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Ausgabe Nr. 28/2022 vom 12.07.2022, Foto: Judith M.Troelss
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Zutraulich wie ein Haustier, aber so nahe darf dem großen Marans-Hahn nur Oskar kommen.
Der junge Hühnerflüsterer
Reges Gackern herrscht im Dörfchen Steinböckhof der Marktgemeinde Lasberg (OÖ), der Heimat von Oskar Glauninger. Der zwölf Jahre alte Bub interessiert sich für besondere und alte Hühnerrassen und züchtet sie auch. Mit viel Engagement und Liebe hegt und pflegt er seine Schützlinge, die bei den Glauningers in einem wahren Hühnerparadies leben.
Endlich Ferien“, jubelt Oskar Glauninger. Eigentlich ist er ein typischer Zwölfjähriger, der sich jetzt über zwei schulfreie Monate freut. Wenn da nicht sein Hobby wäre, das doch ein wenig außergewöhnlich ist und ihn jeden Tag nach der Schule den Weg schnurstracks nach Hause eilen lässt. Den erspart er sich jetzt. Er kann gleich in den Hühnerstall, wo sieben verschiedene Rassen auf ihn warten. Denn Oskar ist Hühnerzüchter aus Leidenschaft.

Als die ersten vier weißen Altsteirer bei der Familie in den Hühnerstall eingezogen sind, war Oskar erst sechs Jahre alt. Und er war schon damals schlichtweg begeistert. „Mich fasziniert das unterschiedliche Aussehen der Tiere, die verschiedensten Eierfarben und ich mag den Charakter dieser Tiere“, beschreibt Oskar seinen Hang zum Federvieh. Quirlig und stur seien sie, sagt er ein wenig außer Atem, weil der Marans-Hahn, den er fangen möchte, seine Worte haken-schlagend bestätigt.

Die unbefruchteten Eier müssen aus dem Nest entfernt werden
Derzeit sind in seinen Stallungen elf Legehennen und 16 zwei- und viermonatige Küken untergebracht. Unter anderem ein Holländer Haubenhuhn, französische Marans blau-kupfer und schwarz-kupfer, italienische Tricolore und Lavender-Araucana. Auch besiedelt neben dem Marans-Hahn ein Ayam-Serama-Gockel sein Revier. Das Tier zählt zu den kleinsten Rassen und passt gut in die Hand des Buben.

Vor einigen Jahren hat Oskar Glauninger seine ersten vier Marans erstanden und begann fast zeitgleich mit dem Züchten der alten Hühnerrassen. Zwei bis drei Mal im Jahr legt der junge Mühlviertler aus dem Dörfchen Steinböckhof (OÖ) 20 Eier in den Brutautomaten, in dem die befruchteten Eier den Wachstumsprozess durchlaufen. Und auch eine gefiederte „Hebamme“ sorgt auf natürlichem Wege für Hühner-Nachwuchs. Wenn auch unter Protest. „Zuerst hat sich die Henne, eine Lavender-Araucana-Rasse, stark aufgeplustert und gegackert, bevor sie sich auf das Nest gesetzt hat. 20 bis 21 Tage wird sie dort jetzt auf den sieben Eiern verbringen. Im Laufe der ersten zwei Wochen werde ich die Eier zwei Mal durchleuchten und schauen, ob sich ein Embryo entwickelt hat, das wird als ‚Schieren‘ bezeichnet“, erklärt der junge Experte. „Wenn die nicht befruchteten oder abgestorbenen Eier im Nest verbleiben, entstehen giftige Dämpfe und das möchte ich vermeiden.“

Manchmal muss Oskar als Geburtshelfer einspringen
Sind die Küken nach der Brutzeit bei einer Temperatur von 37,2 Grad reif zum Schlüpfen, picken sie eine kreisrunde Öffnung in die Schale und pressen sich heraus. Ein heikler Moment, bei dem der Bub manchmal mit viel Fingerspitzengefühl unterstützend eingreift. „Marans-Eier haben eine äußerst harte Schale. Da muss ich im Notfall Geburtshelfer spielen. Ich taste das Ei ab und öffne behutsam die Schale. Die Eihaut bleibt dabei noch verschlossen, damit nichts aus dem Ei auslaufen kann. Dort, wo sich der Kopf des Kükens befindet, beginne ich, die Eihaut zu öffnen und helfe dem Wuserl beim Schlüpfen. Dort wo das Küken mit dem Dottersack verbunden ist, lasse ich die Eihaut bestehen, damit sie in Ruhe einziehen kann. Das dauert etwa einen Tag, Dabei ist besondere Vorsicht geboten, denn wenn er aufgeschlitzt wird, verblutet das frisch geschlüpfte Tier.“ Unter Wärmeplatten wachsen die Küken schließlich heran. „Auf Wärmelampen verzichte ich, da der Nachwuchs dadurch ständig dem roten Licht ausgesetzt ist“, weiß der schlaue Züchter, der sich sein Fachwissen aus vielen Büchern angelesen hat.

Kein Brot, sondern eigene Futtermischungen für die Aufzucht der Küken
Damit aus den flauschigen Jungtieren kräftige Hühner werden, verwendet Oskar eine eigene Futtermischung aus Karotten, Äpfeln und gekochten Eiern. „Kein Brot, denn das vertragen sie nicht gut.“
Natürlich kümmert sich der Hühner-Experte auch um seine erwachsenen Tiere. So prüft er bei seinem Rundgang, ob genügend Wasser und Futter vorhanden ist, und er sorgt dafür, dass die Eierlieferanten genügend Gras oder Grünschnitt bekommen. Ausgemistet wird einmal wöchentlich und die Stallungen besprüht Oskar mit einem biologischen Milbenbekämpfungsmittel, um Schädlingen vorzubeugen.

Wird doch einmal ein Huhn krank oder ist es verletzt, sondert er das Tier ab und pflegt es gesund. „Einmal wurde eine Marans-Henne vom Habicht angegriffen und schwer verletzt. Er hat ihr die Brust aufgeschlitzt, sodass ich bis auf die Lunge sehen konnte. Mit viel Geduld und Pflege ist alles wieder gut verheilt und sie hat nur mehr einen kleinen Schönheitsfehler auf ihrer gefiederten Hühnerbrust“, freut sich Oskar sichtlich über seinen Erfolg.
Sein nächstes Projekt ist die Vermehrung seiner kleinen Ayam-Serama-Rasse. „Dazu brauche ich aber Hennen, denn derzeit ist der Gockel ohne Harem“, sagt Oskar lachend. Wer ihm dabei helfen kann, schreibt ein E-Mail an:oskar.glauninger@gmx.at
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