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Ausgabe Nr. 34/2022 vom 23.08.2022, Foto: Andreas Zeppelzauer
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Das Weingut Lorenz mit Gästezimmern.

Unter Weinreben auf der Terrasse, mit Blick auf die Weinberge.
Schräger Weingenuss beim Winzer mit Herz
Inmitten der sanften Hügellandschaft der südsteirischen Gemeinde Kitzeck im Sausal liegt das Wein-, Genuss- und Schlafgut von Michi Lorenz. Auf der Terrasse seiner Buschenschank werden Köstlichkeiten aus der Region mit Blick auf die idyllischen Weinberge kredenzt.
Das Herz steht bei Winzer Michi Lorenz, 41, im Mittelpunkt seines Schaffens, denn „meine Weine sind mit Liebe gemacht“, erzählt der Steirer. Das Herz-Logo ziert auch die Flaschen seiner Klassik-, Orts- und Riedenweine.
Seit mehr als 500 Jahren gibt es die „Lorenz-Bauern“ auf diesem schönen Flecken Erde, dem höchstgelegenen Ort mit Weinanbau in Europa. „Die erste urkundliche Erwähnung vom Lorenzhof stammt aus 1524. Wir sind einer der ältesten Höfe in Kitzeck, die Weinbau betreiben“, sagt Lorenz. Er selbst hat den Betrieb erst vor sechs Jahren von den Eltern überschrieben bekommen. „2016 war zuerst Frost und dann Hagel. Am Ende hatten wir nur 18 Prozent der üblichen Ernte. Das war kein optimaler Einstieg“, erinnert sich der Winzer, der eigentlich ein „Rockstar“ werden wollte. „Ich hatte immer die Idee, zuerst eine Weltkarriere mit Musik zu machen und wenn ich alt bin, dann das Weingut zu führen.“
Er besuchte aber dann doch zuerst die Weinbauschulen in Silberberg (Stmk.) und Klosterneuburg (NÖ) und stieg 2003, gemeinsam mit seinem Bruder Patrick, in den elterlichen Betrieb ein. „Damals wollte ich Bäume ausreißen. Höher, größer, weiter und irgendwann ist mein Bruder ausgestiegen und mir wurde alles zu viel.“ Im Rückblick war die Zeit prägend und half ihm, sich ab 2014 auf seinen eigenen Weg zu fokussieren. „Ich begann, die Produktion auf Bio umzustellen, später kamen die Naturweine dazu.“ Diese speziellen Weine sind unbehandelt, spontanvergoren (mit den natürlichen Hefen) und ungefiltert, weshalb sie oft trüb erscheinen.
Unterstützt wird der Winzer von seiner Frau Michaela, die für den Bereich Genussgut und die zwölf Gästezimmer im Schlafgut zuständig ist. Die 41jährige kümmert sich um das leibliche Wohl der Buschenschankgäste und kredenzt jede Menge Köstlichkeiten aus der Region, etwa Kuhmilch-Frischkäse auf Blattsalat mit Äpfeln und Kräutern (8,60 Euro), steirische Räucherforelle mit Preiselbeer-Oberskren (11,50 Euro) oder Rindfleischsalat in Essig und Öl (9,50 Euro). Eine herzhafte Brettljause darf in einer Buschenschank natürlich auch nicht fehlen. Der südsteirische Klassiker mit allerlei Fleisch, Ei, Gurkerl und frischem Gemüse schlägt mit 10,50 Euro zu Buche. Für die jüngsten Gäste gibt es sogar eine eigene Kinder-Brettljause (5,50 Euro). Dazu wird selbstgebackenes Bauernbrot gereicht. Die hauseigenen Weine sind die perfekte Ergänzung zu den südsteirischen Schmankerln und als Achterl ab 3 Euro aufwärts zu verkosten. Ab Hof beginnen die Preise für eine Flasche Wein bei 7,50 Euro.
Ganze 16 Hektar Weingarten bewirtschaftet Michi Lorenz. Eine gefährliche Arbeit in den extremen Schräglagen, die zu rund 80 Prozent mit Weißweinsorten wie Welschriesling, Muskateller, Riesling und Sauvignon Blanc bepflanzt sind. Die Böden machen die Weine hier so besonders. Und das Geschick des Ausnahmewinzers Lorenz, der sich mittlerweile mit seinen Naturweinen auch international einen Namen gemacht hat. „Vor Milliarden von Jahren war hier das Urmeer, und das Sausal eine Insel, dadurch haben wir andere Böden voller Mineralien. Das bringt auch eine gewisse ,Salzigkeit‘ in die Weine und eine rauchige Note“, weiß Lorenz. Auch die Höhenlage, die kühlen Winde und sonnigen Steillagen haben Einfluss auf die Eigenheiten der Sausaler Weine.
„Ecken und Kanten“ haben die Weine, die seine Handschrift tragen. Und Persönlichkeit. So wie der Winzer selbst. „Als wir uns neu positionierten, hatte ich die Idee, dass schon auf dem Flaschenetikett ersichtlich sein soll, was die Menschen erwartet, auch wenn sie mich nicht kennen.“ Weine, die seine vielen Facetten zeigen sollten. Herausgekommen sind Persönlichkeitsweine mit Namen wie „Frauenversteher“, „Revoluzza“ und „Seelenverwandter“. Einen Lieblingswein habe er aber nicht. „Das ist so, als würde man nach dem Lieblingskind fragen“, sagt er lachend. „Ich mag keine nachbearbeiteten Weine. Der Wein soll mich überraschen, eine Spannung aufbauen, einfach echt sein und mich fordern.“ Das versucht er auch seinen Gästen zu vermitteln.

Weingut Michi Lorenz
Einöd 8 / 8442 Kitzeck
Tel.: 03456/2311
Öffnungszeiten: Täglich ab 11 Uhr, Mittw. Ruhetag
Webseite: www.michilorenz.at
Email: wein@michilorenz.at

Steirischer Rindfleischsalat
Zutaten für 4 Personen:
800 g Rindfleisch (entweder weißes Scherzerl oder Tafelspitz), Suppengrün, Maggikraut, Petersilie, Salz, Pfeffer, 10 Pfefferkörner, Gemüse nach Saison (etwa Radieschen, Paradeiser, Karotten), 1 weiße Zwiebel, 2 hartgekochte Eier, Weinessig, Kernöl und einige Kürbiskerne als Deko

Zubereitung:
3 Liter Wasser in einem Topf zum Kochen bringen. Das Rindfleisch mit dem Suppengemüse und den Gewürzen ins kochende Wasser legen und etwa 90 Minuten leicht köcheln lassen. Aus Kürbiskernöl und Weinessig ein Dressing zubereiten, mit Salz und Pfeffer abschmecken Das Fleisch auskühlen lassen und in dünne Scheiben schneiden. Auf Tellern anrichten, den marinierten Salat mittig auf dem Fleisch platzieren und mit Zwiebelringen, Kürbiskernen und den in Spalten geschnittenen Eiern ausgarnieren.

Weinempfehlung:
Weißburgunder, Michi Lorenz Klassik BIO 2020
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