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Ausgabe Nr. 31/2022 vom 02.08.2022, Foto: Judith M.Troelss
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Gabriele Reiter.
Auszeit in kleinen Dosen
Um sich gut zu erholen, spielt es keine Rolle, ob wir weit weg fahren oder einfach nur zu Hause bleiben. Vielmehr kommt es darauf an, wie und womit wir eine Auszeit nehmen. Erholung tritt dann ein, wenn wir abschalten und unseren Gedanken freien Lauf lassen können. Ob beim Beerenpflücken im Wald, in der Hängematte am Balkon, oder beim Malen und Anstreichen. Menschen erzählen, wie sie sich am liebsten entspannen. Und warum sie die Mini-Auszeit dem „großen“ Urlaub vorziehen.
„Beim Heidelbeerpflücken im Wald kann ich abschalten“
Gabriele Reiter, 54, Fachsozialbetreuerin
„Entspannung, Erholung und ein paar Stunden, in denen ich abschalten kann, finde ich im Wald beim Heidelbeerpflücken. Seit jeher liebe ich es, mich auf Beeren-Suche zu begeben. Dabei gelingt es mir, meinen Ausgleich zu finden. Ich schlendere durch den Wald, lasse meinen Gedanken freien Lauf und freue mich, wenn ich fündig werde.

Für meine kurzen Auszeiten muss ich keine langen Anfahrten in Kauf nehmen. Mein Erholungsort liegt praktisch vor meiner Haustür. Im Umkreis von etwa zehn Kilometern ziehe ich mit Schüssel und Korb meine Kreise. Und während ich dahinspaziere, pflücke ich Heidelbeeren. Aus den Früchten setze ich Heidelbeerschnaps an und koche Marmelade ein. Aus dem Rest zaubere ich einen Heidelbeerstrudel. Der Duft des frischgebackenen Strudels und dazu guten Kaffee – Herz, was willst du mehr. Für mich ist das Erholung pur.“

„Ich erhole mich am besten, wenn ich mich handwerklich betätige“
Harry Golker, 68, Pensionist
„Italien, Griechenland oder gar Amerika? Diese Länder interessieren mich nicht. Schon gar nicht, um dort Urlaub zu machen. Im Flugzeug zu sitzen, bedeutet für mich einfach nur puren Stress. Ich erhole mich am besten zuhause, wenn ich mich handwerklich betätige.

Angefangen von Fliesen verlegen bis hin zu Möbel zusammenbauen, mache ich nahezu alles. Derzeit streiche ich mein Gartenhäuschen neu. Es war dunkelbraun und, weil ich es weiß haben wollte, musste ich bereits zwei Mal die Farbe auftragen. Nach dem dritten Anstrich wird es perfekt aussehen und ich werde obendrein gut erholt sein. Außerdem werde ich nebenbei sogar schneller und gesünder braun, als wenn ich am Strand liege. Von meinen Freunden höre ich ständig: ,Harry, du schaust so gut und erholt aus. Wo warst du bloß auf Urlaub?‘ Ich muss innerlich dann immer schmunzeln.“

„Ich habe kaum noch das Bedürfnis, irgendwohin zu reisen“
Gerlinde Unger, 63, Pensionistin
„Ich bin zwar schon in Pension, aber ich passe an drei Vormittagen in der Woche auf meine beiden Enkelkinder auf. Speziell an diesen Tagen gönne ich mir nachmittags meine Erholungspause, am liebsten in meiner Hängematte auf dem Balkon. Ich mache mir einen Eiskaffee, lese ein Buch, löse Rätsel oder lasse den Blick über den Garten schweifen. Dort gedeihen dank des milden Klimas im Nordburgenland exotisch anmutende Pflanzen und Gräser. Das ist für mich mediterranes Gefühl pur.

Seit ich entdeckt habe, wie gut mir die bewussten Auszeiten tun, habe ich kaum noch ein Bedürnis, weit weg zu fliegen, um mich dort zu erholen. Entspannung in kleinen Dosen gönne ich mir am liebsten zuhause.“

„Ich gönne mir jeden Tag nach der Arbeit einen Mini-Urlaub“
Magdalena Novosel, 42, Medizinische Masseurin
„Ich brauche keine mehrwöchigen Urlaube mehr, seit ich mir jeden Tag nach der Arbeit einen Mini-Urlaub gönne. Das reicht mir, um mich gut zu erholen. Ich mache es mir im Wintergarten gemütlich, manchmal esse ich ein Eis und lausche mit Kopfhörern dem Rauschen des Meeres. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, dass ich am Strand in Kroatien sitze und dem sanften Klang der Wellen bei untergehender Sonne genieße.

Das wirkt meditativ und beruhigt mich ungemein. Schon nach einer halben Stunde fühle ich mich wie neu geboren. Anschließend widme ich mich meinen getrockneten Kräutern, deren Duft ich liebe. In aller Ruhe zerkleinere ich Salbei, Oregano und Thymian und fülle sie danach in Gläsern ab, um im Winter daraus Tee zuzubereiten.“

„Die kleinen Auszeiten helfen mir dabei, Stress abzubauen“
Rainhard Landschützer, 44, Berufspilot
„Vor allem im Sommer und im Herbst gehe ich als Ausgleich zu meinem stressigen Beruf am liebsten Wandern und Bergsteigen. Fast bei jedem Wetter zieht es mich in die Natur und auf die Berggipfel hinauf. Wenn ich auf die Salzburger und Kärntner Bergwelt blicke, oder in die Pritzhütte, meine Lieblingshütte, einkehre, ist das für mich pures Urlaubsgefühl.

Sobald ich mich ein paar Stunden an der frischen Luft bewege, spüre ich, wie sich meine Batterien wieder aufladen. Die kleinen Auszeiten helfen mir dabei, Stress abzubauen. Ich fühle mich besser als nach einem zweiwöchigen Strandurlaub. Außerdem kann ich mich öfters daran erfreuen, an einen großen Urlaub im Jahr hingegen nur einmal. Mir fällt in meinem Umfeld auf, dass immer mehr Menschen Gefallen daran finden, sich mittels kleiner Auszeiten zu erholen.“
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