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Ausgabe Nr. 25/2022 vom 21.06.2022, Foto: picture alliance/AP Images
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Julia Roberts wurde am 28. Oktober 1967 in Atlanta (US-Staat Georgia) geboren. Die Eltern trennten sich, als Julia vier Jahre alt war. Wie ihre Geschwister Eric Roberts und Lisa Roberts Gillan wandte sie sich der Schauspielerei zu. Ihre ersten Rollen erhielt sie im Alter von 20 Jahren. Berühmt wurde sie drei Jahre später als Prostituierte in „Pretty Woman“.

Roberts war mit dem Musiker Lyle Lovett zwei Jahre lang verheiratet. 2002 heiratete sie den Kameramann Daniel Moder. Das Paar hat drei Kinder.
„Ich halte mich für eine Hausfrau“
Die Schauspielerei ist ihr nicht mehr so wichtig. Ihr Mann und die drei Kinder haben Vorrang. Daher hat Julia Roberts, 54, jahrelang abseits des Film-geschäftes gelebt. Bis sie das Drehbuch für die sechsteilige Serie „Gaslit“ in die Hände bekam. Darin steht eine Frau im Mittelpunkt, die den „Watergate-Skandal“ ins Rollen brachte und US-Präsident Richard Nixon zum Rücktritt zwang. Eine ernste Rolle für die sonst stets strahlende Darstellerin.
Frau Roberts, Sie haben vier Jahre lang keinen Film gedreht, sondern die meiste Zeit fern von Hollywood auf Ihrem Landsitz im US-Staat New Mexiko verbracht. Sie scheinen diesen Ort zu lieben …
Absolut. Er ist friedlich und erholsam. Ich kann dort keine schlechte Laune bekommen. Die Umgebung beschützt mich. Ich komme und gehe und niemand schert sich darum. Los Angeles (US-Staat Kalifornien) ist voll mit Show-Geschäft, und ich bin dort eine Berühmtheit. Ich finde es dort schwierig, aber das Biest Hollywood muss gefüttert werden.

Mögen Sie Hollywood nicht? Haben Sie dort zu viele schlechte Erfahrungen gemacht?
Ja, aber dann vergesse ich, wie schrecklich es war und versuche, aus bitteren Erfahrungen zu lernen. Filmemachen ist keine Raketen-Wissenschaft. Es geht um Beziehungen und Kommunikation. Menschen versuchen, in Harmonie produktiv und kreativ zu sein. Das ist eine Herausforderung. Wenn es funktioniert, ist es fantastisch und erhebt dich. Wenn es nicht funktioniert, fragst du dich: Was ist falsch gelaufen? Was in den handelnden Personen verursachte die Störung? Hat jemand zuviel Angst gehabt? Es gab Augenblicke, da machten Mitwirkende die Arbeit für alle anderen unmöglich, und ich sagte zu mir: So willst du nicht werden.

Wie sind Sie bei der Arbeit?
Genauso wie sonst auch. Die Arbeit muss Spass machen – allen am Drehort. Wir sind alle wichtig, auch der Maler, der etwas übertünchen muss, bevor wir drehen. Und mir ist klar, dass ich Verantwortung habe. Dass ich in der Mitte der Handlung stehe.
Wie in Ihrer neuen Produktion, der sechsteiligen Serie „Gaslit“. Darin verkörpern Sie Martha Mitchell, die Ehefrau von Präsident Nixons einflussreichstem Rechtsberater John Mitchell. Sie brachte den „Watergate-Skandal“ ins Rollen und starb im Jahr 1976. Ihren Mann verkörpert Sean Penn – wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Ich habe mein ganzes Leben lang darauf gewartet, mit meinem Freund Sean Penn arbeiten zu können. Wir haben die John- und Martha-Szenen zum ersten Mal zusammen gelesen, als Sean und der Regisseur Matt Ross bei mir daheim zu Besuch waren. Ich bereitete ein Mittagessen zu und sagte zu Sean: „Ich weiß nicht, ob ich diese Szenen mit jemandem spielen könnte, den ich nicht gut kenne.“ Solche Augenblicke sind knifflig, insbesonders, wenn man sich schlägt. (Justizminister Mitchell misshandelte seine Frau wegen des „Verrates“ an Nixon).

Sie haben in den vergangenen Jahren kaum romantische Rollen angenommen, warum nicht?
Wenn ich der Ansicht gewesen wäre, dass etwas gut genug ist, hätte ich es gemacht. Ich hatte aber auch drei Kinder (die Zwillinge Hazel und Phinnaeus, 17, sowie Henry, 14). Das erhöhte die Mess-Latte. Es erhob sich also die Frage nach den Schulstunden der Kinder und den Arbeitszeiten meines Mannes. Ich bin stolz darauf, bei meiner Familie zuhause zu sein und halte mich für eine Hausfrau. Nun, da die Kinder älter sind, insbesondere meine Tochter, fühle ich mich dafür verantwortlich, ihnen zu zeigen, dass ich auch kreativ sein kann.

Stimmt es, das Sie Ihr berühmtes Lächeln versichert haben?
Nein. Wogegen sollte ich es versichern? Wäre ich tatsächlich versichert, gäbe es bestimmt jemanden bei mir daheim, der abends zu mir sagen würde: „Du musst deine Zähne länger putzen“ (lacht).

Was tun Sie, um Spaß zu haben?
Glücklich bin ich und Spaß habe ich, wenn Harmonie im Haus herrscht. Oder wenn ich aufstehe und Frühstück mache, und die drei Kinder sind in die Schule gegangen – dann unternehme ich mit meinem Mann eine Fahrradtour oder wir gehen irgendwohin essen. Oder ich habe ein wenig Zeit für mich selbst. Um drei Uhr hole ich die Kinder von der Schule ab und mache später das Abendessen.

Sie gelten als „Amerikas Liebling“. Hat das für Sie eine Bedeutung?
Nein. Anfangs dachte ich, es bedeute, dass ich zierlich sei. Es ist nur eine Ansicht und Ansichten ändern sich. Diese Projektionen stammen nicht von mir, sondern von Personen, die mich beurteilen. Ich habe keine Kontrolle darüber. Es gibt immer wieder jemand anderen, der als neuer „Liebling“ gilt. Einst war dies zum Beispiel Sandra Bullock.

Warum wirken Sie immer so zufrieden?
Ein großer Teil davon ist meine Ehe. Danny (der Kameramann Daniel Moder, den sie im Jahr 2002 geheiratet hat) bereichert mich, er ist das Licht in meinem Leben …
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Dodoheimarie
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