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Ausgabe Nr. 28/2022 vom 12.07.2022, Foto: INTERFOTO / Amazing Aerial Agency / Life and Ventures
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Blick auf die Küste von Pelješac.
Austern schlürfen und Wildpferde beobachten
Die kleine Schwester der Chinesischen Mauer befindet sich auf der kroatischen Insel Pelješac. Zwischen den Orten Ston und Mali Ston spannt sich eine Wehrmauer über einen Berghang. Im Meer werden zudem Austern gezüchtet und zum Verspeisen angeboten.
Wildpferde, Austern, Salz, Wein und eine kilometerlange Steinmauer sind in Kroatien auf einem kleinen Fleckchen Erde zu finden. Das alles gibt es auf der wenig bekannten Insel PeljeŠac.
Den ersten Eindruck holen sich Urlauber am besten in Ston. Dort wurde vor Jahrhunderten über dem Hang des Berges Bartolomija eine 5,5 Kilometer lange Wehrmauer errichtet, die in den Ort Mali Ston führt. Zinnen, Türme und Treppen zeichnen den Bau aus, wovon etwas mehr als zwei Kilometer für Besucher zum Erkunden geeöffnet sind.

„Solche Befestigungsbauten haben an der Adria Tradition. Seit der Antike schützen sich Menschen an dieser Küste mit massiven Wehrmauern vor Angriffen. Neben der Bevölkerung sollte auch das Salz geschützt werden, das auf PeljeŠac gewonnen wird. Zuletzt verschanzten sich die Kroaten während des Krieges zwischen 1991 und 1995 hinter der Mauer, um sich gegen die angreifenden Serben zu wehren“, erzählt Eva Gruber.
Die 59jährige liebt Kroatien und das Wandern, weshalb sie den Reiseführer „Inselwandern in Kroatien“ geschrieben hat. In dem Buch werden Wanderungen und Ausflugstipps auf sieben Inseln vorgestellt.

„Meine Leidenschaft für dieses Land hat wohl damit zu tun, dass ich als Kind mit meinen Eltern die ersten Urlaube an der Küste ,Jugoslawiens‘ verbrachte. Seit damals zieht es mich immer wieder hierher“, sagt Gruber. Anziehend fand sie die Insel PeljeŠac, die eigentlich eine Halbinsel ist, weil sie im Osten durch eine schmale Landbrücke mit dem Festland verbunden ist. Das Eiland überzeugt nicht nur mit einer imposanten Steinmauer, sondern auch mit der größten Austernzuchtanlage Europas. Der Spaziergang auf der Wehranlage führt ins Zentrum der Zucht, ins Dorf Mali Ston. Der Ort ist geprägt von schmalen Gassen, in denen es üppig blüht und grünt. Bischöfe und Rektoren der Renaissance errichteten hier ihre Sommerresidenzen.

Seit Jahrhunderten leben die Einwohner von der Muschel- und Austernzucht. „Eine kleine, saftige Auster braucht drei Jahre, um heranzureifen. Sie bevorzugt flache Küstengewässer und extrem sauberes Wasser mit einem stabilen Salzgehalt. Diese Bedingungen erfüllt die Bucht von Mali Ston“, erklärt Gruber. Die Delikatesse ist ein Grund, warum es Feinschmecker hierherzieht. Die Austern werden roh und überbacken serviert.

Ein tierisches Erlebnis ist auf der Insel im Norden zu finden. Bei der Hafenstadt Orebić erhebt sich der 961 Meter hohe Berg Sveti Ilija. Gipfelstürmer machen während der Wanderung Bekanntschaft mit Wildpferden, die hier leben.
Die Hafenstadt ist zudem ein perfekter Ort, um in Erinnerungen zu schwelgen. PeljeŠac war einst das zweitgrößte Marinezentrum unseres Landes, als es unter der Herrschaft der Habsburger stand. Das Marinemuseum in Orebić erinnert an diese Zeit. „Es ist in einem eleganten Haus untergebracht, in dessen hohen Räumen während des Besuches leise das Rauschen des Meeres zu hören ist“, gibt die Kroatien-Expertin einen Ausflugstipp.

Inselwandern in Kroatien,
Eva Gruber, Styria Verlag, 208 Seiten, € 27,–,
ISBN 978-3-222-13667-2

Ein zauberhafter Dschungel
Korčula hat die üppigste Vegetation aller Adria-Inseln. Ein schattenreicher Dschungel befindet sich im Naturschutzgebiet Kočije. Diese Attraktion liegt in der Nähe von Žrnovo. Hier folgen die Wanderer der Marmontstraße in Richtung Dschungel.
Auf dem fünf Kilometer langen Rundwanderweg betreten die Wanderer einen Wald, der mit Eichen, Kiefern, Lorbeersträuchern und Farnen gesäumt ist. „In diesem Zauberreich ist es still. Ein Blätterteppich dämpft die Schritte“, erzählt Gruber.
Nach der zweistündigen Wanderung empfiehlt sich ein Abstecher in die nahegelegene Bucht „Pupnatska Luka“, die als schönste Bucht Korčulas gilt.

Eine Bucht zum Träumen
Die Häuser im Bergort Lubenice auf der Insel Cres sind aus Stein gebaut. Obwohl hier nur zwölf Einwohner leben, gibt es ein Wirtshaus. Lubenice war einst eine Festungsstadt und liegt auf einem 380 Meter hohen Felsplateau. Von hier oben haben die Besucher einen wunderbaren Blick auf die Bucht „Sveti Ivan“ und das Meer. Ein zwei Kilometer langer Weg führt den Hang hinunter zum Strandjuwel.
Auf halbem Weg liegt die Blaue Grotte, in der das Schwimmen erlaubt ist. „Am schönsten ist das nachmittags, wenn das Sonnenlicht das Wasser durchdringt“, erzählt Gruber.
Herrlich baden lässt es sich auch im türkisblauen Wasser der Bucht mit Blick auf die Steilwände von Lubenice.
Zurück geht es wieder auf demselben Weg.
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