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Ausgabe Nr. 36/2022 vom 06.09.2022, Foto: Sieghartsleitner
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Die Pühringerhütte liegt am Elmsee.
Eine wilde Schönheit
Das Tote Gebirge ist lebendiger, als sein Name vermuten lässt. In dessen Zentrum erhebt sich zwar die größte Karstwüste Europas, es strotzt aber auch vor üppiger Vegetation. Almen, Bergseen und wilde Tiere laden ein, auf Wanderungen entdeckt zu werden.
Auf der Pühringerhütte sind an warmen Tagen Schattenplätze heiß begehrt. Sie liegt wunderschön und einsam auf 1.637 Metern am Elmsee im steirischen Teil des Toten Gebirges. Ins Blickfeld schieben sich der Große Priel (2.515 m), der Elm (2.128 m) und das Rotgschirr (2.261 m).
Die Hütte ist über mehrere Wege zu erreichen. Der wohl einfachste Pfad geht vom Grundlsee aus. Auf der zehn Kilometer langen Wanderung kommen die Ausflügler am Vorderen sowie Hinteren Lahngangsee vorbei.

Der Zustieg sollte aber nicht unterschätzt werden, denn während der Wanderung müssen 1.000 Höhenmeter überwunden werden. Die Mühe lohnt sich, weil die Wanderer auf dieser Strecke die landschaftlichen Facetten des Toten Gebirges erleben.

Eine Karstwüste, Seen und Höhlen prägen das Gebirge
Kurz vor der Pühringerhütte kommen die Wanderer bei Emils Tränenhügel vorbei. „Ohne die Geschichte zu kennen, lässt sich darauf kein Reim machen“, sagt Michael Girkinger und lüftet das Geheimnis. „Emil Pühringer war der Stifter der Pühringerhütte. Als er 1927 von diesem Hügel aus zum ersten Mal seine Hütte sah, war er von der Kulisse so überwältigt, dass er in Freudentränen ausgebrochen ist.“
Michael Girkinger ist einer der Autoren des Buches „Das Tote Gebirge“. Das Sachbuch ist reich bebildert und informiert über die Natur, die Entstehung und die Schönheit des Toten Gebirges. Wie eine Trutzburg aus steilen Bergflanken ragt es in der Mitte unseres Landes empor. Das Naturparadies ist ein Plateaugebirge in Oberösterreich und der Steiermark. Es ist drei Mal so groß wie Wien.

Seinen Namen hat das Gebirge wegen seiner spärlichen Vegetation. Das liegt vor allem an der Karstwüste, die sich im Zentrum des Gebirgssstockes befindet. Sie ist die größte Karstwüste Europas.
Das Gebirge wird als schroff, bizarr und einsamer Landstrich beschrieben. Nur „tot“ ist das Tote Gebirge nicht. Es ist lebendiger, als sein Name vermuten lässt. Wiesen, Almen, Wälder, Höhlen und glasklare Seen sind der Kontrast zur Karstwüste.

„Im Toten Gebirge gibt es 25 Seen. Dazu gehören der karibisch anmutende Steirersee, der versteckte Dreibrüdersee und der meergleiche Grundlsee“, erzählt Franz Maier, der beim Buch mitgewirkt hat. Zudem gibt es im Toten Gebirge 2.500 Höhlen, darunter auch eisführende wie die Torkoppeneishöhle.
Einzigartig ist auch die Landschaft des Teichlbodens. Der Fluss Teichl entspringt auf der Wurzeralm im Warscheneck-Gebiet. Das Gewässer zieht seine blauen Bahnen schlingenförmig durch die grüne Landschaft des Teichlbodens. „Vor den Augen staunender Besucher verschwindet es dann gurgelnd in einem Schluck-Loch, der Teichlschwinde, nur um 600 Höhenmeter tiefer wieder im Tal aufzutauchen“, informiert Maier.

Am Fuß des Warschenecks liegt zudem die größte Karstquelle unseres Landes, der Pießling-Ursprung. Aus dem 70 Meter tiefen Quelltopf fließen durchschnittlich 2.000 Liter Wasser pro Sekunde ans Tageslicht.
Inmitten dieser Naturkulisse haben sich Tiere sesshaft gemacht. Eines davon ist der Glasflügler, ein Schmetterling, der nur in unserem Land vorkommt. Zu den neuen Zuzüglern zählt der Zitronenzeisig. Der gelb-grüne Vogel brütet bei uns nur auf der Tauplitzalm (Stmk.), die leicht zu Fuß zu erreichen ist.

Jede Menge Tiere gibt es auch im Cumberland Wildtierpark Grünau im Almtal (OÖ) zu sehen. Inmitten der Kulisse des Toten Gebirges leben 500 verschiedene Tiere, von Steinböcken bis zu Waschbären. Im Park ist auch eine Konrad-Lorenz-Forschungsstelle untergebracht. Hier wird das Verhalten von Graugänsen, Bibern und Wildschweinen erforscht. Der Wildpark hat täglich geöffnet (€ 10,– Eintritt für Erwachsene) und kann mit der Almtalbahn von Wels (OÖ) aus erreicht werden.

Dieses Naturparadies wäre Ende der sechziger Jahre beinahe zerstört worden. Das Almtal kam als Fördergebiet für Erdöl ins Gespräch. Die Welfen, denen große Teile des Almtales gehören, ließen das aber nicht zu.
In die Berge des Toten Gebirges zog es auch Kaiserin Sisi. Sie unternahm mehrere Wanderungen. Ihre Ausflüge beschrieb sie in Gedichten. Ihre anstrengendste Wanderung war die zehnstündige Überquerung des Toten Gebirges.

„Denn schwer und schwindlig ist der Weg, den ich zu wandern habe. Die Gemse nur kennt Steig und Steg, im schroffen Felsengrabe. Und doch muss ich am Ziele sein, noch vor dem Abenddunkeln. Die Bergesspitzen müssen rein, in Purpurglut noch funkeln“, reimte die Kaiserin über das Tote Gebirge.

Das Tote Gebirge
  • Das Tote Gebirge ist ein Plateaugebirge in den Nördlichen Kalkalpen. Der größere Teil gehört zur Steiermark, der kleinere zu Oberösterreich.
  • Die höchsten Erhebungen sind mit 2.515 Metern der Große Priel auf der oberösterreichischen Seite und mit 2.389 Metern der Große Hochkasten auf der steirischen Seite. Weitere Gipfel sind das Warscheneck (2.388 m) und die Spitzmauer (2.446 m).
  • Die beiden Flüsse Steyr und Traun haben ihren Ursprung im Toten Gebirge.
Buchtipp
Das Tote Gebirge – Lebenswelten in einem Naturparadies,
Willibald Girkinger, Trauner Verlag, 296 Seiten, € 43,80, ISBN 978-3-99113-222-6
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