Reading Revolution“ (www.mindreading.show). Das Paar lebt mit seinen beiden Söhnen in Wien.
„Es war Magie“
Die neuen Weltmeister der Mentalmagie kommen aus unserem Land. Anca, 37, und Lucca Lucian, 45, haben beim Magie-Bewerb im kanadischen Quebec den goldenen Pokal errungen. Ein Gespräch über magische Effekte, zauberhaftes Kennenlernen und den Traum von der eigenen Theaterbühne.
Anca und Lucca Lucian, herzlichen Glückwunsch zum Weltmeister-Titel. Was ist denn Mentalmagie?
Lucca Lucian: Verbunden mit viel Training und allen Tricks der Zauberkunst, garniert mit Geheimnissen, geht es bei der Mentalmagie um Gedankenlesen und Vorhersagen. Kurzgesagt, Mentalmagie ist eine Disziplin der Zauberkunst, so wie die Abfahrt eine Disziplin beim Schifahren ist. Theoretisch kann Mentalmagie jeder lernen. So wie jeder eine Etüde von Chopin spielen kann – theoretisch.

Anca Lucian: Mich hat Lucca, der schon 25 Jahre damit arbeitet, in die Mentalmagie eingeweiht. Davor war ich mit Finanz-Analysen beschäftigt und nebenbei als Tänzerin, ich habe schon mit vier Jahren zu tanzen begonnen.

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Anca L.: In einer Cocktailbar und es war mehr als Liebe auf den ersten Blick. Es war echte Magie, obwohl ich erst später erfuhr, dass Lucca Magier ist.

Lucca L.: Wir sind nun elf Jahre zusammen, zehn davon verheiratet. Von Anfang an gab es eine Symbiose zwischen uns.

Anca L.: Wir sind beide extrem romantisch. Ich hatte zuvor Beziehungen, in denen den Männern meine Romantik zu viel war und Lucca ging es genauso. Bei uns beiden passt es nun.

Hilft Ihnen Ihr analytisches Verständnis in der Magie?
Anca L.: Auf der Bühne kann ich meine beiden Leidenschaften optimal ausleben und logisches Denken mit meiner künstlerischen Ader verbinden.

Lucca L.: Wir kombinieren Tanz und Mentalmagie, was eine völlig neue Dimension ist. Anca tanzt mit verbundenen Augen und lässt dabei 16 Ringe mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter in 16 Quadrate fallen. Jeder Ring enthält eine Zahl zwischen 0 und 33. Welche 16 der insgesamt 33 Ringe sie verwendet, entscheidet Anca spontan. Dann entsteht ein magisches Quadrat, welches das Alter des zufällig ausgewählten Zuschauers ergibt. Die Illusion führten wir 2021 bei der Europameisterschaft zum allerersten Mal vor und bekamen die Silbermedaille, obwohl wir uns damit in einem frühen Entwicklungsstadium befanden. Mit der Nummer möchten wir in drei Jahren wieder antreten, um erneut Gold zu holen.

Welche magischen Pläne haben Sie noch?
Lucca L.: Abgesehen vom Streben nach einer zauberhaften Weltherrschaft (lacht), ist es unser Wunsch, ein eigenes Theater in Wien zu haben. Dort sollen die vielen guten Magier, die wir kennen, auftreten.

Anca L.: Wir haben uns gefragt, warum soll Las Vegas (USA) die Magier-Metropole sein, wenn doch Wien eine der Geburtsstätten der modernen Zauberkunst ist.

Lucca L.: Die Amerikaner schauen trotz all ihrer „Superstars“ neidvoll über den Teich, wie hochqualitativ die Zauberkunst in Europa ist. Das hat viel mit Bildung und Aufklärung zu tun. Die Zauberkunst ist ja eine intelligente Form der Unterhaltung – Theater mit Spezialeffekten. Wir treten lieber vor Publikum in Salzburg, in einem Kärntner Schloss oder Wiener Theater auf als in Las Vegas, wo stark nach unten nivelliert werden muss, weil dort intelligenter, feinsinniger Wortwitz für die breite Masse nicht funktioniert.

In welchen Ländern entwickelt sich die Mentalmagie am meisten?
Anca L.: In England, Derren Brown, eines unserer Vorbilder, ist immer ausverkauft. Auch in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und in unserem Land ließen sich die Menschen immer schon gerne verzaubern.

Lucca L.: Die Wiener Hofzinser und Döbler waren in der Biedermeier-Zeit europaweit die berühmtesten Zauberer. Es gab Döbler-Krawatten und Döbler-Torten. Döbler hat mit seinen Auftritten zwei Mal das Theater in der Josefstadt vor dem Konkurs gerettet.

Die Magie als Krisenhelfer, das klingt gut. Würden sich Krisen wegzaubern lassen, das wäre doch DIE Herausforderung?
Lucca L.: Zumindest im Kleinen gelingt es. Staunen und Lachen können nachweislich den Heilungsprozess kranker Menschen beschleunigen.

Anca L.: Der magische Effekt ist Illusion, aber die emotionale Reaktion des Zuschauers ist real.

Ist das Potenzial der Illusionen nicht schon nahezu erschöpft?
Lucca L.: In der Zauberkunst gibt es nur 19 unterschiedliche Effekte. Etwas verschwinden, erscheinen oder schweben lassen und so weiter. Als ich zu zaubern begann, habe ich einen 90jährigen erfahrenen Kollegen gefragt, ob die Zauberkunst dadurch nicht extrem begrenzt sei. Er antwortete, „Es gibt nur 26 Buchstaben im Alphabet und wie viele Bücher wurden schon geschrieben? Genauso ist es mit der Zauberei.“

Haben Sie beide ein fotografisches Gedächtnis?
Lucca L.: Wir können beide mit unseren Kindern bei Memory mithalten (lacht).

Sind Ihre Söhne auch schon kleine Zauberer?
Anca L.: Beiden – Eneas ist fast acht, Amias fünf – gefällt es, was Mama und Papa machen. Sie machen schon Kartentricks, versuchen, Lösungen zu finden, und Show-Erfahrung haben sie auch. Eneas war in 20 Ländern, Amias in 14 Ländern mit uns unterwegs. Als wir von der Weltmeisterschaft heimkamen und Eneas den Pokal sah, war er total begeistert. Jetzt ist er sich nicht mehr ganz sicher, ob er Fußballer oder doch lieber Magier werden soll.

Womit haben Sie bei der Weltmeisterschaft die Jury beeindruckt?
Lucca L.: Wir waren davor bereits zwei Mal Vize-Weltmeister. Worin wir uns diesmal steigerten, war die Inszenierung, die von Anca kommt.

Anca L.: Und mein Ursprung. Ich komme aus Rumänien, genauer gesagt, aus Transsilvanien, der Heimat von Dracula, des bekanntesten Vampir-Fürsten. Das ist die Erklärung (lacht).

Lucca L.: Tatsächlich schlüpft Anca, ich bin ja nur der Helfer, in die Rolle einer transsilvanischen Hellseherin, was in vielerlei Hinsicht für magisch-witzige Effekte sorgt.

Ein Hauch von Abergläubischem mit Unterhaltungswert. Das klingt mystisch …
Anca L.: Dabei die Balance zu halten, ist wichtig, allerdings nicht einfach. Wir selbst sind äußerst rationale Menschen.

Lucca L.: Ich bin schon ein spiritueller Mensch, aber auch ein großer Anhänger der Logik. Wobei das eine das andere nicht ausschließt. Die Tatsache, dass Menschen, also eine Ansammlung von Molekülen, einander gegenübersitzen und sich unterhalten, halte ich schon für magisch. Unser ganzes Leben ist geheimnisvolle Magie, es gibt genug zu staunen.

Läuft immer alles reibungslos, oder passieren auch Fehler?
Lucca L.: Sicher, aber wir können immer so tun, als wäre der Fehler geplant gewesen, weil wir als einzige unser Programm kennen. Am Anfang der Karriere hatte ich Angst vor Fehlern. Jetzt ist es umgekehrt. Fehler geben uns die Chance, etwas Spontanes und Einzigartiges entstehen zu lassen.

Anca L.: Bei der Weltmeisterschaft kam ein Zuschauer auf die Bühne, von dem ich behauptete, seinen Vornamen zu kennen. Zuerst sagte ich „Quentin“, er sagte nichts und ich wusste, dass ich falsch liege. Dann sagte ich „Richard oder Robert, ja Robert, deine Eltern konnten sich lange nicht entscheiden.“ Alle lachten. Er hieß tatsächlich Robert.
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