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Ausgabe Nr. 29/2022 vom 19.07.2022, Foto: Festspiele Berndorf/Andreas Tischler
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Koch-Profi Max Stiegl (2. v. li.) zeigte Sprenger, Jagsch (l.) und Seberg (r.), wie „Beef Wellington“ zubereitet wird.
So ein Theater - Teil 4
„Meine Männer sind wirklich ein seltsames Paar“. Bei den Festspielen Berndorf (NÖ) sorgt „Ein seltsames Paar“ für Beziehungschaos. Scharfsinnig unterhaltsam, gespickt mit Charme und Wortwitz, deckt die Komödie den ganz normalen Wahnsinn im Ehe-Alltag auf. Kristina Sprenger weiß, warum Gregor Seberg und Alexander Jagsch auf der Bühne nicht nur ein seltsames, sondern ein ideales Paar sind.
In der Wohnung des geschiedenen, chaotischen und verlotterten Sportreporters Oskar trifft sich regelmäßig eine Männerrunde zum Pokern. An diesem Abend bleibt einer fern. Felix. Noch weiß keiner, dass sich Felix das Leben nehmen möchte, weil seine Frau die Scheidung eingereicht hat. Zu später Stunde erscheint Felix doch noch. Der schlampige Oskar entschließt sich, den pingeligen Felix in seinem schmuddeligen Heim aufzunehmen. Das ist der Beginn einer komischen und gleichermaßen liebenswerten „Männerwirtschaft“.
Dass sie die ideale Besetzung für „Ein seltsames Paar“ gefunden hat, was Freundschaften von Liebesbeziehungen unterscheidet, und wieso ein Stück Fleisch eine nicht unwichtige Rolle im Komödien-Klassiker spielt, erzählt Kristina Sprenger, die Intendantin der Festspiele Berndorf (NÖ), im WOCHE-Gespräch.

Frau Sprenger, wieso fiel Ihre Wahl auf „Ein seltsames Paar“?
Es gibt Stücke, die müssen im Stadttheater Berndorf gespielt werden. „Ein seltsames Paar“ ist so ein Stück, unfassbar komisch und klug geschrieben von Neil Simon, inszeniert von Regisseurin Susi Weber, die ein unglaubliches Gespür für Pointen hat. Mir war wichtig, die Originalfassung mit Männern, und nicht eine Version mit Damen auf die Bühne zu bringen. Ich finde die Männer-Variante einfach viel lustiger.

Warum? Sind Männer komischer als Frauen?
Nein, überhaupt nicht. Der Sonderling, der zum Oberhaushälter wird, ist witziger als die Zigarre rauchende Frau. Wenn zwei Männer zum „seltsamen Paar“ mutieren, ist das einfach komisch. Wie die Verfilmung aus dem Jahr 1968 mit den grandiosen Darstellern Jack Lemmon und Walter Matthau beweist.

Haben Sie ähnlich grandiose Titelhelden gefunden?
Absolut, sonst hätte ich das Stück nicht gespielt. Alexander Jagsch und Gregor Seberg passen zusammen wie die Faust aufs Auge. Meine Männer sind im wirklichen Leben miteinander befreundet und tatsächlich „ein seltsames Paar“ (lacht). Der Ali (Alexander Jagsch) ist genau, fast akribisch und damit die Idealbesetzung für den ordnungsfanatischen „Felix“. Der Gregor (Gregor Seberg) nimmt‘s nicht so genau, ist der legere, lässige Typ, was ihn zum perfekten „Oskar“ macht. Die beiden sind jedenfalls eine Riesenhetz. Wir haben uns schon bei den Proben vor Lachen zerkugelt.

Wie ist das bei Ihnen? Sind Sie penibel wie „Felix“ oder chaotisch wie „Oskar“?
Ich bin ordentlich, aber nicht ordnungsfanatisch. Ich feiere gerne und habe es gerne lustig. Im Sternzeichen bin ich ein feuriger Löwe, mein Aszendent ist die ordnungsliebende Jungfrau. Es heißt, dass wir ab 30 zum Aszendenten tendieren. Ich habe es zwar nicht so mit der Astrologie, aber da dürfte was dran sein. Vor dem 30er war ich wohl mehr „Oskar“, danach bin ich mehr „Felix“ geworden.

Heiß geht es her, wenn das „Beef Wellington“ ins Spiel kommt. Was hat es damit auf sich?
„Beef Wellington“ spielt tatsächlich eine nicht unwichtige Rolle in dem Stück. Deshalb wollten wir genau wissen, wie es zubereitet wird, und haben uns beim burgenländischen Koch Max Stiegl schlau gemacht. Wir hatten es extrem lustig, zumal sich Ali und Gregor als äußerst gelehrige Schüler erwiesen.

Wussten Sie, wie das nach dem „Duke of Wellington“ benannte Filet zubereitet wird?
Ich kenne das Rinderfilet im Blätterteigmantel, habe es aber noch nie gekocht, weil ich Blätterteig nicht sonderlich mag. Umso überraschter war ich, wie gut es schmeckt. Auf der Bühne verkohlt unser „Beef Wellington“ leider, weil sich Oskar, der Chaot, verspätet.

Am Ende heißt es, „Ehen werden geschlossen und geschieden, aber das Spiel muss weitergehen“. Was bedeutet das?
Mit „Spiel“ meint Neil Simon nicht das Glücksspiel, sondern die Freundschaft. Oft überdauern Freundschaften Liebesbeziehungen. Dass gute Freundschaften oft länger währen als Liebesbeziehungen, mag vielleicht daran liegen, dass die Emotionen nicht so stark sind.

Kennen Sie in Ihrem Umfeld „seltsame Paare“?
Ja, die begegnen uns doch immer wieder. Das sehe ich am besten an mir selbst. Meine zwei Freundinnen, eine ist meine Trauzeugin, sind mit ihren 180 Zentimetern eher groß, ich bin mit 163 Zentimetern eher klein. Während die Freundinnen ruhig und zurückhaltend sind, bin ich quirlig und laut. Vielleicht fühlen wir uns naturgemäß zum Gegensätzlichen hingezogen. Lustigerweise sind auch die Freundinnen meiner Tochter Rosa einen Kopf größer als sie.

Rosa wird heuer zwölf, möchte sie auch Schauspielerin werden?
Meine Tochter interessiert sich zwar für meine Arbeit, aber ins Künstlerische zieht es sie nicht. Rosa möchte Anwältin und Journalistin werden.

Vermissen Sie als Tiroler Kind die Berge?
Ich sehe vom Fenster aus auf die Ausläufer der Voralpen. Bei meiner Laufrunde komme ich bis ans Eiserne Tor mit Blick auf den Schneeberg. Ich bin zwar in Innsbruck, in der Tiroler Bergwelt, aufgewachsen, bin aber schon mit 19 nach Wien gezogen. In den nächsten Tagen werde ich 46, also ich hatte schon Zeit, mich an den Osten zu gewöhnen. So sehr ich Tirol auch liebe, so gut gefällt es mir in Niederösterreich und in Wien.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?
Da ich rund um den 26. Juli spiele und probe, wird es bei einem Flascherl Winzersekt mit dem lieben Mann bleiben. Wir beide legen nicht so viel Wert auf unsere Geburtstage, nur auf den unserer Tochter, der wird jedes Jahr groß gefeiert.
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