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Ausgabe Nr. 30/2022 vom 26.07.2022, Foto: Erwin Scheriau
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Canbek muss nun ohne Zähne leben.
Keine Zähne, keine feste Nahrung, nur Schmerzen
Mit einer Zahnbehandlung begann für die Steirerin Regina Canbeck eine unfassbare Schmerz-Odyssee. Seit zwei Jahren muss die 47jährige aus Graz mit einem komplett entzündeten Kiefer und ohne Zähne leben. Kein Arzt konnte ihr bisher helfen.
Wie gerne würde ich jetzt ein Paradeisbrot essen, aber seit zwei Jahren kann ich fast keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen“, sagt Regina Canbek, als sie die Kühlschranktür in ihrer Grazer (Stmk.) Wohnung öffnet. Die Tränen laufen ihr über die Wangen. Die 47 Jahre alte Altenbetreuerin muss seit zwei Jahren ohne Zähne und mit unfassbaren Schmerzen in ihrem Kieferbereich leben.

Ihr Martyrium begann im Jahr 2019, als sie sich vier Kronen machen ließ. „Einen Monat später bekam ich plötzlich beim linken überkronten Backenzahn pochende Schmerzen“, beginnt Canbek zu erzählen. Sie suchte die Zahnklinik Graz auf, wo die Ärzte feststellten, dass eine Wurzelspitze entzündet war. „Mir wurde auch gleich dieser entzündete Zahn gezogen. Kurze Zeit später hat sich meine Kieferhöhle komplett entzündet, ich litt Höllenqualen. Ich wurde dann für vier Tage in die Kieferchirurgie des LKH Graz eingeliefert, wo mir viele Schmerzmittel verabreicht wurden, unter anderem auch Opiate.

Statt ihr zu helfen, schickte sie der Oberarzt zum Psychiater
Ich konnte nichts essen und hatte hohes Fieber.“ Zu allem Übel steckte sich die Steirerin dort auch noch mit einem MRSA-Krankenhauskeim an. „Ich wurde wieder nach Hause geschickt, konnte aber kaum reden und kauen, mein komplettes Zahnfleisch und der Mundbereich waren entzündet“, sagt Canbek.

Als sich die Entzündung in die Nasen- und Kieferhöhle ausbreitete und sie nicht mehr atmen konnte, suchte die verzweifelte Frau die Kieferchirurgie erneut auf. „Dort wurde ich zwar operiert, aber es trat keine Besserung ein. Im November 2019 wurde ich deshalb erneut im Krankenhaus der Elisabethinen Graz operiert, doch die Entzündung wurde noch schlimmer. Ich war kurz vorm Durchdrehen, konnte vor Schmerzen keinen klaren Gedanken mehr fassen. Danach wurde ich wieder ins LKH Graz geschickt, wo festgestellt wurde, dass meine Nase mittlerweile voller Eiter war, doch ich bekam wieder nur Schmerzmittel und wurde nach Hause geschickt.“

Da sich ihr Zustand verschlechterte, suchte sie das Spital erneut auf. „Dort sagte mir der Oberarzt, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde, er mich hier nicht mehr sehen möchte und ich psychisch krank sei“, erzählt Canbek. In ihrer Verzweiflung suchte sie eine Facharztpraxis für Psychiatrie auf. Dort wurde ihr nur bestätigt, was sie ohnehin spürte. Dass sie keinen Psychiater brauche, sondern dringend eine ordentliche Zahnbehandlung, um die Schmerzen zu bekämpfen.

„Mir wurde gesagt, ich müsse mit den Schmerzen leben“
Durch die Dauerentzündung des Zahnfleisches und im Kiefer hatte Canbek im Jahr 2020 nur noch drei Zähne im Mund. Denn nach und nach wurde ihr jeder einzelne Zahn von verschiedenen Zahnärzten gezogen, die sie in ihrer Verzweiflung aufsuchte, weil ihr eine weitere Behandlung im LKH Graz sogar verweigert wurde. Mit dem Hinweis, dass sie zu einem anderen Zahnarzt gehen solle. 15.000 Euro hat sie mittlerweile auch in private Zahnärzte gesteckt. Geld, das sie nicht hat, weil sie arbeitslos ist und nur noch von der Notstandshilfe lebt.

„Ich musste einen Kredit aufnehmen, weil ich als chronische Schmerzpatientin gekündigt wurde. Ich weiß nicht mehr, wie das alles weitergehen soll. Ich würde gerne arbeiten, wegen der Schmerzen ist es mir aber unmöglich.“ Aufgrund der Schmerzen kann sie auch keine Zahnprothese tragen. „Ich schäme mich so sehr“, ist die 47jährige verzweifelt. Alle Zahnärzte, ob privat oder mit Kassenvertrag, konnten Canbek bis jetzt nicht von ihrem Leid befreien. „Ein Zahnarzt ließ beim Ziehen eines Zahnes eine Wurzelspitze im Knochen, bei einem anderen brach die Spitze des Instrumentes während der Behandlung ab. Er ließ das Metallteil einfach im Knochen stecken. Im März 2020 wurde mir dann mein allerletzter Zahn gezogen, der dann auch entzündet war.“

Die Entzündung im Mund hat sich mittlerweile schon fast auf den gesamten Oberkörper der 47jährigen ausgebreitet. „Ich habe eine Schleimhaut- und Magenentzündung sowie eine Speicheldrüsenentzündung bekommen. Auch die Lunge ist schon angegriffen, doch im LHK Graz wurde mir nur gesagt, dass ich mit den Schmerzen leben müsse.“

Anwältin prüft nun, welche Behandlungsfehler gesetzt wurden
Die Grazer Anwältin Dr. Karin Prusch will nun für Canbek rechtlich prüfen, ob und welche Behandlungsfehler bei der 47jährigen gesetzt wurden. „Ich habe bereits ein Privatgutachten in Auftrag gegeben, da durch die langjährige und von vielen Fachärzten im Laufe der Jahre durchgeführten Behandlungen zu prüfen ist, welche Behandlungen nun ursächlich für diese Schmerz-Odyssee sind“, sagt die Juristin. Da neben den starken Dauer-Schmerzen auch die finanziellen Sorgen ein ständiger Begleiter von Regina Canbek sind, bitten wir Sie, liebe Leser, um Spenden auf das Konto: Cem Canbek,
IBAN: AT14 2081 5000 4096 8901.
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